Eigene Berechnungen

Notfallversorgung: Zi-Chef stellt Zahlen der Krankenhaus-Kommission infrage

Die angenommene Überlastung der Notaufnahmen in den Krankenhäusern rührt nach Zi-Daten eher aus Personalmangel denn aus stärkerer Nachfrage. Die ärztlichen Bereitschaftsdienste vermelden relative Zuwächse.

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Wie gewichtig sind die jeweiligen Beiträge von Vertragsärzten und Kliniken zur Notfallversorgung? Die Krankenhausreform-Kommission hat möglicherweise nicht alle relevanten Daten ausgewertet.

Wie gewichtig sind die jeweiligen Beiträge von Vertragsärzten und Kliniken zur Notfallversorgung? Die Krankenhausreform-Kommission hat möglicherweise nicht alle relevanten Daten ausgewertet.

© Andreas Arnold / dpa / picture alliance

Berlin. Die Inanspruchnahme des ärztlichen Bereitschaftsdienstes wird unterschätzt. Darauf hat Dr. Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (Zi), am Freitag hingewiesen. So werde zum Beispiel der in vielen KVen angebotene telemedizinische Bereitschaftsdienst nicht berücksichtigt, weil er nicht über EBM abgerechnet werde.

Von Stillfried warf der Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausreform vor, in ihrer Stellungnahme zur Inanspruchnahme zur Reform der Notfall- und Akutversorgung in Deutschland aktuelle Entwicklungen bei der Inanspruchnahme der Notfallversorgung ausgeblendet und die Entwicklung bis 2019 nicht hinreichend differenziert zu haben.

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Rückgang der Notdienstfälle nur scheinbar

Aktuelle Überlastungen der Notaufnahmen in den Kliniken resultierten eher aus Personalengpässen denn aus steigenden Patientenzahlen, so der Zi-Chef. Insgesamt sei die Gesamtzahl aller ambulant oder stationär versorgten Notfälle in den Jahren von 2019 bis 2021 von 27,8 auf 22,6 Millionen zurückgegangen.

In ihrer am Montag präsentierten Stellungnahme gehen die 17 eher aus dem stationären Umfeld kommenden Experten dagegen von einer „gewachsenen Inanspruchnahme der Notfallversorgung“ aus.

Haben die Experten die Tele-Notfalldienste vergessen?

In den KVen mit zusätzlichen telemedizinischen Notdiensten werden zum Beispiel die Einsätze in den Notdienstpraxen für Kinder- und Jugendliche und die telefonischen Beratungsdienste mit kombinierten Stunden- und Beratungshonoraren vergütet. Diese wiederum finanzierten die KVen aus ihren Verwaltungsetats, heißt es beim Zi. Die Ausgaben seien deshalb in den Abrechnungsdaten nicht zu erkennen, so von Stillfried.

Der Rückgang der Fälle im vertragsärztlichen Notdienst falle damit nur scheinbar deutlicher aus als der in den Notaufnahmen. Als Beispiel führt das Zi Daten aus der KV Berlin an. Bei alleiniger Betrachtung der Abrechnungsdaten entstehe der Eindruck eines massiven Einbruchs der Fallzahlen von 163.000 Fällen im Jahr 2019 auf 63.000 im Jahr 2021. Tatsächlich weise die interne Statistik der KV eine Zunahme von 185.000 auf 199.000 Fälle auf.

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Fälle in Notaufnahmen wieder auf dem Stand von 2009

Die Kommission hatte in ihrer am vergangenen Montag vorgestellten „Vierten Stellungnahme“ vorgerechnet, dass die Gesamtzahl der durch den KV-Bereitschaftsdienst und in den Notaufnahmen der Krankenhäuser behandelten Patienten von 24,9 Millionen im Jahr 2009 auf 27,8 Millionen im Jahr 2019 zugenommen habe. Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der vom KV-Bereitschaftsdienst behandelten Patienten von 10,1 Millionen auf 8,8 Millionen gesunken, was zwölf Prozent entspreche.

Von Stillfried weist in seiner Replik darauf hin, dass der deutlichste Anstieg im Jahr 2013 verzeichnet worden war, danach jedoch ein kontinuierlicher Rückgang der ambulant in den Notaufnahmen versorgten Notfälle eingesetzt habe. In den Jahren von 2016 bis 2019 sei die Zahl der in den Notfallaufnahmen ambulant versorgten Notfälle von 10,7 Millionen auf 10,3 Millionen gesunken, teilte das Zi mit.

Mit Beginn der Corona-Pandemie habe sich der Rückgang dann deutlich beschleunigt. Die Anzahl der ambulanten Notfälle in Kliniken habe 2021 nur noch bei 8,8 Millionen gelegen. Damit habe sie annähernd wieder das Niveau von 2009 erreicht, so von Stillfried. Damals seien es 8,3 Millionen gewesen. (af)

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