Apotheken

Die ABDA hält den Ball flach

Die Apotheker scheinen sich von einer lang gehegten Forderung zu verabschieden: Sie wollen nicht länger in der Offizin auch Impfungen anbieten dürfen.

Veröffentlicht: 08.12.2017, 14:29 Uhr

BERLIN. Die Apotheker wollen ihre Beratungsleistungen ausbauen und streben dafür sukzessive neue Vergütungsbestandteile ein. Das teilte Friedemann Schmidt, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), nach der Mitgliederversammlung seiner Organisation am Donnerstag in Berlin mit.

Mehr Beratungsbedarf für Patienten sehen die Apotheker etwa zur Verbesserung der Therapietreue, bei der Medikationsanalyse und für Unterweisungsleistungen beim Erwerb von Medizinprodukten. Ausdrücklich nicht angestrebt werde, ärztliche Leistungen zu ersetzen oder mit Ärzten zu konkurrieren. Früheren Absichten zum Trotz wollen die Apotheker jetzt auch nicht mehr Impfungen in Apotheken vornehmen. Anders als in anderen Ländern wie beispielsweise Großbritannien gebe es in Deutschland keinen Mangel an Impfstellen, sondern eine mangelnde Impfbereitschaft, heißt es. Hier wolle man Apothekenkunden beraten und zum Arzt schicken, sagte Schmidt der "Ärzte Zeitung".

Noch immer verärgert ist ABDA-Chef Schmidt über das in den letzten Tagen bekanntgewordene Gutachten im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums zur Neustrukturierung der Apothekenvergütung. Eingehend und im Detail werde man sich damit aber erst befassen können, wenn nicht nur das Executive-Summary, sondern das komplette Gutachten vorliege.

Im Kern wird in diesem Gutachten vorgeschlagen, künftig jede einzelne Apothekenleistung gesondert betriebswirtschaftlich zu kalkulieren und so kostendeckend zu gestalten. Das lehnt Schmidt kategorisch ab. Bei den Vergütungssystemen aller freien Berufe werde eine Mischkalkulation angewendet, bei der nicht jede Leistung kostendeckend sei. Gleichwohl bestehe die Pflicht, auch solche Leistungen zu erbringen – allerdings mit der Möglichkeit einer Quersubventionierung durch profitable Leistungen. Die Notwendigkeit einer solchen Quersubventionierung begründet Schmidt damit, dass es sonst Leistungen gebe, für die eine Vergütung gefordert und vereinbart werden müsste, die gesellschaftlich nicht akzeptiert würde.

Keinen grundlegenden Handlungsbedarf sieht unterdessen der Präsident der Bundesapothekerkammer, Dr. Andreas Kiefer, zur Sicherstellung der flächendeckenden Apotheken-Versorgung. Trotz rückläufiger Apothekenanzahl gebe es keine Versorgungslücken. Auch in dieser Sache scheint sich – wohl nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Forderung nach einem Verbot des Rx-Versandhandels – ein Meinungswechsel zu vollziehen. In der Vergangenheit war angesichts degressiver Betriebsstättenentwicklung durchaus des öfteren von Lücken die Rede. (HL)

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