Wille zu mehr Dienstleistungen

Apotheker liebäugeln mit neuen Aufgaben

Kassenhonorar für neue Dienstleistungen – dieser lang gehegte Wunsch der Apothekerschaft scheint jetzt in greifbare Nähe gerückt.

Von Christoph Winnat Veröffentlicht: 23.01.2019, 05:20 Uhr
Apotheker liebäugeln mit neuen Aufgaben

Kernkompetenz Polymedikation: Davon erhoffen sich Apotheker ein neues, eigens erstattungsfähiges Beratungs-Standbein.

© Henrik Dolle / stock.adobe.com

BERLIN. Seit Jahren schon fordern die Apotheker, mehr Service im Rahmen der gesetzlichen Kostenerstattung bieten zu dürfen, als nur Medikamentenpackungen aus dem Schrank zu ziehen und Rezepte einzulösen. Anlässlich der aktuellen Gesetzgebungspläne zur Neuordnung der Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel stehen die Chancen gut für die Branche, mit ihren Wünschen in Berlin durchzudringen.

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte bereits Entgegenkommen für den Fall signalisiert, dass die Standesvertretung ihre Forderung nach einem Verbot des Rx-Versands aufgibt. Dem ist die ABDA nachgekommen und beharrt nun, wie bereits berichtet, nurmehr noch auf einem Rezept-Boni-Verbot, das um der besseren Verteidigung gegen Brüsseler Liberalisierungsbestrebungen willen im Sozialgesetzbuch V zu verankern wäre.

Neue Angebote

Beim Fortbildungskongress „Pharmacon“ in Schladming bekräftigte zu Wochenbeginn Apothekerkammerpräsident Andreas Kiefer den Anspruch auf neue Tätigkeiten. An erster Stelle: Die bezahlte Medikationsanalyse für Chroniker unter Polymedikation. Ein Angebot, das gleichwohl zu priorisieren sei. Kiefer: „Da die zeitlichen Kapazitäten der Apotheker und die finanziellen Ressourcen begrenzt sind, können wir diese Leistung nicht jedem Patienten zu Gute kommen lassen“.

Als zweites Beispiel einer „honorierten Dienstleistung“ nennt Kiefer den Präparateaustausch von Arzneimitteln, „die wegen Qualitätsmängeln zurückgerufen wurden“. Der Apothekerpräsident bezieht sich damit auf den bundesweiten Rückruf des Blutdrucksenkers Valsartan im vergangenen Jahr. „Dies hatte zu erheblichem Aufwand bei Patienten, Ärzten und Apothekern geführt“, so Kiefer. „Wenn man uns den Spielraum einräumt, können die Apotheker hier Bürokratie abbauen und mithelfen, Kosten einzusparen.“

Darüber hinaus wollen die Apotheker weitere Dienstleistungen eigenständig definieren dürfen. Für ABDA-Präsident Friedemann Schmidt hat die Ausweitung des erstattungsfähigen Tätigkeitsspektrums keinen geringen Stellenwert: „Das ist das Thema, das vielleicht die stärksten Implikationen und die stärksten Chancen für die Zukunft mit sich bringt“.

Absicherung vor Forderungen aus Brüssel

Denn auch davon sei – so jedenfalls lassen sich die weiteren Ausführungen des ABDA-Präsidenten interpretieren – eine bessere Absicherung gegen drohende Brüsseler Angriffe auf nationale Reglements zu erhoffen, die die wirtschaftlichen Interessen des Apothekerstandes heute noch schützen; an welche Reglements er dabei denkt, sagte Schmidt nicht.

Die Budget-Vorstellungen der ABDA zur Finanzierung solcher neuen Tätigkeiten gehen bislang aber nicht über das hinaus, was der Minister pro anno springen zu lassen bereit ist: 240 Millionen Euro (vor Mehrwertsteuer). Diesen Betrag, über den Daumen fünf Prozent dessen, was die GKV jährlich den Apothekern überweist, hatte Spahn Mitte Dezember anlässlich der Vorstellung seiner Idee eines Bonus-Deckels für EU-Versandapotheken von 2,50 Euro je Rx-Packung selbst vorgeschlagen. (cw)

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