Virtuelles Treffen

Berlin ist stolz auf den Corona-Impfstoff „made in Mainz“

Digitalmeeting mit Merkel, Spahn und Karliczek: BioNTechs Forschungschefin berichtet von einem reibungslosen Impfstart in Großbritannien. Unterdessen ordert auch Chinas Regierung die mRNA-Vakzine aus Rheinland-Pfalz.

Von Christoph WinnatChristoph Winnat Veröffentlicht:
Objekt der Begierde: Der erste klinisch voll geprüfte Corona-Impfstoff kommt vom Mainzer Start-up BioNTech.

Objekt der Begierde: Der erste klinisch voll geprüfte Corona-Impfstoff kommt vom Mainzer Start-up BioNTech.

© BioNTech

Berlin. Der Coronaimpfstoff des Mainzer Unternehmens BioNTech und seines US-Partners Pfizer erfüllt in Sachen Verträglichkeit offenbar die Erwartungen. In Großbritannien, wo die mRNA-Vakzine weltweit zuerst freigegeben wurde, sind laut BioNTechs Forschungschefin Dr. Özlem Türeci seit Kampagnenbeginn am Montag bereits rund 140.000 Menschen geimpft worden. Dabei bestätige sich, was auch in der Phase-III-Studie bereits zu sehen war: leichte bis moderate Nebenwirkungen, die schnell vorübergingen. Türeci berichtete anlässlich eines virtuellen Meetings am Donnerstag mit Bundeskanzlerin Merkel, Gesundheitsminister Spahn und Forschungsministerin Karliczek.

Die Verträglichkeit sei eine der „drei nicht verhandelbaren Prioritäten“ gewesen, die man sich zum Projektstart gesetzt habe, so Türeci – die beiden anderen: Schnelligkeit ohne wissenschaftliche Abstriche sowie eine hohe Wirksamkeit über sämtliche Altersgruppen hinweg.

Wann man denn zum ersten Mal über einen Corona-Impfstoff nachgedacht habe, wollte die Kanzlerin wissen. „Am 24. Januar – am Frühstückstisch“ – habe ihr Ehemann und Firmengründer Ugur Sahin entschieden, den Startschuss zu geben und zunächst Mitarbeiter und Investoren dazu zu bewegen, sämtliche Ressourcen auf einen mRNA-Ansatz gegen SARS-CoV-2 zu konzentrieren. „Alle haben mitgezogen.“

Nicht ohne Chargenprüfung

Der Stolz darüber, dass der erste klinisch regulär geprüfte Coronaimpfstoff in nur elf Monaten am Standort Deutschland entwickelt werden konnte – Spahn: „made in Mainz“ –, war den Regierungsmitgliedern anzumerken. Forschungsministerin Anja Karliczek betonte, ihr Haus habe bereits 2008 mit Fördermitteln zur Unternehmensgründung beigetragen. BioNTechs Impfstoffprojekt BNT162 unterstützt das Bundesforschungsministerium mit 375 Millionen Euro.

Gesundheitsminister Jens Spahn bekräftigte, dass mit der Impfung voraussichtlich ab 27. Dezember begonnen werde. Zuvor wird am 21. Dezember der Fachausschuss für Humanarzneimittel CHMP bei der europäischen Oberbehörde EMA eine Empfehlung pro oder contra Zulassung abgeben. Bei positivem Votum muss anschließend die EU-Kommission formell zulassen. Und danach stehe auch noch die Chargenprüfung des Paul-Ehrlich-Instituts an, erinnerte Spahn.

Der Pfizer/BioNTech-Impfstoff BNT162b2 hat mittlerweile in mehreren Ländern eine Notfallzulassung erhalten, so außer in UK auch in Kanada, den USA, Mexiko, Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait und Singapur. Das europäische Verfahren zielt auf eine zwar bedingte gleichwohl ordentliche Zulassung. Auch in der Schweiz ist ein Antrag auf ordentliche Zulassung anhängig.

Liefervertrag mit China

Früheren Ankündigungen zufolge wollen BioNTech und Pfizer nächstes Jahr über eine Milliarde Dosen ihres mRNA-Impfstoffs produzieren – unter anderem in Marburg, wo BioNTech eigens zu diesem Zweck eine Biotechanlage von Novartis übernommen hat. Die EU hat bereits 200 Millionen Dosen für ihre Mitgliedsländer geordert und hält eine Option auf weitere 100 Millionen.

Auch China wird von der Vakzine aus Rheinland-Pfalz profitieren: Am Mittwoch gaben BioNTech und sein chinesischer Partner Fosun Pharma bekannt, mit der Regierung in Peking „eine erste Liefervereinbarung über 100 Millionen Dosen BNT162b2“ unterzeichnet zu haben, „abhängig von einer möglichen Zulassung“. Für den Antrag im Reich der Mitte laufen den Angaben zufolge eigene Studien, derzeit die Ende November in der Provinz Jiangsu begonnene Phase-2-Studie zuSicherheit und Immunogenität, an der 960 gesunde Probanden im Alter von 18 bis 85 Jahren teilnehmen sollen. (cw)

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