Abrechnung / Honorar

Hausbesuche schmälern die Fallwerte

NEU-ISENBURG (reh/di). Linke Tasche, rechte Tasche - diese Befürchtung vieler Ärzte und Standesvertreter ist jetzt eingetreten. Die aufgewerteten Besuchsziffern drücken die Hausarzt-Fallwerte im dritten Quartal.

Veröffentlicht: 18.07.2011, 15:22 Uhr
Hausbesuche schmälern die Fallwerte

Das Geld für die höher bewerteten Besuche müssen Hausärzte aus ihrer eigenen Tasche - nämlich den Fallwerten - abzwacken.

© Udo Kroener / fotolia.com

Eine Analyse der Fallwerte aus 15 KVen bringt es nun an den Tag: Die Hausärzte müssen die seit April höher bewerteten Haus- und Heimbesuche aus ihrem Regelleistungsvolumen (RLV) finanzieren.

Bereits im zweiten Quartal dieses Jahres machte sich in einigen KVen ein Abwärtstrend bei den Hausarzt-Fallwerten bemerkbar. Denn für die aufgewerteten Besuchsleistungen musste auch schon in 2/2011 ein Vorwegabzug beim Honorarvolumen vorgenommen werden.

Doch immerhin noch sieben KVen konnten die 40-Euro-Marke bei den Fallwerten knacken. Im dritten Quartal sind es nur noch vier KVen. Und insgesamt zehn KVen vermelden ein Minus. Dabei rutscht Hamburg, das Schlusslicht bei den Fallwerten, gar auf 31,84 Euro ab.

Dr. Carsten Heinemeier, Abgeordneter der KV Schleswig-Holstein (KVSH), machte auf der jüngsten Abgeordnetenversammlung der KV deutlich, was das in Schleswig-Holstein gerade für Praxen auf dem Land bedeutet.

Nach seiner Berechnung müsste seine Gemeinschaftspraxis zum Ausgleich für den RLV-Rückgang - bei der KVSH sinkt der Fallwert von 37,09 Euro in 2/2011auf nun 35,80 Euro - 200 Hausbesuche zusätzlich fahren. Was im Praxisalltag unmöglich sei.

Und auch die KVSH macht deutlich: Ohne die Ausgliederung und Höherbewertung der Hausbesuche würden die Hausärzte auf einen fast identischen Fallwert kommen wie im Vorjahresquartal. Da lag der Hausarzt-Fallwert bei 37,06 Euro.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund: RLV: Statt Geldsegen gibt es sinkende Fallwerte

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Abrechnungsspezialist und BWL-Praxisexperte, Dr. med. Bernd W. Alles, hatte es in der Ärzte Zeitung (ÄZ) vom 09.03.2011 schon auf den Punkt gebracht:
"Mit den neuen Besuchsziffern soll alles besser werden. Das Beispiel aus Hessen zeigt allerdings: Selbst wenn die Ärzte ihr Besuchsniveau nur halten, s i n k t ihr RLV."

Ich habe dann den ÄZ-Bericht am 10.03.2011, in dem von der KVWL unter dem Titel "Für Besuchsleistungen gibt es ein individuelles Budget" berichtet wurde, heftig folgendermaßen kritisiert:
"Die Regelung der KBV, Hausbesuche z u s ä t z l i c h extra zu vergüten und dieses Geld aus dem eigenen RLV zu entnehmen, ist zu Recht als Transferleistung ''r e c h t e Tasche -> l i n k e Tasche'' moniert worden. Die KVWL kreierte ein ''individuelles Versorgungsvolumen für Haus- und Heimbesuche''... ''Basis sind die neuen Preise und die im Vorjahresquartal erbrachten Besuche'' der Vertragsarztpraxen. Dies bedeutet revolutionär: ''l i n k e Tasche -> r e c h t e Tasche'', und will uns m e h r Gerechtigkeit bei g e s u n k e n e m RLV-Fallwert vorgaukeln."

Dem kann ich nur, frei nach Udo Lindenberg, hinzuzufügen:

S O N D E R Z U G - Z U R - K B V !

"Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug zur KBV? Ich muss mal eben dahin, mal eben nach Groß-Berlin. Ich muss da was klären, mit eurem Oberindianer, ich bin ein Hausbesuchstalent, und ich will da spiel'' n mit ''ner Band.

Ich hab'' n Fläschchen Cognac mit und das schmeckt sehr lecker, das schlürf'' ich dann ganz locker mit dem Andy Köh(ö)ler und ich sag: Ey, Andy, ich sing'' für wenig Money im KBV-Palast, wenn ihr mich lasst! All die ganzen Facharztfuzzis dürfen da singen, dürfen ihren ganzen Schrott zum Vortrage bringen, nur der kleine Hausarzt - nur der kleine Hausarzt, der darf das nicht - und das versteh'' n wir nicht

Ich weiß genau, ich habe furchtbar viele Patienten hier und stündlich werden es mehr, och, Andy, ey, bist Du denn wirklich so ein sturer Schrat? Warum lässt Du mich nicht singen im Vertragsarzt-Bundesstaat?

Ist das der Sonderzug zur KBV?

Andy, ich glaub'', Du bist doch eigentlich auch ganz locker ich weiß, tief in dir drin, bist Du eigentlich auch'' n Rocker. Du ziehst dir doch heimlich auch gerne mal die Lederjacke an und schließt Dich ein auf'' m Klo und hörst Hausarzt-Radio!

Hallo, Andy, kannst'' mich hören
Hallolöchen - Hallo
Hallo, Köhler, kannst'' mich hören
Hallo Halli, Halli Hallo
Joddelido"

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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