Projekt 3TR

80 Millionen Euro-Projekt sucht individuelle Therapieoptionen

Für sieben immunvermittelte, allergische und entzündliche Krankheiten soll ein 80 Millionen Euro schweres europäisches Forschungsprojekt Wege zur personalisierten Medizin ausloten. Helfen soll dabei unter anderem Künstliche Intelligenz.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
High Bio-Tech: Mittels einer europaweiten Analyse von mehr als 50.000 Patienten in 50 klinischen Studien soll ein tieferes Verständnis der molekularen Mechanismen von Autoimmun-, Allergie- und Entzündungszuständen gewonnen werden.

High Bio-Tech: Mittels einer europaweiten Analyse von mehr als 50.000 Patienten in 50 klinischen Studien soll ein tieferes Verständnis der molekularen Mechanismen von Autoimmun-, Allergie- und Entzündungszuständen gewonnen werden.

© Cakeio / Getty Images / iStock

Granada/Marburg. In einem gemeinsamen öffentlich-privaten Partnerschaftsprojekt nehmen die EU-Kommission und der Europäische Dachverband der forschenden pharmazeutischen Industrie (EFPIA) die sieben Krankheitsbilder COPD, Asthma, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Multiple Sklerose, Lupus-erythematodes und rheumatoide Arthritis ins Visier.

Im Rahmen des nun in Granada gestarteten Projektes „3TR – Identification of the Molecular Mechanisms of non-response to Treatments, Relapses and Remission in Autoimmune, Inflammatory, and Allergic Conditions“ (3TR) sollen die Konsortialpartner neue, innovative sowie personalisierte Therapieoptionen in den Blick nehmen.

Daten von mehr als 50.000 Patienten

Mittels einer europaweiten Analyse von mehr als 50.000 Patienten in 50 klinischen Studien soll ein tieferes Verständnis der molekularen Mechanismen von Autoimmun-, Allergie- und Entzündungszuständen gewonnen werden. Das Vorhaben wird mit insgesamt über 80 Millionen Euro über sieben Jahre von der „Innovative Medicines Initiative 2“ (IMI2) gefördert, einem gemeinsamen Unternehmen der Europäischen Union und des EFPIA.

Die Projektkoordination erfolgt über die Fundación Pública Andaluza Progreso y Salud (FPS), eine Non-Profit-Organisation des regionalen andalusischen Gesundheitsministeriums. Die Projektleitung liegt bei Sanofi-Deutschland. Beteiligt sind 69 Partnerinstitute aus 15 EU-Mitgliedstaaten.

Kooperation von Wettbewerbern

An den Fachbereich Medizin der Marburger Philipps-Universität, der Teil des Konsortiums ist, gehen mehr als 200.000 Euro Projektmittel. „3TR ist eine bemerkenswerte Kooperation von Kliniken, Grundlagenforschern und Unternehmen. Zum Teil arbeiten hier Firmen gemeinsam an besseren Behandlungsmöglichkeiten, die eigentlich in Konkurrenz zueinanderstehen. Darüber hinaus wird die enge Einbindung medizinischer Einrichtungen dazu beitragen, relevantes Wissen rasch in Kliniken umzusetzen“, verdeutlicht Professor Bernd Schmeck, der das Marburger Teilprojekt gemeinsam mit Professor Claus Vogelmeier leitet.

Der europäische Verbund wird sich den eingangs erwähnten sieben immunvermittelten, allergischen und entzündlichen Krankheiten widmen. „Auf den ersten Blick erscheinen diese Krankheiten sehr unterschiedlich. Es gibt allerdings Hinweise, dass es auf molekularer Ebene ähnliche Muster gibt“, erläutert Schmeck. Bei der Studie sollen diese Muster identifiziert und in Biomarker überführt werden, um damit Behandlungswege sowie das Krankheits- und Patientenmanagement zu verbessern.

Zentrale Plattform für die Daten

Dafür würden Daten – beispielsweise zu molekularen Profilen in Blutzellen – von den mehr als 50.000 Patienten auf einer zentralen Datenverwaltungsplattform zusammengeführt. Bei der anschließenden Analyse kämen modernste Technologien der Bioinformatik und Biostatistik zum Einsatz – unter anderem auch der Aspekt des maschinellen Lernens. „Mittels RNA-Sequenzierung und neuer Algorithmen zur Auswertung können wir so Modelle generieren – beispielsweise zu Krankheitsverläufen“, erklärt Schmeck.

In 3TR werden auch Daten aus laufenden Forschungsprojekten der Marburger Lungenexperten infließen – beispielsweise aus dem ebenfalls europäischen Projekt „SysMed-COPD“, das Daten von mehr als 6000 Patienten aus Langzeitbeobachtungen, Biomaterialbanken und umfassenden Labormessungen zusammenführt. Dies diene der Entwicklung einer Software zur Entscheidungsfindung der Therapie bei COPD-Patienten. Auch hier komme bereits die Technologie des maschinellen Lernens und der Künstlichen Intelligenz zum Einsatz.

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