Gesundheitsnetzwerk

AOK geht eigene Wege mit digitaler Akte

AOK-Chef Martin Litsch hat die Entscheidungsstrukturen der gematik erneut als gescheitert bezeichnet. Die Technologie habe die Möglichkeiten der Gesundheitskarte längst überholt.

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Ab November sollen 8000 AOK-Patienten in Mecklenburg-Vorpommern verschiedene digitale Optionen zum Abruf ihrer Gesundheitsdaten zur Verfügung stehen.

Ab November sollen 8000 AOK-Patienten in Mecklenburg-Vorpommern verschiedene digitale Optionen zum Abruf ihrer Gesundheitsdaten zur Verfügung stehen.

© AOK Medienservice

BERLIN. Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, schlug auf einer Pressekonferenz in Berlin vor, die Hoheit über die Ausgestaltung der elektronischen Gesundheitsinfrastruktur unabhängigen Akteuren zu übertragen – ähnlich der Bundesnetzagentur. Bereits beim gevko-Symposium "Digitales Gesundheitswesen 2021" vor drei Wochen hatte sich Litsch ähnlich kritisch geäußert.

Auf der heutigen Pressekonferenz stellte er nun auch zwei aktuelle Pilotprojekte in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin vor, mit denen die Kasse nach 16 Monaten Vorbereitung nun ihr eigenes digitales Gesundheitsnetzwerk zum Datenaustausch zwischen Patienten, niedergelassenen Ärzten und Kliniken startet.

Das Netzwerk biete, so die AOK, eine digitale Akte, mit der sich medizinische Informationen und Dokumente jederzeit bereitstellen und abrufen ließen. Dieser sektorenübergreifende Austausch soll die optimale Behandlung der Patienten unterstützen und zu mehr Patientensicherheit führen.

Kein zentraler Ansatz

"Unser Ziel ist ein bundesweites Angebot für die AOK-Versicherten, das regional verschieden ausgestaltet wird", so Litsch. Die AOK verfolge bei der Umsetzung ihres Gesundheitsnetzwerkes "keinen zentralen Ansatz wie bei der gematik".

Je nach regionaler Situation würden unterschiedliche Anwendungen mit verschiedenen Partnern umgesetzt. Alle diese Lösungen seien aber "anschlussfähig", d. h. sie könnten unter dem Dach des Gesundheitsnetzwerkes vernetzt und auch an die Telematik-Infrastruktur angedockt werden. "Wir entwickeln keine Insellösung, sondern wollen Teil der gesamten digitalen Vernetzung sein", so Litsch weiter.

Erste Netzwerk-Projekt startet im November

Der Pilot in Mecklenburg-Vorpommern startet nach Angaben der AOK Anfang November mit zwei Kliniken und dem Ärztenetz "HaffNet". Etwa 8000 AOK-Versicherten stehen danach im Gesundheitsnetzwerk zunächst vier Anwendungen zur Verfügung.

  1. Die vier Optionen sind:
  2. das Aufnahme- und Entlassmanagement in den beteiligten Kliniken,
  3. der Austausch von Dokumenten zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten,
  4. die Möglichkeit zum Hochladen eigener medizinischer Dokumente wie Organspendeausweis oder Mutterpass sowie
  5. die Option, selbst erhobene Vitaldaten und Messwerte in die eigene Akte einfließen zu lassen.

Zum Jahreswechsel folgt der nächste Schritt in Berlin gemeinsam mit der privaten Klinikgruppe Sana Kliniken AG und dem kommunalen Krankenhauskonzer Vivantes. Beteiligt sind nach AOK-Angaben neun Kliniken und 13 Medizinische Versorgungszentren von Vivantes sowie das Sana-Klinikum Lichtenberg. Zusammen versorgen sie pro Jahr etwa 114.000 AOK-Versicherte, die künftig die digitale Akte nutzen können.

Patienten erhalten digitalen Medikationsplan

Zusätzlich würden den teilnehmenden Patienten in Berlin ein digitaler Medikationsplan, die Bereitstellung von Labordaten durch die beteiligten Ärzte sowie die Möglichkeit zur Terminvereinbarung mit Kliniken und Ärzten angeboten .(af/run)

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