Versicherung

Gothaer: Künstliche Intelligenz soll bei Typ-1-Diabetes unterstützen

Erleichterung für Versicherte der Gothaer, die an Typ-1-Diabetes erkrankt sind: Der Privatversicherer kooperiert mit dem Unternehmen Diabeloop, das Patienten den Umgang mit Diabetes erleichtern will.

Von Christian Bellmann Veröffentlicht:
Versicherte der Gothaer sollen künftig bei ihrem Diabetes-Management unterstützt werden.

Versicherte der Gothaer sollen künftig bei ihrem Diabetes-Management unterstützt werden.

© Diabeloop 2019

Köln. Der Versicherer Gothaer bietet seinen Kunden in der privaten Krankenvollversicherung, die an Typ-1-Diabetes leiden, künftig einen Service, der den täglichen Umgang mit der Krankheit deutlich erleichtern soll. Das Kölner Unternehmen arbeitet dafür mit der französischen Firma Diabeloop zusammen, die ein automatisiertes und personalisiertes Diabetes-System entwickelt hat.

Es basiert auf künstlicher Intelligenz (KI) und beinhaltet einen Algorithmus, der die passende Menge an Insulin berechnet und diese dann dem Körper automatisch zuführt. Das soll den Patienten im Alltag die komplexe Entscheidung abnehmen, welche Dosis des lebenswichtigen Hormons sie benötigen.

„Durch diese innovative Kooperation schaffen wir für unsere Kunden eine deutliche Erleichterung im täglichen Umgang mit Typ-1-Diabetes und sind Vorreiter in der Erstattung von KI-basiertem Coaching“, sagt Sylvia Eichelberg, Vorstandschefin der Gothaer Krankenversicherung.

Das Unternehmen verspricht, dass das Diabeloop-System für Ärzte wie für Patienten einfach einzurichten und zu bedienen ist. Die Patienten benötigen für die Nutzung ein etwa Smartphone-großes Gerät.

System verschreibungspflichtig

Zusätzlich zu einer Einführungsschulung stellt Diabeloop ein umfassendes Coaching zur Verfügung, das gemeinsam mit geschulten Arztpraxen entwickelt wurde, die an dem Programm teilnehmen. Es soll Patienten dabei helfen, das KI-System zu verstehen, ihm zu vertrauen und sich bei der eigenständigen Nutzung sicher zu fühlen. Vollversicherten Kunden mit entsprechendem Krankheitsbild, die mit einer geeigneten Insulinpumpentherapie versorgt sind, erstattet die Gothaer dieses ärztliche Coaching.

Das Diabeloop-System ist verschreibungspflichtig, der behandelnde Arzt ist also von Anfang an in die Versorgung mit eingebunden, erklärte ein Sprecher gegenüber der „Ärzte Zeitung“. Ebenso wird die initiale Einrichtung des Handsets, bei der es um die Einstellung von Behandlungsparametern wie der Tages-Gesamtinsulindosis oder der Behandlungsziele geht, durch das Diabetesteam in der Praxis durchgeführt. Durch die Anpassung der Parameter kann der Arzt dem Algorithmus vorgeben, wie dieser die Therapie managen soll.

Je nach Patient und Therapieführung des Arztes ist eine differenzierte Abstufung möglich: So kann beispielsweise festgelegt werden, dass der Patient einen sehr guten Durchschnitts-Glukosewert haben soll und somit kleinere Hypoglykämien in Kauf genommen werden, oder aber, dass Unterzuckerungen auf jeden Fall vermieden werden sollen – was einen höheren Durchschnitts-Glukosewert impliziert.

Verlaufskontrolle online

Die Verlaufskontrolle kann online über eine Datenvisualisierungsplattform namens „YourLoops“ durchgeführt werden. Darüber kann der Patient dem behandelnden Arzt Zugriff auf die Therapiedaten geben und so seine Daten mit ihm teilen. Auf dieser Basis können zudem Therapiegespräche durchgeführt werden – auch auf dem telemedizinischen Weg.

„Transparenz ist gerade im Umgang mit lernenden Algorithmen die Grundlage, um den Entscheidungen des Algorithmus zu vertrauen“, betonte der Gothaer-Sprecher. „Wir und unsere Vertriebspartner bieten daher zusätzlich zu einer initialen technischen Einweisung auch regelmäßig Webinare für Ärzte und Diabetesberater an, um die Arbeitsweise des Algorithmus theoretisch und anhand von Fallbeispielen zu erläutern.“

Auch für ein Versicherungsunternehmen wie die Gothaer zahlt sich ein erfolgreiches Diabetes-Management im Alltag der Patienten aus. Gelingt es dem Patienten mit der Technologie, seinen Blutzuckerspiegel stabil zu halten, senkt das tendenziell die Langzeitfolgen durch Diabetes.

Weniger Schäden an Augen, Nieren und Herz haben wiederum einen positiven Einfluss auf Gesundheitskosten des Versicherers, die bei Diabetes-Patienten im Schnitt signifikant höher ausfallen als bei Patienten ohne diese Erkrankung.

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