DSO-Jahrestagung

Zahl der Organspender stagniert

Keine Delle durch die Pandemie, aber der erhoffte Anstieg bei der Organspende bleibt auch aus. Die DSO und Transplantationsmediziner fordern mehr öffentliche Aufklärung für das sensible Thema. Auch, weil immer noch zu wenige Bundesbürger zu Lebzeiten ihre Spendebereitschaft dokumentieren.

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Organspendeausweis: Der wird, wie auch eine Patientenverfügung noch viel zu selten genutzt. Nur 38 Prozent der bei der DSO registrierten postmortalen Organspender in diesem Jahr hatten ihre Organspendebereitschaft zu Lebzeiten mündlich oder schriftlich erklärt.

Organspendeausweis: Der wird, wie auch eine Patientenverfügung noch viel zu selten genutzt. Nur 38 Prozent der bei der DSO registrierten postmortalen Organspender in diesem Jahr hatten ihre Organspendebereitschaft zu Lebzeiten mündlich oder schriftlich erklärt.

© Petra Steuer / JOKER / picture alliance

Frankfurt/Main. Im Gegensatz zu vielen anderen EU-Ländern hat die Corona-Pandemie in Deutschland nicht zu Einbrüchen in der Organspende geführt, so Dr. Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Bis Ende September 2021 registrierte die DSO 696 postmortale Organspender, berichtete er am Donnerstag auf dem DSO-Jahreskongress. Im selben Zeitraum ein Jahr zuvor waren es 707 Organspender.

Sein Fazit mit Blick auf die Daten von 2012 bis 2021: Die Zahl der Organspender stagniert. Zwar schien es 2018 noch so, als ob ein Aufwärtstrend eingesetzt habe (damals wuchs die Zahl der Spender auf 719), aber seither schwankt der Wert immer knapp unter und über 700 Spendern. Am Engagement der Transplantationsbeauftragten liegt das nicht: 2349 organspendebezogene Kontakte von Kliniken mit der Stiftung gab es 2020 (Jan. bis Sept.), 2021 waren es mit 2339 nur 0,4 Prozent weniger. „Wenn es eine Organspenderin, einen Organspender gegeben hat, haben wir diesen auch zur Spende bringen können“, berichtete auch Dr. Kati Jordan, Transplantationsbeauftragte im Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum Berlin, von ihrer Erfahrung in der Pandemie.

Aber: Wegen der Pandemie hätten nicht alle Maßnahmen aus dem Initiativplan Organspende umgesetzt werden können. Das wirke sich nun aus, meinte Rahmel.

Zahl der postmortalen Organspenden ist gesunken

Die Zahl der postmortal gespendeten Organe sank 2021 (Januar bis September) auf 2182, das waren 5,2 Prozent weniger als 2020 (2301 postmortal gespendete Organe). Generell ist dabei die Organspendebereitschaft in Osten der Republik größer: In der DSO-Region Nord-Ost gibt es im Schnitt 12,8 Organspender pro einer Million Einwohner, in der Region Ost sind es sogar 16, im Süden – hier zählt Bayern als eigene Region – hingegen nur 7,6. Im Bundesdurchschnitt zählte die DSO von Januar bis September 11,2 Organspender je einer Million Einwohner.

Ein großes Problem ist nach wie vor, dass sich die Bundesbürger nur schleppend mit dem Thema Organspende auseinandersetzen: Gerade einmal 38 Prozent der Organspender in den ersten drei Quartalen 2021 hatten zu Lebzeiten schriftlich oder zumindest mündlich ihren Willen geäußert. Hier müsse dringend nachgebessert und mehr Aufklärung betrieben werden, mahnte Transplantationsbeauftragte Jordan. Auch müsse mehr Vertrauen in die Gerechtigkeit der Organverteilung geschaffen werden.

Mahnung an Klinikleitungen: Transplantationsbeauftragte freistellen!

Gleichzeitig forderte sie, wie auch BÄK-Ehrenpräsident Professor Frank Ulrich Montgomery, die Klinikleitungen mehr in die Pflicht zu nehmen, dass Transplantationsbeauftragte auch tatsächlich für ihre Tätigkeit freigestellt werden. Dies sieht eigentlich das Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende, das im April 2019 in Kraft getreten ist, vor.

Enttäuscht zeigte sich Montgomery zudem, dass in dem Sondierungspapier der Ampelkoalitionäre das Wort Organspende gar nicht auffindbar gewesen sei. Er hofft, dass dieses wichtige Thema den Weg in einen Koalitionsvertrag findet. (reh)

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