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Impfdialog in NRW

Was Beschäftigten im Gesundheitswesen auf den Nägeln brennt

Die Impfpause verunsichert Viele. Doch der Shitstorm für Minister Laumann blieb beim digitalen Impfdialog aus. Offenbar ist die Impfbereitschaft groß.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Der Internist Dr. Burkhard Rieke war Teilnehmer des digitalen Impfdialogs.

Das Fachenglisch der Studien zum Impfstoff muss in Alltagssprache übersetzt werden: Der Internist Dr. Burkhard Rieke war Teilnehmer des digitalen Impfdialogs.

© iss

Düsseldorf. Das hatte sich Karl-Josef Laumann (CDU) wohl schlimmer vorgestellt: Nur zwei Tage nach dem in Nordrhein-Westfalen verhängten Impfstopp stellte sich der Landesgesundheitsminister im ersten „Digitalen Impfdialog“ den Fragen von Beschäftigten aus dem Gesundheitswesen. Die Resonanz auf das Diskussionsangebot war groß, die Fragen waren sachlich, Kritik am Minister blieb aus.

„Mag sein, dass ich der Buhmann bin“, räumte Laumann gleich zu Anfang ein. „Als das Ausmaß der Lieferengpässe beim Corona-Impfstoff von BioNTech klar gewesen sei, habe er sich für die Impfpause entschieden – wohl wissend, dass dies eine Enttäuschung für viele Menschen war. „Ich konnte nicht das Risiko eingehen, dass der Impfstoff für die zweite Impfung fehlt“, erläuterte er. Die Zweitimpfungen würden fortgesetzt, somit werde niemandem ein großer Schaden zugefügt.

„Doc Caro“ setzt auf Gruppendynamik

Zu Beginn dieses Jahres ist Laumann noch davon ausgegangen, dass gerade beim medizinischen Personal noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten sei, um eine hohe Impfbereitschaft zu erreichen. „Aber jetzt bin ich zuversichtlich“, betonte er.

Dr. Carola Holzner, leitende Oberärztin der Notaufnahme an der Uniklinik Essen, hat sich die Aufklärung über die Corona-Impfung auf die Fahnen geschrieben. Holzner ist nach eigenen Angaben auf Kolleginnen und Kollegen zugegangen, um für die Impfungen zu werben.

Sie setzt auch auf eine gewisse „Gruppendynamik“, wenn die Impfungen beginnen. „In der Notaufnahme sind wir fast bei 100 Prozent“, berichtete Holzner, die als „Doc Caro“ in den sozialen Netzwerken aktiv ist. An den Unikliniken in NRW haben die Impfungen mit dem Impfstoff von Moderna begonnen.

Studien in Alltagssprache übersetzen

Es sei natürlich, dass einem neuen Impfstoff zunächst mit Skepsis begegnet werde, sagte Dr. Burkhard Rieke, der als Internist mit den Schwerpunkten Tropenmedizin und Infektiologie seit Jahren Impfkurse für Ärzte veranstaltet. Inzwischen gebe es durch die Phase III-Studien aber Sicherheit.

Die Studien seien zwar frei zugänglich, aber in Fachenglisch. „Wir müssen das in Alltagssprache übersetzen“, skizzierte er die Herausforderung für Ärzte. „Es ist ein erstaunlich guter Impfstoff“, könne man den Menschen sagen. Oder: „Ja, wir haben keine Zehn-Jahres-Perspektive, aber wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“

Den Teilnehmern am Impfdialog brannten zahlreiche Fragen auf den Nägeln, darunter viele, die auch die breite Bevölkerung beschäftigen.

Diese Fragen bewegten die Teilnehmer:

  • Darf man den Impfstoff selbst wählen? Solange es nicht genug gibt, muss man nehmen, was da ist, betonte der Minister. Mediziner Rieke findet die Fragen merkwürdig. „Das kommt mir vor wie die Situation, dass man einem Verhungernden Reis und Kartoffeln hinhält, und er nicht weiß, wie er sich entscheiden soll.“
  • Welche Nebenwirkungen gibt es? Es sei nichts Gravierendes bekannt, sagte Holzner. „An der Uniklinik Essen haben wir knapp 300 Leute geimpft, bis auf Armschmerzen haben wir nichts verzeichnet, was uns Sorgen machen könnte.“
  • Kann ein PCR-Test durch die Impfung ein positives Ergebnis zeigen? Nein, betonte Rieke.
  • Wie sieht es mit Langzeitschäden aus? Holzner geht davon aus, dass es keine typischen Langzeitschäden gibt. „Gerüchte über Impfschäden halten sich hartnäckig“, bedauerte sie – nicht zuletzt mit Blick auf die Behauptung, die Corona-Impfung mache junge Frauen unfruchtbar.
  • Können Patienten mit schweren Vorerkrankungen geimpft werden? Eine generelle Empfehlung dagegen gebe es nicht, sagte Holzner. Es handele sich immer um eine Individualentscheidung. „Man muss es mit dem Hausarzt oder dem Impfarzt absprechen.“ Allerdings könne es sein, dass der Schutz bei Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen geringer ist, ergänzte Rieke. Zu einzelnen Vorerkrankungen biete die STIKO-Empfehlung wichtige Informationen.

Auch die Reihenfolge bei der Impfung war ein wichtiges Thema. Klare Worte fand Minister Laumann für Berichte, dass in einzelnen Kliniken bereits Mitarbeiter geimpft würden, die nicht in den priorisierten Bereichen wie Corona-Stationen oder Notaufnahmen arbeiten.

Das Ministerium habe in einem Erlass klar gesagt, wer als erstes geimpft werden soll. „Wenn ein Chefarzt hingeht und entscheidet, dass Menschen geimpft werden, die mit diesen Bereichen nichts zu tun haben, dann ist das schlicht und ergreifend unsolidarisch.“ Aber das Ministerium könne nicht 339 Krankenhäuser kontrollieren.

Laumann hält es mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, die dann geimpft werden will, wenn ihre Gruppe dran ist. „Ich stehe genauso in der Reihe wie alle anderen“, stellte er klar.

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