Anleger müssen bis zu zwei Jahre auf ihr Geld warten

NEU-ISENBURG (hai). Anleger offener Immobilienfonds kommen bei einer Branchenkrise möglicherweise bis zu zwei Jahre lang nicht an ihr Geld. Unter den Fondsgesellschaften herrsche "weitgehend Einigkeit, bei drohenden hohen Mittelabflüssen künftig die Produkte kurzerhand einzufrieren", sagt ein Manager eines großen Anbieters.

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In Großbritannien wurden wegen der Immobilienkrise in den vergangenen Wochen und Monaten mehr als zehn Fonds gesperrt. "Bei einer angespannten Situation könnte sich auch in Deutschland die Branche gemeinschaftlich dafür entscheiden, vorerst keine Anteile mehr zurückzunehmen", bestätigt auch Stefan Thomas-Barein. Der Manager von Wallberg Kapital verfügt über beste Branchenkontakte, da der von ihm verwaltete Dachfonds Wallberg Real Estate in offene Immobilienfonds investiert.

"Zum Schutz der Sparer kann es als ultima ratio im Einzelfall sinnvoll sein, vorübergehend die Rücknahme von Anteilsscheinen auszusetzen", sagt Andreas Fink, Sprecher des Fondsverbands BVI. So könne verhindert werden, dass bei Liquiditätsproblemen Immobilien unter Druck veräußert werden müssen. Nach dem Investmentgesetz können Fonds bis zu zwei Jahre lang den Anlegern die Rückzahlung ihrer Anteilswerte verweigern.

In der mehr als 50-jährigen Geschichte der offenen Immobilienfonds ist dies bislang nur einmal geschehen. Die Deutsche Bank sperrte Ende 2005 nach hohen Mittelabflüssen vorübergehend ihren Grundbesitz-Europa. In Panik flüchteten Anleger auch aus anderen Fonds.

Die Deutsche Bank hat für ihre offenen Immobilienfonds jetzt vollkommen neue Vertragsbedingungen verfasst. Darin heißt es explizit: "Insbesondere bleibt der Gesellschaft vorbehalten, die Rücknahme der Anteile aus Liquiditätsgründen zum Schutz der Anleger befristet zu verweigern."

Auch die Commerz Real, der Immobilienfondsanbieter der Commerzbank, betont in neuen Beratungsunterlagen für ihre beiden Fonds, dass eine "vorübergehende Aussetzung der Anteilscheinrücknahme im Ausnahmefall möglich" sei.

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