Arzneimittelstandort Europa

Finanzspritze für Antibiotika aus Österreich

Gemeinsam mit der österreichischen Bundesregierung investiert Novartis in seine Generika-Division Sandoz 150 Millionen Euro. So solle die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Produktion von Schlüssel-Antibiotika in Europa abgesichert werden.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Am Tiroler Sandoz-Standort Kundl investiert Konzernmutter Novartis gemeinsam mit dem österreichischen Staat 150 Millionen Euro in die Sicherung der Antibiotikaherstellung.

Am Tiroler Sandoz-Standort Kundl investiert Konzernmutter Novartis gemeinsam mit dem österreichischen Staat 150 Millionen Euro in die Sicherung der Antibiotikaherstellung.

© picture alliance / Roland Muehlanger

Wien/Kundl. Der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (PHARMIG) zeigte sich am Montag erleichtert, dass die nach seinen Angaben letzte in Europa und der gesamten westlichen Welt befindliche vollintegrierte Produktionsstätte für Antibiotika im österreichischen Kundl gehalten werden kann. „Das ist ein äußerst positives Signal für den Produktions- und Pharmastandort Österreich. Es kann gar nicht hoch genug geschätzt werden, dass es hier sowohl von politischer als auch von unternehmerischer Seite letztlich das gemeinsame Bekenntnis gibt, eine Abwanderung aus Österreich zu vermeiden“, kommentierte PHARMIG-Generalsekretär Alexander Herzog.

Der Generikaanbieter Sandoz werde, wie die Konzernmutter Novartis mitteilt, im Zuge eines gemeinsamen Investitionsvorhabens mit der österreichischen Bundesregierung 150 Millionen Euro an dem Tiroler Standort investieren, um die integrierte Herstellung von Antibiotika in Europa langfristig zu stärken.

„Damit werden ganz unmittelbar Arbeitsplätze gesichert und es wird die lokale Wirtschaft stabil gehalten. Nicht zuletzt ist es auch ein über die Landesgrenzen hinaus wirkendes Zeichen, dass Österreich ein zukunftsfähiger, guter Standort für Unternehmen ist“, erklärte Herzog ergänzend.

Wichtigste Penicilline im Fokus

Laut Novartis fokussiert das Investment wesentliche Prozessverbesserungen bei der Wirkstoffproduktion der weltweit wichtigsten Penicilline. Im Rahmen des gemeinsamen Vorhabens – das noch der formellen Zustimmung beider Partner bedarf – wird die österreichische Bundesregierung Fördermittel von rund 50 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Sie will die Förderung als Teil ihrer Bemühungen verstanden wissen, die in Europa ansässige Produktion von wichtigen Medikamenten zu stärken. Novartis und die österreichische Bundesregierung rechnen mit einem formellen Abschluss des Abkommens noch vor Ende des Jahres.

Sandoz CEO Richard Saynor erklärte zur Ankündigung: „Dieses Vorhaben ist ein großartiges Beispiel für die enge Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand und dem privaten Sektor, um langfristig die Patienteninteressen innerhalb und außerhalb Europas zu sichern. Antibiotika sind das Rückgrat moderner Medizin, und unser Werk in Kundl in Österreich ist die letzte verbliebene voll integrierte Antibiotikaproduktion in der westlichen Welt, in der sowohl die Wirkstoffe als auch Fertigformen hergestellt werden. Dieses gemeinsame Investitionsvorhaben soll dazu beitragen, dass dies auch so bleibt.“

Große Baustellen im Gesundheitswesen bleiben

PHARMIG-Generalsekretär Herzog mahnte indessen, trotz aller Euphorie in puncto Kundl die eigentlichen großen Baustellen auf dem österreichischen Gesundheitsmarkt nicht aus den Augen zu verlieren. „Österreich gilt bei Medikamenten im europaweiten Vergleich als Billigpreisland. Wenn es nicht gelingt, faire, der Kaufkraft Österreichs entsprechende Preise zu gewähren, wird die Versorgung der Patienten weiter leiden. Eine Forderung nach einer Wirkstoffverschreibung oder einer Aufweichung des Patentschutzes sind hier kontraproduktiv und konterkarieren zudem auch jegliche Strategie, Österreich und Europa von anderen Regionen wie Asien unabhängiger zu machen“, so Herzog.

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