Flüchtlingsversorgung

Dolmetscher soll per Video helfen

Fehlende Dolmetscher sind eines der größten Probleme bei der medizinischen Versorgung von Asylbewerbern. Eine Online-Plattform bietet Ärzten Übersetzung an.

Veröffentlicht: 22.01.2016, 06:30 Uhr

NEU-ISENBURG. Um Sprachbarrieren in der Behandlung von Asylbewerbern abzubauen, bietet die Online-Plattform arztkonsultation.de Ärzten die Möglichkeit, kostenfrei einen Dolmetscher über eine Video-Lösung hinzuzuschalten.

Die Initiative "Flüchtlinge verstehen" ist zunächst als Pilotprojekt angelegt und wird von der Bertelsmann Stiftung evaluiert.

In der Pilotphase stehen werktags zwischen 9 und 13 Uhr sowie von 14 bis 16 Uhr Dolmetscher für arabisch, englisch und russisch zur Verfügung. Albanisch, persisch, polnisch, portugiesisch, serbisch und spanisch wird ohne feste Bereitschaftszeiten angeboten.

Nach einer einmaligen Registrierung kann sich der Arzt während der Behandlung des Asylbewerbers in ein virtuelles Sprechzimmer einloggen.

Übersetzer per Zuschaltung

Hier sieht er jeweils die Dolmetscher, die in diesem Moment verfügbar sind. Dolmetscher, die gerade im Gespräch sind, werden nicht angezeigt. Per Konferenz kann der Übersetzer dann zugeschaltet werden.

"Die Technologie ist bereits im Einsatz und datenschutzrechtlich geprüft", so Timo Thranberend, Projektmanager bei der Bertelsmann Stiftung, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Die Idee sei entstanden, als man überlegte, vorhandene Technologien auf das bestehende Problem zu adaptieren.

Ärzte können sich kostenfrei registrieren, auch muss der Arzt für den Dienst kein Kunde von arztkonsultation.de sein. Eine zusätzliche Softwareinstallation ist nicht nötig. "Technische Voraussetzungen sind PCs, Laptops oder Android-Tablets mit Webcam und Internet-Zugang", heißt es auf der Internetseite.

"25.000 Euro plus Eigenleistungen"

Das Budget für das Angebot, das Ärzte kostenlos nutzen können, beträgt laut Marc Mausch, Geschäftsführer von arztkonsultation.de, "25.000 Euro plus Eigenleistungen". Die Dolmetscher würden von der Plattform bezahlt.

"Möglich wurde dies durch Querfinanzierung mit Programmiertätigkeiten", versichert Mausch.

Nach der Pilotphase müsse die Finanzierung neu geregelt werden. Voraussetzung für eine Fortführung sei die Finanzierung der Dolmetscher durch Dritte, betont Mausch. "Finden wir keinen Financier, werden wir den Ärzten anbieten, die Dolmetscher direkt selbst zu bezahlen, sodass das Angebot dauerhaft aufrecht erhalten werden wird." (jk)

Das Angebot finden Ärzte unter www.arztkonsultation.de/fluechtlinge-verstehen

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