Kommentar

Berufskrankheiten: Ernüchternde Bilanz

Es gibt auch ein Berufsleben jenseits von Corona. Dort sollten vor allem Outdoor-Worker für das Hautkrebsrisiko sensibilisiert werden.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:

Mit dem zum Jahreswechsel in Kraft getretenen Siebten Gesetz zur Änderung des Vierten Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze wurde der Weg freigemacht zu einer vereinfachten Anerkennung bestimmter Berufskrankheiten (BK), die bis dato mit dem Unterlassungszwang behaftet waren.

Betroffene müssen jetzt nach dem Stellen einer Verdachtsanzeige auf das Vorliegen einer berufsbedingten Erkrankung nicht mehr – wie bisher – auf die Ausübung ihres Jobs verzichten, um überhaupt in das Prüfverfahren für einen Leistungsbezug, der Berufskrankheitenrente, zu kommen. Im Gegenzug müssen Betroffene jetzt stärker ihren Mitwirkungspflichten bei Präventionsmaßnahmen nachkommen. Denn ebendiese sollen berufsbegleitend erfolgen.

Die Bilanz des BK-Jahres 2021 wird zeigen, ob der Wegfall des Unterlassungszwangs bereits Anzeichen einer Trendwende bei den ehemals betroffenen BK erkennen lässt.

Derweil mahnt der jüngst für das Jahr 2019 von der Bundesregierung veröffentlichte Bericht zur Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu mehr Prävention in verschiedenen Arbeitskontexten. Erwartungsgemäß – die Dermatologen prophezeiten es jahrelang – ist bei dem 2015 in die BK-Liste als Nummer 5103 aufgenommenen Hautkrebs ein im fünften Jahr anhaltender Anstieg zu erkennen – besonders bei den Outdoor-Workern, die im Vergleich zu Indoor-Arbeitern ein erhöhtes Sonnenexpositionsrisiko aufweisen.

So kam der Hautkrebs laut Bericht über alle Berufskrankheiten hinweg bei den Verdachtsanzeigen mit 9930 Fällen auf Platz drei und bei den Anerkennungen mit 5503 Fällen auf Rang zwei.

Arbeitgeber stärker sensibilisieren

Die Arbeitgeber müssen – unterstützt von den jeweils zuständigen Berufsgenossenschaften sowie Arbeitsmedizinern – für das Gesundheitsrisiko der Arbeit im Freien noch stärker sensibilisiert werden. Eine Umfrage der BG BAU hatte zum Beispiel jüngst ergeben, dass sich Berufsanfänger herzlich wenig um die Sonnenexposition scheren, obwohl sie mehrheitlich angaben, um die Gefahr wissen.

Hier helfen nur zielgruppenadäquate Präventionskampagnen, die den Spaß am Gesundheitsschutz fördern. Denn dieser sollte sich gerade in der Pandemie nicht nur auf das allseits nervende Virus konzentrieren. Abwechslung ist hier sicher vielen willkommen!

Schreiben Sie dem Autor: matthias.wallenfels@springer.com

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Hochrisikopatienten richtig antikoagulieren

COVID-19 & Thrombose

Hochrisikopatienten richtig antikoagulieren

Anzeige
Management tumorassoziierter VTE

CME-Fortbildung

Management tumorassoziierter VTE

Anzeige
CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Empfehlungen

CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Anzeige
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Die Privatliquidation, aber auch Recall-Tätigkeiten können MFA durchaus im Homeoffice erledigen.

Exklusiv Corona-Prävention

Homeoffice für MFA und ZFA? Ärzte sind skeptisch

Eine Mitarbeiterin pipettiert im Labor Geesthacht...

Gastbeitrag zur SARS-CoV-2-Testung

Wie mittels PCR-Tests Coronavirus-Mutationen entdeckt werden können