Patientensicherheit

Checkliste soll Sicherheit der Arzneimittelverordnung erhöhen

Fehler in der Arzneimitteltherapie können bekanntlich Patienten gefährden. Doch wie lässt sich mehr Sicherheit in einen Prozess bringen, der eigentlich aus lauter Selbstverständlichkeiten besteht?

Von Sybille Cornell Veröffentlicht:
Sicherheit in der Arzneimitteltherapie - dafür gibt es eine praktische Checkliste.

Sicherheit in der Arzneimitteltherapie ist das Ziel. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit hat eine praktische Checkliste für niedergelassene Ärzte entwickelt.

© Gina Sanders / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Oberstes Gebot bei der Verschreibung von Arzneien ist Sicherheit. Und dies gilt für alle Beteiligten. Da die Anzahl der Beteiligten bei der Mindestanzahl drei (Arzt, Patient und Apotheker) startet und mit beteiligten MFA, Pflegekräften, weiterbehandelnden Kollegen, unterstützenden Angehörigen etc. nach oben offen ist, ist für alle die korrekte, lesbare und verständliche Dokumentation der Arzneimitteltherapieentscheidung von zentraler Bedeutung für den Behandlungserfolg.

In der Hektik des Alltags zeigt sich jedoch, dass scheinbar klare Maßgaben nicht immer überall gleich aufgefasst werden und Fehler passieren. So kommt es durch ungenaue oder schwer leserliche Angaben oder Fehler in Arzneimittelverordnungen allein in Deutschland geschätzt zu 250.000 Krankenhauseinweisungen im Jahr. Eine Zahl, die die Bundesregierung auf die Anfrage der Linkenfraktion im Bundestag bestätigt hat.

Ausführliche Analyse als Grundlage

Je nach Behandlungssektor existiert eine Vielzahl von Regelungen, Richtlinien und Rahmenverträgen mit formalen und inhaltlichen Vorgaben. Was jedoch laut Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) bislang in Deutschland fehlt, ist eine Handlungsempfehlung, die zum Ziel hat, Doppeldeutigkeiten oder Raum für Missverständnisse bei der Interpretation zu minimieren. In vielen Ländern seien derartige Handlungsempfehlungen mit Mindestanforderungen an die Dokumentation der Arzneimitteltherapieentscheidungen bereits beschrieben.

Wir wollen Institutionen, Ärzten und medizinischem Personal eine Unterstützung an die Hand geben, die ihnen hilft, die Dokumentationsqualität zu verbessern und damit Missverständnisse zu vermeiden.

Dr. Ruth Hecker, Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit

Die „Arbeitsgruppe AMTS“ des APS hat deshalb nach einer ausführlichen Analyse der Abläufe rund um Arzneimittelverordnungen die Handlungsempfehlung „Gute Verordnungspraxis in der Arzneimitteltherapie“ erarbeitet. Die Hinweise konzentrieren sich auf folgende Themen:

  • Sichere Arzneimittelauswahl
  • Sichere Verordnung
  • Eindeutige Arzneimittelbezeichnung
  • Eindeutige Applikation und Anwendungsform
  • ,Sichere Dosierung
  • Verbesserung der Patientensicherheit, sowie
  • Ausreichende Patienteninformation.

Die 32-seitige Langfassung erläutert im Detail jeden Aspekt und geht auf Unterschiede und Besonderheiten im stationären und ambulanten Bereich ein.

So wird beispielsweise darauf hingewiesen, dass möglichst keine Abkürzungen für Wirkstoffe verwendet werden sollten, da diese fehlinterpretiert werden können. Bei der computergestützten Verordnung gibt es laut APS im ambulanten Bereich je nach zu Grunde liegender Arzneimitteldatenbank oftmals festgelegte Abkürzungen. Diese müssten jedoch auch für Patienten oder betreuende Personen nachvollziehbar erläutert sein. Werde handschriftlich verordnet, wird empfohlen, keine Abkürzungen zu verwenden.

Sicherheit durch Erinnerungshilfe

Bei den grundlegenden Patientendaten wird in der Handlungsanweisung darauf hingewiesen, die Frage der bereits bestehenden Selbstmedikation nicht zu vernachlässigen, um Wechselwirkungen abschätzen zu können. Möglicherweise eine Selbstverständlichkeit, die in einem eng getakteten Praxisbetrieb eventuell droht, in den Hintergrund zu geraten.

Die Kurzversion im Kitteltaschenformat des APS fasst die 15 Empfehlungen in einer Checkliste zusammen. Diese kann ausgedruckt werden und passt in jede Brusttasche eines Arztkittels.

Auch wenn die Einzelschritte für die versierten Mediziner banal erscheinen können, ist die konsequente Beachtung der Checkliste als Erinnerungshilfe voraussichtlich ein hilfreiches Tool für die Sicherheit in der Arzneimitteltherapie.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
In Deutschland gibt es immer weniger klinische Forschung. Was Deutschland hingegen zu leisten imstande ist, zeigte sich zuletzt bei der COVID-19-Pandemie: mRNA-basierte Impfstoffe wurden schnell entwickelt und produziert.

© metamorworks / stock.adobe.com

Handlungsempfehlungen

Deutschland-Tempo statt Bürokratie-Trägheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?

Eine Frau mit drei Tabletten und einem Glas Wasser in der Hand.

© Hazal / stock.adobe.com

Umfrage

Nach Antidepressiva-Stopp: Fast die Hälfte mit deutlichen Symptomen

Ein Stempel mit der Aufschrift "Regress"

© Gina Sanders / stock.adobe.com |

Interview zum Vertragsarztrecht

Regress-Prävention: Wie Ärzte Formfehlern aus dem Weg gehen