Onkologischer Verband

Digitalisierung der Onkologie nicht um jeden Preis

Für den Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland gibt es klare Grenzen einer digitalgestützten Versorgung.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:

Köln. Für die Onkologen und Hämatologen sollte im Mittelpunkt ihres ärztlichen Wirkens nicht die Krebserkrankung, sondern der Mensch stehen. Das postuliert zumindest Professor Wolfgang Knauf, Vorsitzender des Berufsverbandes der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland (BNHO) in seinem Vorwort zum diesjährigen Qualitätsbericht der hämatologischen und onkologischen Schwerpunktpraxen des Wissenschaftlichen Instituts der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (WINHO).

Ohne explizit auf die durch die gegenwärtige Corona-Pandemie bedingte, steigende Akzeptanz von Digital-Health-Lösungen wie Videosprechstunden, elektronischen Patientenakten, aber auch Diagnostik, die durch Künstliche Intelligenz unterstützt wird, einzugehen, sieht Knauf die Digitalisierung im Gesundheitswesen als hochaktuelles Thema. „Neben den Diskussionen um bestehende und zukünftige Projekte, wie beispielsweise den bundeseinheitlichen Medikationsplan, die elektronische Gesund heitskarte sowie die elektronische Patientenakte, begegnet uns das Thema als niedergelassene Hämatologen und Onkologen bereits in der alltäglichen Versorgungspraxis.“

So setze die Behandlung der Krebspatienten ärztlicherseits eine präzise Diagnostik, eine zielgerichtete, mit ihnen abgestimmte Therapie der Krebsentität sowie eine umfassende Nachsorge voraus. Der Austausch mit den Fachkollegen erfolge dabei in enger Kooperation – auch digital. „Und diese Bestrebungen werden weiter ausgebaut durch eine stärkere Verzahnung der intersektoralen Zusammenarbeit zwischen universitären und nicht-universitären Krankenhäusern, Krebszentren sowie der niedergelassenen hämatologischen, onkologischen und hausärztlichen Versorgung“, verdeutlicht Knauf.

Die eindeutige Dokumentation und der verlustfreie Zugriff auf Informationen sicherten einen schnellen Datenaustausch in diesem Versorgungsnetzwerk und ermöglichten es allen Akteuren, die bestmögliche Versorgung der Patienten zu gewährleisten. „An diesem Punkt müssen alle Akteure im Gesundheitssystem ansetzen und die Entwicklung des digitalen Austausches von Daten vorantreiben, sei es das Anfordern von molekularpathologischen Befunden oder die Besprechung von komplexen Fällen in multidisziplinären, digitalen Tumorboards. Daher ist umso mehr eine enge Verknüpfung zwischen Forschung und Versorgung notwendig“, appelliert Knauf offensichtlich in Richtung der Vertreter der Gesundheitspolitik, aber auch seiner Kollegen.

Folglich müsste die Translation vorangetrieben und neueste Forschungsergebnisse zügig in die alltägliche Versorgung der onkologischen Patienten Eingang finden, aber ebenso auch vice versa die Erkenntnisse aus dem Versorgungsalltag in die Forschung zurückgespielt werden. „Nur so können wir eine effektive Forschung und Behandlung von Patienten umsetzen“, mahnt Knauf.

Dass die weitere Digitalisierung im Gesundheitswesen notwendig sei, stehe außer Frage. Jedoch müsse dabei auch mit Augenmaß gearbeitet werden. „Eine optimale Versorgung schafft nicht nur die alleinige Verfügbarkeit von Daten und Informationen, sondern auch die Fähigkeit, diese einordnen zu können und ebenso die menschliche Empathie“, so Knauf. Somit übernähmen Hämatologen und Onkologen die wichtige Aufgabe, neueste Erkenntnisse aus der Krebsforschung in die Versorgung umzusetzen und einfühlsam die Patienten bei der Bekämpfung ihrer Krebserkrankung zu begleiten, ergänzt Knauf.

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