Geldanlage

Die CeBIT trennt die Spreu vom Weizen

Die Computermesse CeBIT liefert Anlegern wichtige Hinweise auf die künftige Kursentwicklung von Technologie-Aktien. Wie viel Potenzial haben die Branchenpapiere noch, nachdem die meisten Kurse zuletzt kräftig gestiegen sind? Analysten raten zum Kauf von Apple und Google.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Digitales soweit das Auge reicht: Auf der Computermesse CeBIT suchen auch Aktien-Analysten nach Trends von Morgen.

Digitales soweit das Auge reicht: Auf der Computermesse CeBIT suchen auch Aktien-Analysten nach Trends von Morgen.

© Philipp Schulze / dpa/Ini

HANNOVER. Noch schnellere Prozessoren, noch leistungsfähigere Speicher, noch bessere Software - rund 3400 Aussteller aus 70 Ländern zeigen von heute an für vier Tage auf der Technologiemesse CeBIT in Hannover, welche neuen Computer, Smartphones, Tablets und Programme demnächst in die Geschäfte kommen.

Für Börsianer ist die weltgrößte Leistungsschau der Branche immer auch ein wichtiger Indikator, welche Unternehmen künftig Umsatz und Gewinn besonders kräftig steigern könnten - und welchen Firmen Marktanteilsverluste drohen.

Dabei stellt sich derzeit natürlich die Frage, welche Technologieaktien überhaupt noch Luft nach oben haben. Denn die Kurse der meisten Unternehmen sind in den zurückliegenden vier Jahren bereits kräftig gestiegen.

Der Stand des Leitindexes Nasdaq an der New Yorker Börse hat sich seit 2009 verdreifacht. Mit rund 3700 Punkten notiert das Aktienbarometer nicht einmal mehr 1000 Zähler unter seinem Allzeithoch von 4600 Punkten im Jahr 2000 - bevor die Internetblase platzte.

Whatsapp-Deal zu teuer bezahlt?

Das weckt nun Ängste vor einem neuen Crash. Beflügelt wurde die Sorge zuletzt durch die Facebook-Übernahme von Whatsapp. 19 Milliarden Dollar zahlte das soziale Netzwerk für den Kurznachrichten-Dienst. Viel zu viel Geld nach Meinung etlicher Analysten.

Der Analysedienst VC Expert veröffentlichte Unterlagen, wonach Whatsapp bei einer Finanzierungsrunde im August 2013 von Investoren mit lediglich 1,5 Milliarden Dollar bewertet wurde. Hinzu kommt, dass Whatsapp trotz 450 Millionen Nutzern weltweit bislang nur Minigewinne erzielt.

"Wir rechnen nicht damit, dass Whatsapp vor Ende 2015 nennenswerte Umsatzbeiträge für Facebook leisten wird", sagt Gene Munster von der US-Investmentbank Piper Jaffray.

Einige Experten glauben, dass Facebook sich zum teuren Kauf gezwungen sah, weil immer mehr junge Nutzer nicht mehr über soziale Netzwerke, sondern über Kurznachrichten-Dienste kommunizieren.

 "Es stellt sich die Frage, ob Facebook seine Wachstumsrate aufrecht erhalten kann", so Carlos Kirjner vom US-Analysehaus Bernstein Research, der die Aktie nur noch mit "Halten" einstuft.

Daumen hoch für Google

Für die Google-Aktie hebt Kirjner hingegen den Daumen. Der Konzern verdient längst nicht nur Milliardenbeträge mit Internetwerbung durch seine Suchmaschine, sondern auch durch die Android-Software für Smartphones und Tablets sowie durch die übernommene Mobiltelefonsparte von Motorola.

Dessen neue Smartphones werden auch auf der CeBIT präsentiert. "Google wird dieses Jahr bei Umsatz und Gewinn gut zulegen", meint auch Deutsche-Bank-Analyst Ross Sandler und rät zum Kauf.

Auch Apple bewerten die meisten Analysten positiv. Nach dem Tod des Unternehmensmitgründers Steve Jobs fiel die Aktie gegen den Trend bis Sommer vergangenen Jahres um 40 Prozent, konnte seither aber wieder 27 Prozent zulegen.

UBS-Analyst Steven Milunovich erwartet, dass das Papier nochmals um mehr als 20 Prozent steigen wird: "Apple konzentriert sich auf die Entwicklung weiterer guter Produkte". Auch Peter Misek vom US-Analysehaus Jefferies rät zum Kauf. "Apple wird seinen Gewinn durch die Vertriebskooperation mit China Mobile dieses Jahr steigern."

Microsoft nur auf "Halten"

Die Microsoft-Aktie dagegen stufen etliche Analysten nur noch mit "Halten" ein, nachdem das neue Betriebssystem "Windows 8" am Markt wenig begeistert aufgenommen wurde und das Unternehmen jetzt selbst in die Produktion von Smartphones und Tablets einsteigen will.

"Damit könnte Microsoft sich die Chance verbauen, sein Betriebssystem an Smartphone-Hersteller zu verkaufen", schreiben die Experten des US-Analysehauses Zack's Research.

Zudem missfällt ihnen, dass der neue Vorstandschef Satya Nadella direkt aus dem Konzern kommt: "Radikale Veränderungen sind so nicht zu erwarten."

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