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Krankenhausstudie 2020

COVID-19 bietet Kliniken die Chance zum Umdenken

Vor allem größere Kliniken sind durch die Coronavirus-Pandemie finanziell gebeutelt. Nun legt eine Analyse den Managern einen Kurswechsel in der Strategie ihrer Häuser nahe, um gestärkt aus der Krise herauszugehen.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Der große Blick in die Glaskugel? Berater wollen Klinikmanagern helfen, ihre Häuser erfolgreich aus der COVID-19-Krise zu führen.

Der große Blick in die Glaskugel? Berater wollen Klinikmanagern helfen, ihre Häuser erfolgreich aus der COVID-19-Krise zu führen.

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München. Verbundstrukturen, zunehmende Ambulantisierung und konsequente Digitalisierung – nur mit diesem Dreiklang an Managementinstrumentarien können Deutschlands gebeutelte Kliniken sich nach der Corona-Krise berappeln und vielleicht sogar gestärkt aus ihr herausgehen.

Das postuliert die am Montag veröffentlichte Krankenhausstudie mit dem Titel „Krise in der Krise: Deutschlands Krankenhäuser zwischen wirtschaftlicher Sanierung und Covid-19“ der Münchener Unternehmensberatung Roland Berger. Befragt zu ihren wirtschaftlichen Erwartungen wurden laut Berger Führungskräfte aus den 600 größten deutschen Kliniken.

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Referenzpunkt war das am 27. März verabschiedete COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz, das Kliniken je freigehaltenem Bett zwischen 1. März und 30. September eine Pauschale von 560 Euro je Tag garantiert. Bedingung ist, dass auf elektive Eingriffe verzichtet wird und das Bett für die Versorgung von COVID-19-Patienten freigehalten wird.

Einnahmen aus elektiven Eingriffen fehlen

Was auf den ersten Blick großzügig von Vater Staat klang, entpuppte sich vor allem für die Häuser mit mehr als 1000 Betten sehr schnell als Almosen. So gaben laut Umfrage 75 Prozent der Manager großer Häuser an, dass die Ausgleichszahlungen die geringere Auslastung und die coronabedingten Kostensteigerungen nicht auffangen konnten.

Jeder zweite Klinikmanager meint sogar, es werde mindestens sieben Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern, bis die stationäre Patientenzahl wieder das Vorkrisenniveau erreicht habe.

Die Berger-Strategen raten den Kliniken unter anderem zur Flexibilisierung der Kostenstruktur. „Auf die ‚neue Realität‘ des stagnierenden Wachstums muss mit einer höheren Flexibilisierung der Kosten reagiert werden – Kosten, zum Beispiel auch für Infrastruktur, sollten kurzfristig an veränderte Leistungsniveaus angepasst werden können. Im ambulanten Bereich müssen sich Prozesse und Kostenstrukturen am ambulanten Sektor orientieren, um nachhaltig erfolgreich sein zu können“, fassen es die Studienautoren zusammen. Dies solle einhergehen mit einem Dreiklang an weiteren Maßnahmen:

Hier mahnen die Berater, die Manager müssten die stationäre Wachstumsstrategie ihres Hauses/Konzerns kritisch hinterfragen und sich realistische Ziele setzen. Sie raten, als Klinik zielstrebig auf den Trend der zunehmenden Ambulantisierung zu setzen, wie ihn nicht zuletzt der aktuelle „Krankenhaus Rating Report“ des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen erst wieder bestätigt hat.

„Mehr denn je muss bei der Medizinstrategie untersucht werden, wo die Nachfrage im stationären Bereich am stärksten wegbricht und wo die Ergänzung des eigenen ambulanten Angebots sinnvoll ist“, so die Berater.

Die Autoren verbinden dies vorsorglich mit einem Appell an die Vertreter der Gesundheitspolitik, „in diesem Zuge für eine attraktivere Vergütungsstruktur von ambulanten Behandlungen“ zu sorgen.

Die Berater sehen noch großes Potenzial beim Heben von Synergieffekten durch das intensivierte Nutzen bestehender Verbundstrukturen. Im Fokus steht hierbei eine noch stärkere Zusammenarbeit mit Kliniken aus dem eigenen Verbund, aber auch Kooperationen mit benachbarten – verbundfremden – Kliniken könnten zukunftsträchtig sein.

Wie die große Mehrheit der befragten Klinikmanager konstatiert, werde die konsequente Digitalisierung ihrer Häuser immer wichtiger – nicht zuletzt durch die coronabedingte, steigende Akzeptanz digitaler Gesundheitslösungen wie der Videosprechstunde auf Seiten der Bevölkerung.

Das Manko: 84 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland hatten im vergangenen Jahr noch immer kein Patientenportal. Fast jedes zweite Haus verzichtet auf das telemedizinische Patientenmonitoring sowie Telekonsile. Trainings- und Therapieanwendungen finden bei fast 80 Prozent der Krankenhäuser nicht statt.

Die Hauptursache dafür sehen die Klinikmanager in fehlendem IT-Fachpersonal und mangelnden finanziellen Mitteln, wie die nach eigenen Angaben branchenrepräsentative Studie „Digitalisierung der Krankenhäuser“ der BDO Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) vor Kurzem zeigte.

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