Care-Klima-Index

Trotz Reformmarathon: Pflegekräfte fühlen sich als fünftes Rad am Wagen

Schlechte Arbeitsbedingungen, wenig Wertschätzung und beim Corona-Krisenmanagement außen vor: Deutschlands Pflegeprofis sehen sich von der Politik stiefmütterlich behandelt, so eine aktuelle Umfrage.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:
Pflegekräfte hatten zusammen mit Ärzten die Schlüsselpositionen in der Pandemie inne, fühlen sich aber von der Politik trotz vieler Reformen schlecht behandelt.

Pflegekräfte hatten zusammen mit Ärzten die Schlüsselpositionen in der Pandemie inne, fühlen sich aber von der Politik trotz vieler Reformen schlecht behandelt.

© flywish/stock.adobe.com

Berlin. Trotz zahlreicher Reformen stellen Pflegekräfte der Bundesregierung ein schlechtes Zeugnis aus. Auch die mangelnde Integration der Pflegeprofession in die Maßnahmen zur Bewältigung der Coronakrise wird von einem Gros der Beschäftigten kritisiert. Sowohl bei der Ausstattung mit Schutzmaterialien als auch beim Einbezug in Krisenstäbe seien Pflegeprofis nur unzureichend berücksichtig worden.

Das geht aus Erhebungen für den aktuellen „CARE-Klima-Index“ hervor, die der „Ärzte Zeitung“ vorliegen. Für das Stimmungsbarometer befragten die Meinungsforscher von Ipsos zwischen November 2020 und Januar 2021 mehr als 1800 Teilnehmer.

Corona setzt Beschäftigten zu

Unter ihnen waren überwiegend Kranken- und Altenpfleger, aber auch Pflegemanager, Pflegeakademiker sowie Pflegebedürftige und Angehörige, Haus- und Fachärzte, Apotheker, Hebammen und Vertreter der Kostenträger. Der Care-Klima-Index geht auf eine Initiative des „Deutschen Pflegetags“ zurück und wird seit vier Jahren erhoben.

Der aktuellen Umfrage zufolge spürt die Mehrheit der Pflegekräfte den negativen Einfluss der Coronavirus-Pandemie auf den Berufsalltag: Insgesamt gibt jeder zweite an, dass sich seine Situation mit Ausbruch der Krise im Frühjahr 2020 verschlechtert habe – am deutlichsten gilt das für professionell Pflegende (73 Prozent), gefolgt von Pflegemanagern und Pflegeakademikern (59 Prozent).

Gesundheitssystem nur bedingt gewappnet

Zudem hält jeder Zweite das hiesige Gesundheitssystem nur für mittelmäßig gewappnet, um der Coronakrise zu trotzen – ein Drittel gar nicht. Grundsätzlich sagen mehr Pflegefachpersonen, die im Pflegeheim oder Krankenhaus arbeiten, dass ihre Arbeitsbedingungen schlecht sind (46 Prozent bzw. 50 Prozent), während Pflegeprofis aus der ambulanten Pflege diese eher im Mittelfeld einstufen (57 Prozent).

Das Bemühen der Großen Koalition, für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege zu sorgen, wird zwar von vielen Befragten registriert. Punkten können Union und SPD mit ihren Gesetzesinitiativen aber nur bedingt. So ist der Anteil derer, die sagen, dass sich ihr Berufsalltag durch die Pflegereformen erschwert hat, weiter gestiegen – und zwar von 18 Prozent im Jahr 2017 auf 31 Prozent im vergangenen Jahr. Unter den Pflegefachpersonen geben sogar 41 Prozent an, dass die Gesetzesänderungen eher eine zusätzliche Last seien.

Wahrnehmung auf niedrigem Niveau

Auch in puncto Wertschätzung durch die Politik zeichnet die Befragung ein eher negatives Bild– und das trotz zahlreicher Bekundungen, wie wichtig die Pflegeprofession für die Aufrechterhaltung der Versorgung sei. So vermuten 70 Prozent der Befragten, dass Pflege unter Politikern auf einem „niedrigeren Niveau“ rangiere als andere Themen.

Positiv gesehen werden hingegen Vorstöße, der Pflegeprofession eine größe Eigenverantwortung einzuräumen. Jeder Zweite (56 Prozent) begrüßt das – in der Gruppe der Pflegemanager und Pflegeakademiker sind es sogar 73 Prozent.

Bedenklich aber: Nach wie vor glaubt nahezu jeder zweite Befragte (46 Prozent), dass die künftige pflegerische Versorgung nur teilweise gesichert sei. 40 Prozent sehen diesbezüglich sogar „schwarz“. Nur 14 Prozent äußern sich optimistisch. Die Hälfte der Befragten (54 Prozent) stuft die Patientensicherheit als nur „teilweise gewährleistet“ ein. Dabei werden Personal- und Zeitmangel von 81 Prozent als größte Gefahrenquellen gesehen.

Mit Blick auf die rund 14.000 Alten- und Pflegeheime machen viele Befragte Handlungsbedarf vor allem bei der Betreuung durch Hausärzte (43 Prozent) sowie durch Fachärzte (42 Prozent) aus.

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