Unesco-Kommission

Hebammen zählen zum Kulturerbe

Die Deutsche UNESCO-Kommission kürt das Hebammenwesen als Immaterielles Kulturerbe – und zeigt auf Probleme.

Von Marco Hübner Veröffentlicht: 30.05.2017, 14:30 Uhr

Berlin. Das Hebammenwesen in Deutschland wurde von der Deutschen UNESCO-Kommission offiziell in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Das teilte der Deutsche Hebammenverband (DHV) anlässlich der Auszeichnungsveranstaltung am Montag in Berlin mit. Mit diesem Schritt werde die historische und aktuelle Tätigkeit von Hebammen gewürdigt, heißt es. Der DHV hatte bereits 2015 die Aufnahme beantragt, die im vergangenen Jahr genehmigt wurde.

"Ich freue mich sehr darüber. Denn in Zeiten, die für den Berufsstand oft turbulent sind, ist dies für die Kolleginnen ein wichtiges Signal", wird Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied des DHV, in einer Pressemitteilung zitiert. Immer wieder geriet die Zunft zuletzt mit der Diskussion um steigende Haftpflichtprämien für Freiberufler in die Schlagzeilen (wir berichteten). Mitunter beklagt der Verband – aufgrund der Arbeitsbedingungen – einen Hebammenmangel.

Das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes hat nach eigenen Angaben zum Ziel, die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in und aus Deutschland sichtbar zu machen. Es stehe exemplarisch für die Kreativität und den Erfindergeist der Gesellschaft. Dazu gehöre auch das Hebammenwesen, denn "Hebammen verfügen über fundamentales medizinisches, anatomisches und geburtshilfliches Wissen, das seit Generationen von Hebamme zu Hebamme vermittelt wird", heißt es.

Heute würden angehende Hebammen in 1600 Theorie- und 3000 Praxisstunden an einer Hebammenschule oder Hochschule ausgebildet, ist auf der Internetseite der Deutschen UNESCO-Kommission zu lesen. Jedoch wird auch an dieser Stelle auf die aktuelle Situation verwiesen: "Überlastung und hohe Haftungsrisiken führen heute in Deutschland zu teils schwierigen Arbeitsbedingungen für Hebammen." Insgesamt zählt das Verzeichnis momentan 68 Kulturformen, wie beispielsweise auch das Reetdachdecker-Handwerk, und vier Erhaltungsprogramme.

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