Baustelle PKV

Hier wollen die Versicherer nachbessern

Die PKV soll zukunftsfest werden. Deswegen wollen die Versicherer an mehreren Stellschrauben drehen - etwa dem Schutz der Versicherten vor finanzieller Überforderung. Jetzt ruft die Branche auch nach dem Gesetzgeber.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen und Herbert Fromme Veröffentlicht:
Will für etliche Probleme Lösungen finden: PKV-Verbandschef Volker Leienbach.

Will für etliche Probleme Lösungen finden: PKV-Verbandschef Volker Leienbach.

© David Ebener / dpa

KÖLN. Die privaten Krankenversicherer (PKV) wollen in dieser Legislaturperiode einige Baustellen angehen, um das System zukunftsfester zu machen. Zum Teil braucht die Branche dabei die Unterstützung des Gesetzgebers, sagt Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Leienbach begrüßt, dass Union und SPD im Koalitionsvertrag die Dualität von gesetzlicher und privater Krankenversicherung akzeptieren. "Jetzt muss es darum gehen, in beiden Systemen die notwendigen Verbesserungen herbeizuführen."

Bei der PKV zählt er dazu den unternehmensinternen Tarifwechsel. Die einzelnen Anbieter könnten mehr tun, um den Versicherten den Wechsel von einem zum anderen Tarif im selben Unternehmen zu erleichtern.

Die Branche steht schon länger unter Beschuss von Verbraucherschützern und Politikern, weil Anbieter nach wie vor Kunden ihr gesetzlich verbrieftes Wechselrecht erschweren. "Wir sind hier auf einem guten Weg und optimistisch, dass wir zu einer sehr kundenorientierten, versichertenfreundlichen Praxis in der gesamten Breite finden werden", sagt Leienbach.

Handlungsbedarf sieht er auch bei Versicherten, die sich in einer Situation persönlicher Überforderung befinden. Vorstellbar sei die Erweiterung der "Sozialfunktion" des Standardtarifs.

Ein Beispiel sind Ehepartner von Beamten, die sich nach einer Scheidung nach vielen Ehejahren für den plötzlich wegfallenden Teil der Beihilfe komplett privat versichern müssen.

Beitragssprünge sollen über Zeitverlauf geglättet werden

Das ist im fortgeschrittenen Alter sehr teuer, weiß Leienbach. "Wir könnten eine strukturelle Lösung für solche Problemfälle finden." Dafür brauche die PKV aber eine gesetzliche Grundlage.

Das gilt auch für die Bemühungen der Branche, künftig starke Beitragsanpassungen zu vermeiden. Bislang dürfen die Unternehmen die Prämien nur erhöhen, wenn bestimmte "auslösende Faktoren" anspringen: Die tatsächlichen Gesundheitskosten müssen höher sein als die kalkulierten, und die Abweichung muss mindestens fünf oder zehn Prozent betragen. Werden Anpassungen möglich, fallen sie oft hoch aus.

"Wir haben Vorschläge gemacht, wie man die Beitragssprünge über den Zeitverlauf glätten kann" berichtet Leienbach. Die "auslösenden Faktoren" sind in der Kalkulationsverordnung verbindlich geregelt, sodass die PKV auf Unterstützung des Gesetzgebers angewiesen ist.

Die niedrigen Zinsen und die Turbulenzen auf den Finanzmärkten haben auch Auswirkungen auf die PKV, denn die Kapitaldeckung läuft mit einer hohen Verzinsung besser als mit einer weniger hohen.

"Aber unabhängig von der Verzinsung ist es immer ein System, das Vorsorge für die Zukunft bildet und für Generationengerechtigkeit steht, im Unterschied zur Umlagefinanzierung der gesetzlichen Krankenkassen", betont Leienbach.

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