Direkt zum Inhaltsbereich

Zwischenbilanz

Verhaltene Resonanz auf die Grippe-Impfung in der Apotheke

Die Grippeschutz-Impfung in der Apotheke testet die AOK Nordwest in Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein. Die Kasse will damit Menschen erreichen, die nicht oder selten zum Hausarzt gehen. Nun zieht sie ein Zwischenfazit.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Der Modellversuch erlaubt es Apothekern in einigen Gebieten von Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein, drei Jahre lang gegen das Grippevirus zu impfen.

Der Modellversuch erlaubt es Apothekern in einigen Gebieten von Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein, drei Jahre lang gegen das Grippevirus zu impfen.

© David Inderlied/picture alliance

Dortmund/Kiel. Ein Modellversuch zu Grippeschutzimpfungen in Apotheken in Teilen von Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein hatte im vergangenen Jahr Kritik in der Ärzteschaft ausgelöst. Die Spitzen aus ärztlichen Institutionen und Verbänden machten klar, dass sie dieses Angebot für überflüssig halten.

Über ein Jahr nach dem Start zeigt sich, dass die Resonanz der Bevölkerung auf das Angebot bisher noch überschaubar ist. Die AOK Nordwest, in beiden Bundesländern Vertragspartner für den Modellversuch, zieht dennoch ein positives Zwischenfazit.

„Durch das niedrigschwellige Angebot konnten in beiden Modellregionen bislang in der ersten Grippesaison über 1100 Versicherte der AOK Nordwest in einer Apotheke gegen Influenza geimpft werden. Das ist ein gutes Ergebnis“, sagte AOK-Chef Tom Ackermann auf Anfrage der Ärzte Zeitung.

Zahlen könnten steigen

Die Zahlen im Detail: In Westfalen-Lippe haben in dieser Saison bis Mitte März 79 Apotheken aktiv geimpft, und zwar 980 Mal. Dem gemeinsamen Modellversuch mit dem Apothekerverband Westfalen-Lippe beigetreten sind aber schon 142 Apotheken, die Zahl der Impfungen könnte in der nächsten Grippe-Saison also deutlich steigen.

In Schleswig-Holstein hatten bis Mitte März erst elf Apotheken aktiv geimpft, und zwar 157 Mal. Dem Modellversuch beigetreten sind 37 Apotheken. Vertragspartner der AOK in Schleswig-Holstein ist die Gehe Pharma Handel GmbH aus Stuttgart. Auch im Norden ist der Modellversuch auf bestimmte Regionen begrenzt.

Wo in Apotheken geimpft wird

Westfalen-Lippe: Dortmund, Lippe, Höxter, Bielefeld, Herford, Minden-Lübbecke, Paderborn und Gütersloh sowie die Kreise Olpe, Hochsauerlandkreis und Märkischer Kreis.

Schleswig-Holstein: Kiel, Lübeck, Flensburg, Schleswig, Rendsburg und Eckernförde sowie die Landkreise Dithmarschen, Nordfriesland , Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde, Plön und Ostholstein. (di)

Die AOK nutzt bei den Modellversuchen im Westen und Norden den Gestaltungsspielraum, den der Gesetzgeber mit dem 2020 in Kraft getretenen Masernschutzgesetz eröffnet hat. Ackermann will in den Regionen Versorgung aktiv mitgestalten und die Impfquote deutlich steigern.

„Die liegt in Deutschland bei den über 60-jährigen bei etwa 35 Prozent, laut Weltgesundheitsorganisation sollten es 75 Prozent sein. Da ist also noch viel Luft nach oben“, sagte Ackermann.

In anderen Ländern konnte die Impfquote gesteigert werden

Er verweist auf Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern wie etwa Frankreich oder Großbritannien, wo die Impfquote durch Einbeziehung der Apotheken gesteigert werden konnte. „Angesprochen wurden dort vor allem Menschen, die sich sonst nicht haben impfen lassen“, sagte Ackermann. Diese Zielgruppe wollen auch die Apotheken in den deutschen Modellregionen erreichen: Menschen, die keinen Hausarzt haben oder diesen nur selten aufsuchen.

Ackermann betont: „Deshalb sehen wir hier auch kein konkurrierendes Angebot zu den Ärztinnen und Ärzten, sondern ein zusätzliches Angebot für die Versicherten.“ Er hofft, dass das Ziel, die Impfquote zu erhöhen, bei allen Beteiligten im Vordergrund steht.

Ob die bis Mitte 2024 befristeten Modellversuche verlängert werden, ist noch offen. Dies soll nach ersten Trendberichten aus der Evaluation entschieden werden. Eine Ausweitung der Modellregionen ist in den Verträgen nicht vorgesehen.

Auch die Chance, dass es vergleichbare Modellversuche zu anderen Impfungen geben könnte, ist derzeit gering. Die gesetzliche Grundlage dafür fehlt und zumindest aktuell gebe es für weitere Modelle keine Bestrebungen, betonte die AOK. Zunächst sollten die konkreten Ergebnisse aus den begonnenen Modellversuchen bewertet werden.

Lesen sie auch
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

GBA-Beschluss

Neue Vorgaben zur Corona-Impfung gesetzlich Versicherter in Kraft getreten

IGES-Gutachten

Bei den Krebsregistern bremst föderale Vielfalt die Datenqualität

Von Infektionen bis Dermatozoenwahn

Dermatologische Komplikationen von „Chemsex“

Das könnte Sie auch interessieren
Gut organisiert in die Grippesaison starten

© Abraham Gonzalez Fernandez | Getty Images

Impfmanagement

Gut organisiert in die Grippesaison starten

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

© Lu ShaoJi | Getty Images

Grippeimpfstoff-Forschung

Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Early-onset-Diabetes

Jeder zweite junge Erwachsene erreicht Diabetesremission

Lesetipps
Ältere Frau sitzt auf dem Boden und hält sich den Kopf.

© LIGHTFIELD STUDIOS / stock.adobe.com

Stürze vermeiden!

Synkopen wegen Blutdruck-Schwankungen: Worauf es dann ankommt