Care Klima-Index

Tiefe Depression bei den Pflegeberufen

Mangelndes Selbstwertgefühl, fehlende gesellschaftliche Wertschätzung, düstere Zukunftsperspektiven der Pflege: Das sind Ergebnisse des ersten "Care Klima-Index".

Veröffentlicht:

BERLIN. Die Arbeitssituation und Perspektiven der Pflegeberufe werden überwiegend negativ beurteilt. Dies ist das Ergebnis des ersten "Care Klima-Index", der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Er basiert auf einer Repräsentativumfrage von insgesamt 2016 Personen. Darunter 644 professionell Pflegende, aber auch Pflegebedürftige, deren Angehörige sowie Ärzte und Vertreter von Krankenkassen. Die Ergebnisse im einzelnen:

  • 56 Prozent der Pflegeprofis sehen die gesellschaftliche Wertschätzung ihres Berufs als niedrig an.
  • 91 Prozent der Pflegeberufe beklagen einen niedrigen Stellenwert der Pflege in der Politik.
  • 59 Prozent sagen, das Pflegestärkungsgesetz II habe keinen Einfluss auf ihren Arbeitsalltag, 19 Prozent berichten von Erschwernissen.
  • Digitale Innovationen wie altersgerechte Assistenzsysteme spielen im Pflegealltag fast keine Rolle; zwei Drittel der Pflegeberufe können ihre Bedeutung nicht einschätzen.
  • Alle Befragten einschließlich der Pflegebedürftigen, ihrer Angehören und der Ärzte zu 51 Prozent beurteilen die Pflegequalität als mittelmäßig, 28 Prozent sogar als mangelhaft.
  • 80 Prozent der Pflegekräfte halten die personelle Ausstattung nicht für ausreichend; dieser Meinung sind auch 72 Prozent der Ärzte.

Als Konsequenz forderte der Präsident des Deutschen Pflegerats, Franz Wagner, mehr Investitionen in die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und in die Ausbildung sowie die Verringerung der Teilzeitarbeit.

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) gesteht erheblichen Nachholbedarf der Politik. Er sieht aber auch die Pflegeberufe selbst in der Verantwortung, vor allem beim Aufbau einer Selbstverwaltung.

In diesem Zusammenhang kündigte Laumann ein Gesetz an, das die Errichtung einer Kammer mit weitgehenden Befugnissen zur Übernahme staatlicher Aufgaben zum Ziel habe. (HL)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Ergänzung zu Antibiotika?

Mit intravaginaler Ascorbinsäure gegen bakterielle Vaginose

Review

RAS-Blocker präoperativ eher nicht absetzen?

Lesetipps