IvD

Die Diagnostika-Branche orientiert sich neu

Der In-vitro-Diagnostica-Industrie weht ein rauer Wind ins Gesicht. Neue Technologien fordern die Unternehmen heraus. Mehr als die Hälfte erhöht die Forschungsausgaben.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
BZ-Messgeräte mit Pieksen adé? Der Konkurrenzdruck durch neue Geräte, die ohne Blutentnahme auskommen, wächst.

BZ-Messgeräte mit Pieksen adé? Der Konkurrenzdruck durch neue Geräte, die ohne Blutentnahme auskommen, wächst.

© Kzenon / stock.adobe.com

BERLIN. Die Hersteller von In-vitro- Diagnostika (IvD) stehen unter starkem Konkurrenzdruck. Das Auftreten von Diabetes-Messgeräten, die Piekser und Teststreifen ersetzen können, sorgt nun schon im vierten Jahr in Folge für einen stagnierenden Gesamtmarkt in Europa und eine rückläufige Entwicklung in Deutschland. "Es gibt eine neue Technologie, die bei uns im Verband nicht abgebildet ist. Dadurch geht den Klassikern Umsatz verloren", sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbands der Diagnostica-Industrie (VDGH) Matthias Borst am Freitag vor Pressevertretern.

Anlass war die Vorstellung des IVD-Branchenbarometers. Das spiegelt die Situation wider. In den ersten drei Quartalen haben die 100 überwiegend kleinen und mittleren Unternehmen im Verband knapp 2,2 Milliarden Euro Umsatz geschrieben, 1,7 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dementsprechend eingetrübt fallen die Umsatzerwartungen für das laufende Jahr aus. Etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen erwartet gleichbleibende (11,5 Prozent) oder sogar fallende Umsätze (39,1 Prozent).

Im Vorjahr hatten noch 63,3 Prozent der Unternehmen optimistisch in die Zukunft geschaut. Trotz sinkender Umsatz- und Gewinnerwartungen wollen mehr als die Hälfte Personal aufbauen. Gründe dafür sind Vorgaben auf europäischer Ebene, die bis 2022 umgesetzt werden müssen.

Stabiles Investitionsvolumen

Die Entwicklung auf den Märkten sorgt für ein weitgehend stabiles Investitionsverhalten im VDGH-Universum. 44 Prozent wollen die Investitionen sogar erhöhen. Das gilt auch für die Forschung, die 52 Prozent der Unternehmen ausbauen wollen. "In der klassischen IvD-Industrie rauchen die Köpfe, um Antworten auf die Herausforderungen zu finden. Da ist richtig was in Bewegung", sagte Borst. An Bedeutung gewinnen die Umsätze mit Companion Diagnostics. Personalisierter Medizin messen bereits drei Fünftel der VDGH-Unternehmen eine mittlere bis hohe Bedeutung zu. Das sind sieben Prozent mehr als im Vorjahr.

Von der künftigen Regierung erhoffen sich die VDGH-Vertreter eine Modernisierung der Früherkennung von Diabetes. Es sei nicht nachzuvollziehen, warum zum Programm der Check-up-35-Früherkennung keine Blutzuckermessungen gehörten, sagte VDGH-Geschäftsführer Dr. Martin Walger. Auch die Selbstmessung der Patienten für ein eigenverantwortliches Diabetesmanagement gehöre auf die Tagesordnung.

Es gebe keinen Anlass für Entwarnung, sagte Walger. Sieben Millionen Menschen in Deutschland litten an Diabetes, was rund 35 Milliarden Euro an direkten und indirekten Kosten verursache. Die Prävalenz der Stoffwechselerkrankung steige, überproportional vor allem bei jungen Erwachsenen.

Blick auf neue Tests bei Infektionen

Die von Union und SPD geplante Nationale Diabetesstrategie sei zu begrüßen. Was sie bewirken könne, lasse sich voraussichtlich frühestens in einer Dekade messen.

Im Kampf gegen die zunehmenden Resistenzen bei Antibiotika fordert der Verband ein Ansetzen bei der vertragsärztlichen Versorgung. Hausärzte hätten zu wenige Anreize, vor dem Verschreiben von Antibiotika Patienten darauf hin zu testen, ob ihre Erkankung von Viren oder Bakterien verursacht worden ist. Solche Tests seien bislang nicht abrechenbar. Aufmerksam verfolgt der Verband Verhandlungen von GKV-Spitzenverband und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) im Bewertungsausschuss. Dort wird derzeit beraten, ob es im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) eine Position für einen Schnelltest in der Praxis vor der Antibiotikaverordnung geben sollte.

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