Individualisierte Medizin

Genprofil gegen Brustkrebs

Mit der Erstellung eines individuellen Genprofils wollen Heidelberger Molekulargenetiker und Onkologen die Brustkrebs-Therapie optimieren. Sie wollen auch Patientinnen Hoffnung auf Besserung geben, bei denen dies gegenwärtig nicht möglich ist.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:

HEIDELBERG. Genetische Veränderungen entscheiden letztlich darüber, wie eine onkologische Erkrankung verläuft und welche Therapieform den größten Erfolg verspricht.

Im Rahmen der CATCH-Studie (Comprehensive Assessment of Clinical Features and Biomarkers To Identify Patients with Advanced or Metastatic Breast Cancer for Marker Driven Trials in Humans) wollen Wissenschaftler und Ärzte des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NTC) in Heidelberg ein genetisches Profil von Gewebeproben aus Metastasen erstellen, bevor sie auf dieser Grundlage die geeignete, für die jeweilige Patientin maßgeschneiderte Therapie auswählen. So wollen sie Heilungschancen verbessern und das Risiko für Nebenwirkungen senken.

Konkret analysiert der Molekulargenetiker Professor Peter Lichter vom DKFZ mit seinem Team zunächst Gewebeproben aus Metastasen von Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs. Die Wissenschaftler erstellen so zunächst für jede Studienteilnehmerin ein genetisches Profil. „Auf diese Weise können wir die individuellen Unterschiede bei Brustkrebserkrankungen viel genauer erfassen, als es bislang möglich war“, erklärt Lichter.

Behandlung auch im Off-Label-Use

Anschließend sind nach eigenen Angaben die Krebsmediziner um Professor Andreas Schneeweiss von der NCT-Sektion Gynäkologische Onkologie an der Reihe. Sie wählten anhand dieses Profils die Therapie für die einzelne Patientin aus.

Das könne je nach Bedarf eine erprobte Standardtherapie sein oder aber ein Wirkstoff, der eigentlich für die Behandlung anderer Erkrankungen zugelassen ist, bei der individuellen Brustkrebsform jedoch ebenfalls erfolgversprechend ist – und damit im Off-Label-Use.

Darüber hinaus würden auch innovative Therapieverfahren eingesetzt, die sich erst in der wissenschaftlichen Erprobung befinden. „Eine Besonderheit unserer Studie ist, dass wir nicht nur diese große Auswahl an Therapiemöglichkeiten haben, sondern dass sie nur Patientinnen einschließt, die wir hier vor Ort behandeln“, erklärt Schneeweiss.

„Dadurch gehen die genetische Analyse und die Behandlung Hand in Hand, und wir können sehr schnell reagieren und die Therapie anpassen – je nachdem, wie die Patientin auf die Behandlung anspricht.“

Mehr als 130 Patienten in der Studie

Bislang wurden mehr als 130 Patientinnen in die CATCH-Studie aufgenommen. Ein Teil der Teilnehmerinnen erhalte bereits eine maßgeschneiderte Therapie, die aufgrund des genetischen Profils ihrer Metastase ausgewählt worden sei.

„Noch ist es eigentlich zu früh, um über Erfolge zu berichten“, gesteht Schneeweiss ein. Weist aber gleichzeitig darauf hin, dass bei einigen Patientinnen bereits zu beobachten sei, dass sie auf die Behandlung ansprechen und sich ihr Zustand verbessere. „Und das bei Patientinnen, denen wir bei herkömmlicher Herangehensweise weniger Hoffnung auf Besserung machen könnten.“

In der aktuellen Pilotstudie würden ausschließlich Patientinnen behandelt, deren Mamma-Ca. so weit fortgeschritten sei, dass das hauptsächliche Ziel einer Therapie darin bestehe, ein weiteres Fortschreiten der Krankheit zu bremsen. „Für die Zukunft planen wir aber, auch Patientinnen in einem frühen Stadium und mit einem hohen Risiko für einen aggressiven Verlauf mit Metastasenbildung einzuschließen“, erläutert Schneeweiss.

„Wenn es uns gelingt, bei diesen Betroffenen mit unserer Herangehensweise die Heilungschancen zu verbessern und die Rückfallrate zu senken, dann können wir einen echten Erfolg für die Brustkrebstherapie verbuchen“, prognostiziert er.

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