Medizinische Biotechnologie

Chinas neue Boom-Hoffnung

Das Reich der Mitte traut der medizinischen Biotechnologie großes Potenzial zu – und hat für die nähere Zukunft hochfliegende Pläne. Für deutsche Unternehmen bestehen hier gute Chancen, am chinesischen Markt mitzumischen.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Die DNA, der Stoff, aus dem biopharmazeutische Träume sind.

Die DNA, der Stoff, aus dem biopharmazeutische Träume sind.

© hywards / fotolia.com

BERLIN. Der Gesundheitsmarkt in China inklusive Medizintechnik ist noch zu mehr als zwei Dritteln von chemischen Wirkstoffen und der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) geprägt, wie aus Angaben des chinesischen Industrieministeriums hervorgeht. Für das Jahr 2015 hatte er ein Gesamtvolumen von umgerechnet rund 371 Milliarden Euro. Das Reich der Mitte hat aber auch das Wachstumsfeld der medizinischen Biotechnologie bereits entdeckt. Laut Ministerium hatten die Biologika 2015 mit umgerechnet rund 43,7 Milliarden Euro fast zwölf Prozent Marktanteil – Tendenz steigend, wie ein Blick auf die seit 2014 zu verzeichnende, jährliche Wachstumsrate von 10,3 Prozent zeigt. Das Manko aus chinesischer Sicht: Die im Land erhältlichen Biologika stammen zum überwiegenden Teil nicht aus einheimischer Produktion, das soll sich nun ändern.

Fünfjahresplan setzt Prioritäten

Deutschland ist Chinas wichtigster Lieferant von Arzneimitteln. Wie der Verband der Biotechnologie-Industrie, BIO Deutschland, hervorhebt, eröffnen sich für deutsche Unternehmen auf dem chinesischen Pharmamarkt interessante Markt- und Kooperationschancen – insbesondere in der medizinischen Biotechnologie. Gleichzeitig gestalte sich aber der Marktzugang in China vor allem für die kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) der Branche oft schwierig.

BIO Deutschland hat im aktuellen, 13. Fünfjahresplan für den Zeitraum 2016 bis 2020 (135) Wissenschaftsprojekte mit Bezug zur medizinischen Biotechnologie identifiziert, die bei der Zentralregierung in Peking hohe Priorität genießen. Darunter befinden sich die Quantencomputertechnologie, die Hirnforschung, die medizinische Robotik, die Genforschung sowie genwissenschaftliche Anwendungen und Big Data-Lösungen.

Das strategische Ziel hinter dem 135 mit Blick auf die medizinische Biotechnologie sei die Reduzierung der Abhängigkeit von ausländischen Anbietern. Bis 2020 sollen einheimische Anbieter den Biologikamarkt dominieren, so die ambitionierte Zielvorgabe. Möglich machen sollen dies große, wettbewerbsfähige biomedizinische Konglomerate mit sehr spezialisierten KMU-Anbietern.

Kernproblem vieler chinesischer Anbieter ist es, wie aus einem aktuellen unter Beteiligung von BIO Deutschland und dem Arbeitskreis Medizinische Biotechnologie der Exportinitiative Gesundheitswirtschaft erstellten Marktbericht der deutschen Außenhandelsagentur Germany Trade & Invest (gtai) hervorgeht, dass für sie die GMP-Produktion unerschwinglich ist – diese schlage mit umgerechnet rund 5,5 Millionen Euro je Biologikum zu Buche. Die Zentralregierung wolle nun Anreize schaffen, damit sich innovative, biopharmazeutische KMU-Allianzen bilden können, die eine internationale Strahlkraft am Markt entfalten sollen.

Technologieführerschaft im Jahr 2049?

Flankiert wird der Fünfjahresplan von dem vor zwei Jahren von der Zentralregierung ausgerufenen Masterplan "Made in China 2025", der auf die Strahlkraft zukunftsfähiger Technologien setzt, sowie das 2008 implementierte Programm "Healthy China 2030", mit dem die Lücke zu den westlichen Gesundheitssystemen geschlossen werden soll. Insgesamt wolle China bis zum Jahr 2049 – dem Zentennium der Kommunistischen Partei als Staatslenker– vor den USA zum weltweiten Technologieführer werden.

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