Influenza und Pneumokokken

Arztnetze fordern Anstrengungen für viel höhere Impfquoten im Herbst

Die Agentur Deutscher Arztnetze zieht eine positive Zwischenbilanz der Pandemie. Für die zu erwartende Grippewelle in Kombination mit COVID-19 gelte es allerdings, sich gut vorzubereiten.

Hauke GerlofVon Hauke Gerlof Veröffentlicht:
Influenza- und Pneumokokken-Impfungen müssen forciert werden, fordern die Netzärzte. So soll die Kollision von Corona-Pandemie und Influenza-Welle abgemildert werden.

Influenza- und Pneumokokken-Impfungen müssen forciert werden, fordern die Netzärzte. So soll die Kollision von Corona-Pandemie und Influenza-Welle abgemildert werden.

© Digitalpress / stock.adobe.com

Berlin. Wie wird das Gesundheitssystem mit den Herausforderungen im Herbst und Winter fertig werden, wenn eine zweite Pandemiewelle mit der saisonalen Influenza-Welle kollidieren könnte? Das fordert ein hohes Maß an Vorausplanung, warnt die Agentur Deutscher Arztnetze (ADA).

Wie in jedem Jahr werde die nächste Welle von echter Influenza und grippalen Infekten auf die Praxen zurollen, nur dieses Mal kompliziert durch eine permanente Corona-Pandemie.

Corona-Test bei jedem grippalem Infekt

Jeder grippale Infekt werde die Notwendigkeit einer Corona Testung begründen, warnt ADA in einer Mitteilung von Freitag. Für „unsere Netze und Praxen“, die sich „vielerorts bereits an der Bewältigung der ersten Welle beteiligt“ hätten, gelte es, folgende Lehren zu ziehen, wird Dr. Thomas Schang, Vorsitzender der Agentur, zitiert:

  • Trennung der Patientenströme: Es gelte, infizierte Patienten vom allgemeinen Versorgungsgeschehen in Praxen und Kliniken zu trennen. Dies könne etwa durch Pläne zur kurzfristigen bedarfsabhängigen Bildung von Schwerpunkteinrichtungen zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Verdacht auf COVID-19 erreicht werden, zum Beispiel in speziellen Praxen mit entsprechende finanzieller Kompensation.
  • Teststrategie: Risikogruppen sollten auch ohne Symptome in Praxen und Gesundheitsämtern, die dazu ausreichend ausgestattet und finanziert werden müssen, getestet werden.
  • AU-Bescheinigung nach Fernbehandlung: Die Möglichkeit einer AU-Bescheinigung im Rahmen einer Fernbehandlung in ärztlicher Verantwortung müsse wieder zulässig sein, fordert Schang. Missbräuchliche Nutzung der Fern-AU ohne ausreichende ärztliche Sorgfalt oder ohne Tätigkeit im Rahmen einer Niederlassung oder einer ermächtigten Klinik stellen nach Aussage von ADA allerdings einen Verstoß gegen die ärztliche Berufsordnung dar. Es erscheine nicht sinnvoll, Digitalisierung mit elektronischem Rezept und elektronischer AU zu forcieren, aber die derzeit wichtigste Nutzanwendung generell zu untersagen.
  • Höhere Impfquote: In diesem Jahr müssten nicht zuletzt alle Anstrengungen von Politik, ÖGD, Kostenträgern und Praxen unternommen werden, um eine sehr viel höhere Impfquote als bisher zu erzielen, insbesondere gegen Influenza und Pneumokokken.

„Die zu treffenden Maßnahmen und Pläne können sich je nach regionalen Gegebenheiten unterscheiden, müssen aber in allen Regionen frühzeitig konsentiert und bekannt sein“, betont Schang.

Während der ersten Pandemie-Welle habe Deutschland letztlich zu vielen „richtigen organisatorischen Maßnahmen gefunden, die uns bisher eine vergleichsweise milde Entwicklung von COVID-19 einbrachten“. Ärztenetze seien „auch weiterhin bereit, an der langfristigen Bekämpfung der Pandemie in Kooperation mit KVen, Kostenträgern und dem ÖGD mitzuwirken“, versichert der Netzarzt.

Hören Sie dazu auch den ÄrzteTag-Podcast „Vermischen sich im Herbst die Corona-Pandemie und die Grippewelle?“ mit DEGAM-Vize Professor Eva Hummers.

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