Digitalisierung

Gesundheits-Apps werden zu Massenanwendungen

20 Millionen Nutzer von E-Health-Anwendungen, drei Millionen Patienten in der Videosprechstunde: Gesundheits-Apps sind ein dynamischer Markt, der auch für Ärzte bedeutsamer wird.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:
Gesundheits-App zur Kontrolle des Blutdrucks

Gesundheits-Apps auf dem Weg in die Regelversorgung. Aber nicht jede Anwendung ist dafür geeignet, dass sie vom Arzt verschrieben wird – vorher ist die Listung beim BfArM entscheidend.

© Prykhodov / Getty Images / iStoc

Berlin. Apps zur Therapiebegleitung oder als diagnostisches Hilfsmittel oder auch die Videosprechstunde stoßen auf ein wachsendes Interesse der Bevölkerung. Auch neue gesetzliche Rahmenbedingungen fördern die Marktdynamik: So haben bereits vier Prozent der Internet-Nutzer eine Gesundheits-App von Ärzten verordnet bekommen – bisher meist Anwendungen, die in Selektivverträge aufgenommen worden sind.

Dies geht aus Daten des EPatient Survey hervor, der in der ersten Oktoberhälfte 2020 von der Berliner EPatient Analytics GmbH erhoben worden ist. Die Befragung sei erstmals repräsentativ für die 92 Prozent der Bevölkerung, die das Internet nutzen, hieß es bei einer Pressekonferenz am Montag. Die Stichprobe sei ein quotiertes Verbraucherpanel mit über 2700 Datensätzen.

Online-Termine sind die gängigste Anwendung

Die EPatient Analytics GmbH hatte bislang seit 2010 einmal jährlich eine Online-Befragung zur Nutzung digitaler Gesundheitsangebote durchgeführt; der Nachteil des bisherigen Befragungstyps lag in möglichen Verzerrungen zugunsten online-affiner Befragter. Die aktuellen Ergebnisse des nun quotierten repräsentativen Panels::

  • 33 Prozent der Befragten haben bislang die Möglichkeit genutzt, einen Arzttermin online zu vereinbaren.
  • 26 Prozent verfügen zu den Themen Ernährung, Sport und Entspannung über eine App oder haben an einem Online-Kurs teilgenommen.
  • 14 Prozent – das sind hochgerechnet 9,8 Millionen Menschen – verfügen über eine App, mit der über das Mobiltelefon Puls, Blutdruck oder Hautveränderungen erfasst werden können.
  • Fünf Prozent nutzen Online-Kurse oder Apps zum Thema Pflege.
  • Elf Prozent – das sind hochgerechnet 7,9 Millionen Patienten – verfügen über eine App zum richtigen Umgang mit verordneten Arzneimitteln, beispielsweise Erinnerungssysteme.
  • Fünf Prozent nutzen eine App oder ein Online-Programm zur Behandlung in der Klinik oder Reha.

Dr. Alexander Schachinger, CEO von EPatient Analytics, vermutet, dass die COVID-19-Pandemie die Verbreitung von Gesundheits-Apps beschleunigt. Zwischen Frühjahr und Herbst 2020 sei die Nutzung von Diagnostik-Apps von zehn auf 13 Prozent gestiegen, wobei der Ausgangswert im Frühjahr aufgrund der Methodik (Online-Befragung, mangelnde Repräsentativität) wahrscheinlich überzeichnet gewesen sei. Von Null ausgehend ist der Anteil derer, die die Möglichkeit der Videosprechstunde nutzen, auf fünf Prozent gestiegen.

Digitale Gesundheitshelfer kaum vom Arzt vermittelt

Noch ist die Rolle der Gesundheitsprofis – Ärzte, Krankenkassen, Apotheker – bei der Vermittlung digitaler Gesundheitsanwendungen zu vernachlässigen. Weitaus am häufigsten – 46 Prozent – suchen sich Nutzer selbst im Internet (App-Store) ihren digitalen Gesundheitshelfer. An zweiter Stelle (22 Prozent) stehen Empfehlungen von Freunden, Verwandten oder Patienten. An dritter Stelle folgen Werbung (TV, Print, Plakate) mit 14 Prozent gleichauf mit niedergelassenen Ärzten, gefolgt von Krankenkassen (13 Prozent). Eine untergeordnete Rolle spielen Apotheken (fünf Prozent) und Kliniken (drei Prozent).

EPatient Analytics beobachtet kontinuierlich die Marktentwicklung für über 200 digitale Versorgungsprodukte. Eine entscheidende Rolle haben, so Schachinger, dabei bislang Selektivverträge der Krankenkassen gespielt. Sie hätten es ermöglicht, Gesundheits-Apps schon vor der offiziellen Zulassung für den gesamten GKV-Markt auf Kosten der jeweiligen Krankenkasse zu verordnen. Insofern seien in Abhängigkeit von der Selektivvertragspolitik kassenspezifische Unterschiede in der digitalen Durchdringung zu beobachten.

Seit Oktober gibt es auch erste Apps, die für die Regelversorgung zugelassen sind und generell von Ärzten verordnet werden können, die sogenannten Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA). Sie sind beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gelistet. Aktuell sind dort vier DiGA aufgeführt.

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