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Bayer-Healthcare

Expansiv wie nie

Über 50 Projekte in der Entwicklung, überdurchschnitlich hohe Forschungsausgaben und wachstumsstark wie hierzulande nur wenige Wettbewerber: Bayers Gesundheitssparte steht voll im Saft.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Pharma-Fertigung am Bayer-Standort Bergkamen.

Pharma-Fertigung am Bayer-Standort Bergkamen.

© Bayer

LEVERKUSEN. Bayer hat sich erneut für fairere Bedingungen bei den Preisverhandlungen zwischen Pharmaunternehmen und Krankenkassen nach dem AMNOG eingesetzt.

"Zur Preisfindung muss mehr gehören als nur der generische Preis und die Anwendungsform eines Arzneimittels", forderte Frank Schöning, Geschäftsführer der Bayer Vital GmbH, am Mittwoch vor Journalisten in Leverkusen.

Mit dieser eindimensionalen Betrachtungsweise habe Deutschland einen Sonderweg gewählt, kritisierte Schöning.

In anderen Ländern spielten auch Faktoren wie die Pflege- oder Krankenhauskosten eine Rolle, die durch die Arzneimitteltherapie vermieden werden können.

Verbesserungsbedarf sieht er nach wie vor bei der Auswahl der zweckmäßigen Vergleichstherapie. Problematisch sei, dass dabei häufig die günstigste Vergleichstherapie zugrunde gelegt werde und nicht die nach medizinischen Kriterien beste.

Die Jahrestherapiekosten einer generischen zweckmäßigen Vergleichstherapie dürften kein Verhandlungskriterium sein, betonte Schöning.

Relevanz auch ohne Zusatznutzen

Gleichzeitig warnte er davor, aus dem fehlenden Beleg für einen Zusatznutzen zu weitreichende Schlüsse zu ziehen. In der frühen Nutzenbewertung scheitere der Beleg häufig an formalen Gründen.

"Es wäre unfair, diese Produkte durch ein unfaires Preissystem in einem sehr frühen Stadium von der Versorgung auszuschließen."

Auch wenn bei manchen Arzneimitteln heute kein Zusatznutzen festzustellen sei, könnten sie enorm wichtig für die Patienten-Versorgung sein, sagte Schöning.

Bayer habe für die AMNOG-Prozesse eine eigene Abteilung mit 20 Mitarbeitern aufgebaut, berichtete er.

Das Unternehmen halte die Grundidee des Gesetzes nach wie vor für richtig, aber die Umsetzung in der Praxis sei sehr schwierig. "Es bedeutet eine zusätzliche sehr hohe Hürde, die wir nehmen müssen, bevor die Produkte beim Patienten landen."

Mit seiner Sparte Healthcare (verschreibungspflichtige und verschreibungsfreie Arzneimittel, Veterinärprodukte und Medizintechnik) wachse Bayer vor allem dank patentgeschützter Innovationen.

Sie haben laut Schöning dazu geführt, dass Bayer im deutschen Markt mit 1,64 Milliarden Euro Jahresumsatz inzwischen nach Novartis und Pfizer Nummer drei ist.

Dabei zähle Bayer nach Gilead und Abbvie zu den wachstumsstärksten Pharmaanbietern. Zwei Drittel des Umsatzes erzielt Bayer Healthcare Deutschland mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln.

In der Pharmapipeline des Konzerns befinden sich aktuell 57 Projekte in unterschiedlichen Phasen der Entwicklung. Die Forschungsschwerpunkte sind kardiovaskuläre Erkrankungen, Onkologie, Hämatologie, gynäkologische Therapien und Augenheilkunde.

2014 gab Bayer Healthcare 2,3 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus und beschäftigte in diesem Bereich 8100 Mitarbeiter - bei einer Gesamtbelegschaft von 60.700 und einem globalen Umsatz von 19,9 Milliarden Euro.

Ökonomischer Fußabdruck

Beim Verhältnis der F&E-Ausgaben zum Umsatz liege Bayer Healthcare mit 11,4 Prozent zwei Prozentpunkte über dem Schnitt der gesamten Pharmabranche, sagte Dr. Dennis Ostwald, Geschäftsführer des Wirtschaftsforschungsinstituts WifOR.

Damit gehöre es zu den Spitzentechnologie-Unternehmen. Das WifOR hat den "ökonomischen Fußabdruck" des Unternehmens untersucht.

Ostwald bezifferte die Bruttowertschöpfung von Bayer Healthcare 2014 auf 6,4 Milliarden Euro.

Davon entfielen zwei Milliarden Euro auf die direkte Geschäftstätigkeit, 4,4 Milliarden Euro auf indirekte und induziere Effekte in anderen Branchen.

Das Unternehmen selbst beschäftigt 14.758 Mitarbeiter. Hinzu kommen 78.970 Arbeitsplätze in anderen Branchen, die von Bayer Healthcare abhängen.

Ostwald: "Ein Beschäftigter bei Bayer Healthcare sichert mehr als fünf zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse in der Gesamtwirtschaft".

Er wies auch auf die wichtige Rolle für den Außenhandel hin. 88 Prozent der Arzneimittelproduktion gehen in den Export.

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