Bilanz 2019

Deutsche Roche kann sich gut behaupten

Wegen Nachahmerkonkurrenz für seine Krebs-Antikörper Trastuzumab und Rituximab hat Roche im deutschen Markt nicht lange abgeben müssen. 2019 nahm der Pharma-Umsatz schon wieder zu.

Von Christoph Winnat Veröffentlicht: 04.03.2020, 16:12 Uhr

Grenzach-Wyhlen. Das hiesige Arzneimittelgeschäft des Schweizer Roche-Konzerns hat 2019 die durch Biosimilarkonkurrenz – für Trastuzumab (Herceptin®) und Rituximab (MabThera®) – in den beiden Vorjahren bewirkte Umsatzdelle wieder ausgleichen können. Er sei zuversichtlich, auch den im Sommer dieses Jahres anstehenden Patentablauf für den Krebs-Blockbuster Avastin® (Bevacizumab) zügig wettzumachen, erklärte Landesleiter Professor Hagen Pfundner bei einem Pressetermin am Mittwoch. Ob das sofort gelinge oder dieses Jahr oder im nächsten doch wieder ein leichter Einbruch zu verkraften sein wird, lasse sich mit letzter Sicherheit aber nicht prognostizieren.

Etliche Neueinführungen

Die Zeichen zugunsten einer Kompensation mittels neuer und sogar neuester Produkte stehen jedoch gut. So werde etwa das Ende Januar in Deutschland eingeführt Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Polivy® (Polatuzumab vedotin) „enorm nachgefragt“, berichtete Pfundner. Polivy® ist zugelassen zur Behandlung diffus-großzelliger B-Zell-Lymphome (DLBCL) in Kombination mit Bendamustin und Rituximab bei Patienten, die erfolglos bereits zwei andere Therapien absolviert haben.

Im zweiten Halbjahr dieses Jahres seien weitere Neueinführungen in Deutschland zu erwarten:

  • voraussichtlich zu Beginn des 3. Quartals das lokalisationsunabhängig einsetzbare Krebstherapeutikum Entrectinib (Rozlytrek®)
  • sowie voraussichtlich im Oktober Satralizumab als Therapieoption gegen die seltene Autoimmunerkrankung Neuromyelitis optica.
  • Außerdem sollen gegen Ende dieses Jahres zwei Indikationserweiterungen für den Checkpointinhibitor Atezolizumab (Tecentriq®) kommen: in Kombination mit Bevacizumab gegen Leberkrebs sowie mono plus Chemo gegen nicht nichtkleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC) bei hoher PD-L1-Expression.
  • Anfang 2021 rechnet Roche dann mit der europäischen Zulassung des ersten oralen SMA-Therapeutikums, Risdiplam. Demnächst würden für den neuen Spleißmodifikator „beeindruckende Daten“ bei einem amerikanischen Neurologenkongress vorgestellt, kündigte Pfunder an. Man könne mit „sehr guter Wirksamkeit und Verträglichkeit“ aufwarten und mache sich aufgrund des breiten infrage kommenden Patientenspektrums auch keine Sorgen, mit Risdiplam zu spät an den Start zu gehen. Therapien gegen spinale Muskelatrophie bieten bereits die Wettbewerber Biogen (Spinraza®) und Novartis (Zolgensma®) an. Pfundner: „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zur Gentherapie“.

Diagnostika stagnieren

Roche Deutschland 2019: Der Arzneimittelumsatz nahm im Geschäft mit Dritten um 2,4 Prozent auf knapp 1,88 Milliarden Euro zu. Über zwei Drittel (72 Prozent) der Pharma-Einnahmen entfielen auf Onkologika. Maßgeblich zum Umsatzwachstum beigetragen hätten etwa das Krebs-Immuntherapeutikum Tecentriq® oder auch die neuen Hoffnungsträger Ocrevus® (Ocrelizumab gegen MS) sowie der Hämophilie-Antikörper Emicizumab (Hemlibra®).

Die Einnahmen aus Diagnostika-Verkäufen blieben mit 592 Millionen Euro (+0,7 Prozent) nahezu unverändert. Die Sparte Diabetes Care (Teststreifen) verlor mit 234 Millionen Euro Umsatz (-9,5 Prozent) geringfügig über Gesamtmarkt. Womit sich der Umsatz der deutschen Landesgesellschaften im Drittgeschäft auf 2,7 Milliarden Euro (+0,9 Prozent) summiert.

Konzerninterne Lieferungen der Produktionsstandorte Mannheim und Penzberg fielen mit 3,9 Milliarden Euro fast drei Prozent niedriger aus als im Vorjahr, was laut Pfundner vor allem dem Abbau hoher Diagnostika-Lagerbestände in China geschuldet war.

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