PJ-Pflichtquartal

Die Diskussion ist wieder eröffnet

Die mögliche große Koalition will die Allgemeinmedizin stärken - und greift dabei womöglich einen Vorschlag zum PJ-Pflichtquartal der DEGAM auf. Unter Studenten formiert sich bereits Widerstand.

Von Rebecca Beerheide Veröffentlicht:
Medizinstudenten, wie hier an der Uni Freiburg, werden in sogenannten "Summer Schools" für die Allgemeinmedizin motiviert. Nach Vorschlag der DEGAM sollen mehr Studenten in die Praxis.

Medizinstudenten, wie hier an der Uni Freiburg, werden in sogenannten "Summer Schools" für die Allgemeinmedizin motiviert. Nach Vorschlag der DEGAM sollen mehr Studenten in die Praxis.

© Christoph Fuhr

NEU-ISENBURG/BERLIN. Die mutmaßlichen künftigen Koalitionäre aus Union und SPD wollen die Allgemeinmedizin stärken. So solle das Fach auch im Studium stärker präsent sein. Das vereinbarten beide Parteien in der Arbeitsgruppe Gesundheit am Montagabend.

Diese Ankündigung wird bei der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) Freude auslösen - hat die Fachgesellschaft doch kurz vor Beginn der Koalitionsverhandlungen ein Positionspapier zu einer Pflichtzeit im Praktischen Jahr (PJ) in der Allgemeinmedizin veröffentlicht.

Die Gesellschaft wirbt dafür, dass Studenten drei Monate in einer allgemeinmedizinischen Praxis absolvieren. Der Vorschlag, eine Pflichtzeit in der Allgemeinmedizin während des PJ zu verbringen, war vor einem Jahr vom Bundesrat nach heftigen Protesten von Medizinstudenten abgelehnt worden.

"Aufgrund des hohen Bedarfs an kompetenten Allgemeinmedizinern muss dieses Berufsfeld integraler Teil des Medizinstudiums sein", heißt es in dem Positionspapier der Gesellschaft.

Ebenso sei es für die Studenten von Nutzen, dass sie im Studium die "individualisierte sowie patientenzentrierte Arbeitsweise" kennenlernen. Falls sie sich später für eine Facharztdisziplin entscheiden, könne so auch das gegenseitige Verständnis zwischen den Arztgruppen gefördert werden, so DEGAM-Präsident Professor Ferdinand Gerlach.

Nach Meinung der DEGAM könnte bis 2019 das Pflichtquartal eingeführt werden. Bereits nach der aktuellen Approbationsordnung, die 2012 geändert wurde, sollen bis 2015 für zehn Prozent der Studierenden an allen Hochschulstandorten Plätze für ein Wahltertial in der Allgemeinmedizin vorhanden sein, bis 2017 für 20 Prozent der Studenten.

In dem Positionspapier rechnet die DEGAM vor, dass bei Einführung des PJ-Pflichtquartals deutschlandweit rund 4600 zusätzliche Lehrpraxen benötigt werden, rund 125 Lehrpraxen pro Universitätsstandort müssten angeworben werden.

Die Kosten für die Einführung eines PJ-Pflichtquartals lägen nach Darstellung der DEGAM bei rund 25 Millionen Euro. Das bedeute 676.000 Euro pro Uni-Standort, heißt es in dem Papier der Gesellschaft.

Der Vorschlag der DEGAM hat bereits zu heftigen Reaktionen unter Medizinstudenten geführt. "Wir lehnen eine Verpflichtung über die bisherigen PJ-Plichtabschnitte hinaus auch weiterhin ab - egal, ob in einem Tertial oder Quartal", sagt Theodor Uden, der Vorsitzende der Medizinstudierenden im Hartmannbund.

Der 23-jährige Student von der Medizinischen Hochschule Hannover warnt in einer Mitteilung vor neuen "Zwangsmaßnahmen" im Medizinstudium. Laut der Mitteilung werde die Allgemeinmedizin in der derzeitigen Approbationsordnung bereits "ausreichend berücksichtigt".

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Der Geduldsfaden reißt

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Strukturelle Ursachen ausschließen!

Das sind die Red Flags bei Nackenschmerzen

Humane Papillomviren

Nach Impfung: HPV-Screening nur zwei- bis dreimal im Leben?

Systemischer Lupus erythematodes

13 Tipps zur Umsetzung der europäischen Lupus-Leitlinien

Lesetipps
Ein einbandagierter Fuß

© Patrick Bonnor / stock.adobe.com

Wundheilung

Ulcus cruris venosum: Was für die Kompressionstherapie wichtig ist

Nahaufnahme eines Smartphone-Bildschirm mit dem Chatverlauf des Smartphonebesitzers mit einem Chatbot.

© terovesalainen / stock.adobe.com

Tipps für die Praxis

Wie sag ich‘s Patienten, dass der KI-Chatbot falschliegt?

Rita Süssmuth steht in ihrem Büro im Deutschen Bundestag.

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Nachruf

Rita Süssmuth: Kämpferin gegen Diskriminierung