„Meister des Infotainments“

Eckart von Hirschhausen soll Lehre in Marburg lebendiger machen

Der Arzt, Buchautor und Comedian Dr. Eckart von Hirschhausen wird Honorarprofessor in Marburg. An der Philipps-Universität soll er die Bereiche „Sprache in der Medizin“ sowie „Klimawandel & Medizin“ unterrichten.

Von Gesa Coordes Veröffentlicht:
Dr. Eckart von Hirschhausen bei einer früheren Gastvorlesung im Audimax der Marburger Philipps-Universität.

Dr. Eckart von Hirschhausen bei einer früheren Gastvorlesung im Audimax der Marburger Philipps-Universität.

© Georg Kronenberg

Marburg. Als Eckart von Hirschhausen 2017 erstmals vor Medizinstudierenden in Marburg auftrat, war das Audimax der Hochschule mit mehr als 1000 jungen Leuten voll besetzt. Humorvoll und mit eindrücklichen Worten warb der Bühnenkünstler für mehr Empathie und Kritikfähigkeit bei den Medizinern.

„So einen Auftritt vergisst man nicht“, erzählt der Marburger Herzspezialist Professor Jürgen Schäfer, besser bekannt als deutscher „Dr. House“, der den Comedian schon vor Jahren kennenlernte. Seitdem kam von Hirschhausen noch mehrere Male in die Marburger Hörsäle.

Dort machte er so nachhaltigen Eindruck, dass seine Wünsche an den medizinischen Nachwuchs bis heute am Studierendensekretariat hängen. Und sowohl Studierende als auch Ärzte wollten noch mehr Anregungen von dem „Meister des Infotainments“, der nach dem Studium in der Kinderneurologie der Berliner Charité arbeitete.

Start am 11. Januar

Mehr Anregungen werden sie künftig bekommen. Nach wissenschaftlichen Gutachten sowie einem einhelligen Votum des Fachbereichs Medizin und des Uni-Senats wird der Bestsellerautor Honorarprofessor in Marburg: „Seine bemerkenswerte Fähigkeit, für wichtige medizinische und gesellschaftliche Themen zu begeistern, soll fester Bestandteil der Forschung und Lehre am Fachbereich Medizin werden“, berichtet die Uni.

Professor Schäfer erklärt sich die freudige Zustimmung des Fernsehstars damit, dass Marburg ein besonders innovativer Lehr- und Lernstandort sei. Nun hofft Schäfer, dass von Hirschhausen „die Lehre noch lebendiger machen und mit seinen Ideen beflügeln wird“.

Am Dienstag, 11. Januar, kommt der TV-Moderator zur Antrittsvorlesung. Thema: „Warum Worte Medizin sind – zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter der Digitalisierung.“ Interessierte können die Veranstaltung auch ab 14 Uhr per Livestream verfolgen.

„Sprache in der Medizin“

„Sprache in der Medizin“ wird auch einer der Schwerpunkte des Arztes sein. So wirbt er dafür, Patienten zu fragen, was sie für die Ursache ihrer Krankheit halten. Wer sich ernst genommen fühle, folge den Therapievorschlägen der Ärzte eher: „Eine hohe ärztliche Kunst besteht darin, wissenschaftliche Inhalte so zu vermitteln, dass sie bei den Menschen ankommen, die sie brauchen“, sagt von Hirschhausen.

In Marburg demonstrierte er dies bei seiner ersten Vorlesung am Beispiel einer jungen Raucherin aus dem Publikum. Die 20-jährige Medizinstudentin befragte er nach dem Grund für ihr Rauchen. Freilich weiß er auch: Mit 20 hält man sich für unsterblich. Deswegen sei es unsinnig, jungen Menschen die Gefahren des Rauchens zu erklären. Man müsse etwas finden, das für sie wichtig sei. „Rauchen ist sehr schlecht für die Haut“, schärfte er ihr ein.

„Klima & Medizin“

Zweiter Schwerpunkt im Marburger Hörsaal ist das Thema „Klima & Medizin“, das Hirschhausenbereits in mehreren Veranstaltungen an der Universität vertiefte. Von Hirschhausen gehört zu den Mitbegründern der „Scientists for Future“. Seit 2020 engagiert er sich mit der Stiftung „Gesunde Erde – gesunde Menschen“ für Klimaschutz als Gesundheitsschutz. Für ihn ist die Klimakrise auch ein „akuter medizinischer Notfall“.

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In Marburg wird Hirschhausen ab dem Sommersemester Vorlesungen und Seminare anbieten. Darüber hinaus wird er nach Auskunft von Dekanin Professor Denise Hilfiker-Kleiner in die Gremienarbeit einbezogen. Zudem sei der Fachbereich sehr glücklich, mit von Hirschhausen einen Experten der Wissenschaftskommunikation zu gewinnen. „Seine Beiträge sind kurzweilig und humorvoll, aber auch inhaltsschwer“, so Schäfer.

Dabei ist Hirschhausens Honorarprofessur in Marburg ein reiner Ehrentitel. Geld bekommt der Fernsehstar für seine Seminare und Vorlesungen nicht.

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