Kommentar zur Bitkom-Umfrage

Die Mannschaft muss für die Digitalisierung neu formiert werden

Eine aktuelle Umfrage lässt einen „digitalen Graben“ zwischen Ärzten in Klinik und Praxis erkennen. Die Berufspolitik muss gegensteuern.

Von Margarethe UrbanekMargarethe Urbanek Veröffentlicht:

In der Corona-Pandemie ist der Ruf nach Digitalisierung im Gesundheitswesen noch einmal lauter geworden – auch weil sie die Schwächen des Systems deutlich aufzeigt. Die werden aktuell auch dazu genutzt, das bereits vor der Pandemie hohe Tempo der Digitalisierung aufrecht zu erhalten. Zu Recht: Die Pandemie offenbart eindrucksvoll, dass man viel zu lange auf der Bremse gestanden hat. Das Fahrtaufnehmen kostet aktuell viel Kraft – und schlimmstenfalls Menschenleben.

Es ist deshalb richtig, die Digitalisierung auch pandemie-unabhängig voranzutreiben. Wichtig ist aber auch, dass bei all dem Tempo die Ärzteschaft nicht den Anschluss verliert und keine Spaltung droht. Bitkom-Präsident Achim Berg machte bei der Vorstellung einer aktuellen Umfrage seines Digitalverbands in Kooperation mit dem Hartmannbund am Dienstag bereits einen „digitalen Graben“ zwischen Ärzten in Praxis und Klinik aus.

Während die Klinikärzte die Chancen der Digitalisierung betonen und mehr Tempo fordern, sähen die Niedergelassenen eher die Risiken. Ärzte in Klinik und Praxis drohen also beim Thema Digitalisierung auseinanderzudriften – und das, obwohl die sektorenübergreifende Zusammenarbeit einer der Kernpunkte der Sache ist.

Letztlich ist es bei der Digitalisierung wie im Sport: Wenn der Trainer das Tempo erhöht, die Mannschaft aber nicht mitzieht, bleibt der Erfolg aus. Deshalb braucht es jetzt Anstrengung auf berufspolitischer Seite, um den digitalen Graben wieder zu schließen. Aus Praxis- und Klinikärzten muss langfristig eine Mannschaft formiert werden, die gemeinsam an einer digitalen Zukunft arbeiten will.

Auf dem Trainingsplan, auch das zeigt die Bitkom-Umfrage, sollte dann die Digitalkompetenz für alle Akteure stehen: Ärzte, Hersteller und Patienten. Denn am Ende kann das Spiel nur gut werden, wenn seine Akteure es auch sind.

Schreiben Sie der Autorin: margarethe.urbanek@springer.com

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