Gesundheitszentren

Zweiter Frühling für das Modell Poliklinik

Mehr Beinfreiheit für die Polikliniken: Damit hat der Gesetzgeber eine Brücke von der Wendezeit in die Zukunft geschlagen, findet der Bundesverband MVZ.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Die rund 30 noch aktiven Polikliniken im Osten dürfen nun wieder neue Arztsitze übernehmen und weitere Fachrichtungen integrieren.

Die rund 30 noch aktiven Polikliniken im Osten dürfen nun wieder neue Arztsitze übernehmen und weitere Fachrichtungen integrieren.

© Jens Wolf / dpa

Berlin. Integrierte Gesundheitszentren spielen für die medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten eine zunehmend größere Rolle. Der Gesetzgeber hat die ehemaligen Polikliniken in den Neuen Ländern aufgewertet.

Tief verborgen im Themenwust des zum Abschluss der regulären Gesetzgebung dieser Legislatur im Juni verabschiedeten Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) hat die auslaufende GroKo Weichen gestellt. Die rund 30 noch aktiven Polikliniken in den Neuen Bundesländern haben vom Bundestag mehr Beinfreiheit bekommen. Sie dürfen nun wieder neue Arztsitze übernehmen und weitere Fachrichtungen integrieren.

MVZ-Verband: „Lange überfällig“

Die Koalition befreit die Polikliniken damit von den Fesseln, die ihnen das Bundessozialgericht 2003 angelegt hatte. Damals gab es noch ein so genanntes „Strukturwandelverbot“, das die Spielräume der Versorgungszentren zugunsten der Niederlassung in freier Praxis einschränkte.

„Die Beseitigung der Benachteiligung bei der Übernahme von neuen Sitzen und Fachrichtungen war lange überfällig“, kommentiert der Vorsitzende des Bundesverbands MVZ Dr. Peter Velling die Entscheidung. Viele der ehemaligen DDR-Polikliniken lägen in eher unterversorgten Gebieten in den Ostbezirken Berlins und in den Mittelstädten an den äußeren Landesgrenzen Brandenburgs, heißt es beim BMVZ. Dort seien sie wesentliche Pfeiler der flächendeckenden Versorgung.

Der Verband erinnert daran, dass die MVZ als „Regelstruktur der ambulanten Versorgung“ auf die staatlichen Polikliniken zurückgehen. Nach der Wende mussten viele dieser Versorgungseinrichtungen schließen. Die damalige Brandenburger Gesundheitsministerin Dr. Regine Hildebrandt, die in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden wäre, verhandelte den Erhalt der Brandenburger Strukturen erfolgreich in den Einigungsvertrag. Seit 2004 sind mit den Medizinischen Versorgungszentren vergleichbare Versorgungseinheiten überall in Deutschland entstanden. Aktuell zählt der Verband 3500 solcher Zentren.

Zentren mit Zukunft?

Die Zukunft der ambulanten medizinischen Versorgung in Integrierten Zentren hat wohl gerade erst begonnen. Von den Freien Demokraten (FDP) über die Grünen und Sozialdemokraten bis zur Linken haben es Ideen zum Ausbau von ambulanten Gesundheitszentren mit Kurzliegemöglichkeit nach operativen Eingriffen in die aktuellen Wahlprogramme geschafft.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wirbt seit 2018 dafür, kleinere Krankenhausstandorte in Intersektorale Gesundheitszentren (IGZ) umzuwandeln. Ambulante und stationäre Versorgung im ländlichen Raum sollten zusammengedacht werden, findet neuerdings auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft.

Der AOK-Bundesverband will lieber Regionale Gesundheitszentren mit ambulanten Angeboten finanzieren als „schlecht ausgestattete Krankenhäuser“. Dafür will der Verband sogar den Sicherstellungsauftrag umkrempeln. Medizinische Versorgungszentren auf dem Land sollten die Lücken an den Sektorengrenzen schließen, findet der Verband der Ersatzkassen.

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