„Klingbeil muss Vorschlag vorlegen“

Warum sich 4.000 Ärztinnen und Ärzte für die Zuckersteuer aussprechen

In einem offenen Brief werben Mediziner, Verbraucherschützer und Gesundheitsberufe für die Einführung einer Sonderabgabe auf sehr süße Limonaden. Der Bundesfinanzminister sei jetzt am Zug.

Veröffentlicht:
Eine geöffnete Flasche mit einem zuckerhaltigen Erfrischungsgetränk steht auf einem Tisch, in der Öffnung steckt ein Trinkhalm.

Süßgetränk mit Trinkhalm: Kommt die Zuckersteuer jetzt auch in Deutschland? (Symbolbild)

© Fernando Gutierrez-Juarez/dpa

Berlin. Am Mittwoch (29. April) will das Kabinett das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschließen. Eingespart werden sollen rund 20 Milliarden Euro allein im kommenden Jahr. Zuvor hatte eine Finanzkommission 66 Empfehlungen dafür vorgelegt. Darunter die, eine Abgabe auf stark gezuckerte Limonaden einzuführen. In Großbritannien gibt es eine solche Abgabe bereits.

Knapp 4.000 Ärztinnen und Ärzte erhöhen nun gemeinsam mit Verbraucherschützern den Druck auf die Bundesregierung, es den Briten gleich zu tun und eine Herstellerabgabe auf zuckrige Getränke einzuführen. Aus ärztlicher Sicht sei die Dringlichkeit hoch, heißt es in einem am Wochenende veröffentlichten Appell. Die Höhe der Abgabe solle sich nach dem Zuckergehalt der Getränke richten.

Lesen sie auch

Der Brief ist unter anderem vom Präsidenten der Bundesärztekammer (BÄK), Dr. Klaus Reinhardt, der Vorsitzenden der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Dr. Susanne Johna, sowie der Präsidentin des Berufsverbands Deutscher Internistinnen und Internisten, Christine Neumann-Grutzeck, unterzeichnet.

Krankheitskosten in Milliardenhöhe

Mehr als 1.000 Ernährungs- und Diabetesberater sowie Apotheker unterstützen die Aktion. Ernährungsbedingte Erkrankungen nähmen seit Jahren zu, argumentieren die Unterzeichner. Die Folgen seien jeden Tag in Praxen und Krankenhäusern sichtbar: „Übergewicht und Adipositas bereits im Kindesalter, frühe Stoffwechselstörungen, Typ-2-Diabetes, Fettlebererkrankungen sowie Karies.“ Dem Gesundheitssystem entstünden dadurch jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe.

Ärzteschaft, Fachwelt und eine Mehrheit der Bevölkerung würden eine Abgabe auf stark gezuckerte Getränke gutheißen, sagt BÄK-Chef Reinhardt. „Jetzt liegt es an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, einen konkreten Vorschlag vorzulegen.“

Lesen sie auch

Deutschland sei Schlusslicht, wenn es um die Vermeidung ernährungsbedingter Krankheiten gehe, so Luise Molling von foodwatch Deutschland. Die Bundesregierung dürfe sich nicht länger von den „leeren Versprechungen der Industrie einlullen lassen“.

Deutschland ist „Schlusslicht“

In der Koalition ist die Zuckerabgabe umstritten. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte kürzlich erklärt, aus präventiver Sicht ergebe es Sinn, über die Abgabe nachzudenken. Zuständig für Steuerfragen ist der Finanzminister. Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) hat sich gegen die Abgabe ausgesprochen. Im Bundesrat wird derzeit über einen Antrag Schleswig-Holsteins für die Einführung einer Zuckersteuer beraten.

Die Zuckerindustrie argumentiert: Eine Zuckersteuer mache niemanden schlank, schaffe nur neue Bürokratie und bevormunde Verbraucher. „Statt Symbolpolitik brauchen wir bessere Ernährungsbildung, klare Verbraucherinformation und eine gut sichtbare Kalorienkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmitteln“, heißt es in einem von der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker und dem Verein der Zuckerindustrie kürzlich verbreiteten Statement. (hom)

Lesen sie auch
Lesen sie auch
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Voraussetzungen für neue Kassenleistung

Lungenkrebs-Screening: Wie gut sind Praxen vorbereitet?

Krebsprävention

AOK Hessen informiert 17.000 Haushalte über HPV-Impfung

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
In Deutschland gibt es immer weniger klinische Forschung. Was Deutschland hingegen zu leisten imstande ist, zeigte sich zuletzt bei der COVID-19-Pandemie: mRNA-basierte Impfstoffe wurden schnell entwickelt und produziert.

© metamorworks / stock.adobe.com

Handlungsempfehlungen

Deutschland-Tempo statt Bürokratie-Trägheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Ein junges Mädchen wird geimpft – gegen HPV? (Symbolbild mit Fotomodellen)

© milanmarkovic78 / stock.adobe.com

Vision Zero Onkologie

Die Elimination des Zervixkarzinoms

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Ärztliche Pflichttätigkeiten

Zehn Praxis-Tipps für die Leichenschau

Voraussetzungen für neue Kassenleistung

Lungenkrebs-Screening: Wie gut sind Praxen vorbereitet?

Schulterblick

Wie eine Wiesbadener Hausärztin ihre Praxis digitalisiert

Lesetipps
Formular 21 - wie es richtig ausgefüllt wird, war in den vergangenen Jahren nicht allen Ärzten klar.

© Fernando Gutierrez-Juarez / dpa / picture alliance

Bescheinigung eines erkrankten Kindes

Kinderkrankenschein: So wird Formular 21 richtig ausgefüllt

Ein Arzt lädt Daten in die E-Patientenakte hoch

© Daniel Karmann/dpa/picture alliance

Elektronische Patientenakte im Versorgungsalltag

Bei diesen ePA-Baustellen müssen Praxen auf Behelfslösungen setzen