Bauzinsen: Historische Tiefs in Sichtweite

Gute Nachrichten für Haus- und Wohnungskäufer: Die Zinsen für Baudarlehen könnten als Effekt der Schuldenkrise in Europa schon bald auf ein neues Allzeittief sinken. Derzeit bewegen sich die Zinsen für zehnjährige Hypotheken exakt auf dem Niveau des historischen Tiefs.

Von Jürgen Lutz Veröffentlicht:
Die Kosten für die Finanzierung eines Eigenheims sinken wieder - eine Chance für Bauherren.

Die Kosten für die Finanzierung eines Eigenheims sinken wieder - eine Chance für Bauherren.

© Alterfalter / fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Nach dem bisherigen Tief der Bauzinsen im September vergangenen Jahres kam es in den folgenden Monaten zu einem kräftigen Zinsanstieg: Zehnjährige Darlehen kosteten im frühen Sommer 2011 knapp vier Prozent.

Viele Experten rechneten aufgrund der stabilen Konjunktur in Deutschland mit einer Fortsetzung dieses Trends hin zu steigenden Zinsen und rieten damals zum schnellen Abschluss eines Baudarlehens oder eines Forward-Darlehens.

Schwer vorhersehbar war damals, wie heftig die Schuldenkrise im Euro-Raum Einfluss auf die Zinsen nehmen würde.

Einer der wenigen Marktbeobachter, die schon früh warnten, dass die Bauzinsen nicht ungebremst weiter steigen würden, war Max Herbst. Der Inhaber der FMH-Finanzberatung vertrat im Juli 2011 den Standpunkt, "dass die Schuldenprobleme im Euro-Raum immer wieder aufflammen werden".

Mehrere tausend Euro Einsparung möglich

Solange Deutschland als Hort der Sicherheit gesehen werde, könnten die Baugeldzinsen nicht substanziell steigen, so Herbsts Meinung.

Folglich rechnete er mit leicht sinkenden Hypothekenzinsen und riet angehenden Bauherren und Immobilienkäufern, sich mit dem Abschluss eines Bau- oder eines Forward-Darlehens Zeit zu lassen.

Wer sich daran hielt, kommt nun an weitaus günstigere Angebote als im Frühjahr oder Sommer und kann so über die Jahre hinweg mehrere tausend Euro sparen.

Begnügen mit Mini-Renditen?

Werden die Zinsen noch weiter sinken? Ein Indiz dafür ist die Rendite aller umlaufenden öffentlichen Anleihen. Die Umlaufrendite hat am 23. September mit 1,49 Prozent ein Allzeittief erreicht, das deutlich unter jenem vom September 2010 bei 1,87 Prozent liegt.

Diese extrem niedrige Rendite spiegelt die Angst der Anleger wider, die sich offenbar mit Mini-Renditen begnügen, wenn sie ihr Geld nur sicher anlegen können.

Allgemein gilt: je niedriger die Umlaufrendite, desto niedriger die Bauzinsen. Allerdings hat die Rendite der Pfandbriefe, die ebenfalls Einfluss auf die Höhe der Bauzinsen haben, ihr Tief vom September 2010 noch nicht unterschritten.

Jetzt mit gutem Gewissen zuschlagen

Ob Hauskäufer auf einen weiteren Zinsverfall wetten sollten, steht auf einem anderen Blatt. Für Herbst, der die Zinsmärkte seit 25 Jahren auswertet, stellt ein jährlicher Darlehenszins von 3,6 Prozent für ein 15-jähriges Baudarlehen "ein ausgezeichnetes Angebot" dar.

Wer sich mit dem Gedanken trage, sehr bald eine Immobilie zu finanzieren, könne daher jetzt guten Gewissens zuschlagen. Ansonsten empfiehlt er, den Markt in aller Ruhe zu beobachten und Forward-Darlehen derzeit nicht abzuschließen.

Der Grund: Eine substanzielle Umkehr des Abwärtstrends bei den Bauzinsen in den nächsten Wochen und Monaten sei unwahrscheinlich.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Geldtipp-Podcast Pferdchen trifft Fuchs

Wie Benchmarks Erfolg messen

Geldtipp-Podcast Pferdchen trifft Fuchs

Welche Anlageklassen sich 2026 lohnen

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

© Springer Medizin Verlag

Unternehmen im Fokus

Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Beratung in der Arztpraxis

Sicher mit Kindern verreisen: So geht‘s

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?