Apps auf Rezept

BfArM lässt erste DiGA für Diabetiker und Raucher zu

Zwei neue DiGA-Zulassungen, zwei neue Patienten-Zielgruppen: Auch Diabetiker und Raucher können nun digitale Unterstützung auf Kassenkosten in Anspruch nehmen.

Von Margarethe UrbanekMargarethe Urbanek Veröffentlicht:
Ein digitales Tagebuch bietet Diabetikern ab sofort die Möglichkeit, ihre Blutzucker-Daten auszuwerten. Raucher können mithilfe einer neuen DiGA ihre Tabakabhängigkeit überwinden.

Ein digitales Tagebuch bietet Diabetikern ab sofort die Möglichkeit, ihre Blutzucker-Daten auszuwerten. Raucher können mithilfe einer neuen DiGA ihre Tabakabhängigkeit überwinden.

© DragonImages / Getty Images / iStock

Neu-Isenburg. Ärztinnen und Ärzte können inzwischen 19 Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), die sogenannten „Apps auf Rezept“, zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnen. Mit den beiden letzten DiGA-Zulassungen des Bundesamtes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) werden gleich zwei neue Zielgruppen angesprochen: Diabetikerinnen und Diabetiker sowie Raucherinnen und Raucher.

Digitales Diabetesmanagement

Esysta (PZN: 17582851) ist eine digitale Gesundheitsanwendung für insulinpflichtige Diabetiker (ICD-10-Codes E10 und E11). Die App erleichtert das Diabetesmanagement durch automatischen Datenimport aus Blutzuckermessgeräten und Insulinpens in ein digitales Tagebuch. Patienten mit Typ-2-Diabetes, die ausschließliche orale Antidiabetika einnehmen und kein zusätzliches Insulin spritzen müssen, gehören nach Angaben des BfArM nicht zur Patientengruppe der DiGA. „Eine kontinuierliche Datenauswertung erleichtert und verbessert das Diabetes-Selbstmanagement durch Feedback in Form einer nutzerfreundlichen Ampelfunktion und eines 7-Tage-Trends“, heißt es im DiGA-Verzeichnis des BfArM zur App. Ärzte können die erfassten Daten der Patienten jederzeit einsehen – vorausgesetzt die Patienten geben die Daten entsprechend frei.

Der medizinische Nutzen der DiGA ist laut Hersteller in einer Studie mit der AOK Nordost nachgewiesen worden. Den Angaben des BfArM zufolge haben dabei 215 Patientinnen und Patienten Esysta für mindestens zwölf Monate genutzt. Im Mittel sei dabei eine Absenkung des HbA1c-Wertes um 0,9 Prozent erreicht worden. Die Senkung des HbA1c-Wertes gehe dabei über den als klinisch relevant erachteten Wert von 0,3 Prozent heraus.

Nichtraucher-Coaching

Die DiGA „NichtraucherHelden“ (PZN: 17575561 und 17575578) soll Patientinnen und Patienten dabei unterstützen, ihre Tabakabhängigkeit zu überwinden. Verschreibungsfähig ist die DiGA für Patienten mit der ICD-10-Diagnose F17.2 – psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeitssyndrom. Die App begleitet Patientinnen und Patienten über einen Zeitraum von drei Monaten hinweg mit einem kognitiv-verhaltenstherapeutischen Nichtrauchercoaching.

Die DiGA-Zulassungen für Esysta und Nichtraucherhelden sind zunächst nur vorläufig erfolgt. DiGA, die vorläufig in das DiGA-Verzeichnis des BfArM aufgenommen wurden, konnten einen positiven Versorgungseffekt noch nicht hinreichend darlegen. Die Zulassung zur Erprobung ist zwölf Monate gültig – mit Option auf Verlängerung um weitere zwölf Monate. Während dieser Zeit müssen die Hersteller den positiven Versorgungsnachweis ihrer DiGA wissenschaftlich belegen.

Link zum DiGA-Verzeichnis des BfArM: https://diga.bfarm.de

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