Direkt zum Inhaltsbereich

SARS-CoV-2-Pandemie

Warum die Zulassung von Corona-Selbsttests noch Zeit braucht

Corona-Selbsttests am Küchentisch sollen helfen, um möglichst bald aus dem Shutdown herauszukommen. Dass die Zulassung noch immer andauert, hat laut Bundesregierung einen einfachen Grund.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
Wir müssen so öffnen, dass Öffnungen nicht unmittelbar danach wieder zu einem raschen Anstieg der Infektionszahlen führen: Regierungssprecher Steffen Seibert. (Archivfoto)

Wir müssen so öffnen, dass Öffnungen nicht unmittelbar danach wieder zu einem raschen Anstieg der Infektionszahlen führen: Regierungssprecher Steffen Seibert. (Archivfoto)

© Britta Pedersen/dpa

Berlin. Die Bundesregierung setzt bei der Zulassung von Corona-Tests zum Eigengebrauch weiter auf das Prinzip Gründlichkeit vor Schnelligkeit. „Wir wollen sicherstellen, dass die Schnelltests, die auf den Markt kommen, bestimmten Qualitätsanforderungen genügen“, sagte ein Sprecher von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag vor Journalisten in Berlin.

Es gäbe für die Zulassung der Tests zwei Wege: den europäischen Weg über eine CE-Zertifizierung und den nationalen Weg der Zulassung über das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), erläuterte der Sprecher. Der zweite Weg sei zügiger, daher habe man sich dafür entschieden.

Zulassung nicht vor März

Allerdings genügten in Deutschland – anders als in Österreich – für die Zulassung der Tests nicht nur Angaben der Hersteller. Die Produkte sollten zudem durch das Paul-Ehrlich-Institut evaluiert werden. Das BMG rechne daher nicht vor März mit der Zulassung, so der Sprecher.

Diesen Zeitraum hatte zuvor auch das BfArM genannt. Damit sich die Tests von Laien sicher anwenden ließen und einen wirksamen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten könnten, müsse „Sorgfalt das oberste Prinzip in den Prüfverfahren sein“, teilte die Bonner Behörde am Montag auf Anfrage mit. Dem BfArM liegen aktuell Anträge von knapp 30 Herstellern auf Sonderzulassung der Tests vor.

Lesen sie auch

SPD-Fraktionsvize Bärbel Bas nannte Eigentests ein wichtiges Instrument, um Lockerungen zu ermöglichen. Die Bundesregierung müsse die Anwendungen „jetzt schon“ in eine nationale Teststrategie kleiden, damit sie nach Zulassung sofort und in ausreichender Zahl in Kitas und Schulen zur Verfügung stünden, sagte Bas dem „Deutschlandfunk“ am Montag. „Das geht mir im Moment zu zögerlich.“

Klar sei auch, dass ein Schnelltest keine 100-prozentige Sicherheit biete, so Bas. Dennoch ließen sich dadurch Superspreader mit hoher Viruslast besser „rausfiltern“. Seien die Tests zum Eigengebrauch Anfang März auf dem Markt, seien auch wieder Familienbesuche zu Ostern möglich, so Bas.

Merkel: „Öffnungsstrategien in mehreren Schritten“

Bund und Länder wollen bis zu ihren nächsten Beratungen am 3. März Vorschläge für eine „Öffnungsstrategie in mehreren Schritten“ erarbeiten, kündigte unterdessen Regierungssprecher Steffen Seibert an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schwebten „drei Stränge“ vor: private Kontakte, der Bildungsbereich Schule und hier vor allem die älteren Jahrgänge und schließlich Kultureinrichtungen sowie Gastronomie und Hotels.

Bei den jeweiligen Öffnungsschritten sei „sehr umsichtig“ vorzugehen, sagte Seibert. Wer bereits bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter oder um die 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner lockere, habe dann „keinerlei Sicherheitspuffer“ mehr.

Daher sehe das Infektionsschutzgesetz die Inzidenz 35 vor, die als ein „Vorsichtswert“ zu verstehen sei. Nähmen die Infektionszahlen dann zu, springe man nicht sofort über die 50. Letzterer Wert wird von vielen Gesundheitsämtern als der Wert angegeben, bei dem sich die Kontaktnachverfolgung gut sicherstellen lässt.

Ostern etwas anders als 2020?

Bei jedem Öffnungsschritt sei 14 Tage zu beobachten, ob die Infektionszahlen anschließend einigermaßen stabil blieben, um dann den nächsten Schritt einzuleiten, erläuterte Seibert. „Wir müssen so öffnen, dass Öffnungen nicht unmittelbar danach wieder zu einem raschen Anstieg der Infektionszahlen führen.“ In diesem Sinne habe sich auch Kanzlerin Merkel bei den vergangenen Bund-Länder-Beratungen geäußert.

Die Bundesregierung arbeite daran, sagte Seibert, „dass Ostern 2021 schon wieder ein etwas anderes Fest wird, als es Ostern 2020 war“.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Gesundheitswirtschaft

Impfangebot der Apotheken wird zunehmend bekannter

GBA-Beschluss

Neue Vorgaben zur Corona-Impfung gesetzlich Versicherter in Kraft getreten

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sie fragen – Experten antworten

Wann zählt die FSME-Impfung bei der Vorhaltepauschale mit?

Lesetipps
Ehrenamtliches Engagement beeindrucke sie nicht nur, „es berührt mich“, erklärte die einstige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

© David Vogt

Springer Medizin Gala

Preisträger des Springer Medizin Charity Awards feierlich gekürt

Bei der Springer Medizin Gala wurden die Preisträger des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Charity Awards gekürt.

© Marc-Steffen Unger

Preisträger gekürt

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026