KV-Safenet

Interesse der Kassen steigt

Sollen Vertragsärzte mit telemedizinischen Anwendungen erreicht werden, ist dafür das KV-Safenet derzeit die erste Wahl. Kassen kritisieren das Safenet als "Parallelnetz" - dennoch wächst offenbar ihr Interesse daran.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Das KV-Safenet ist sicher, sagten die Betreiber – es ist nicht zertifiziert, sagen die Kassen.

Das KV-Safenet ist sicher, sagten die Betreiber – es ist nicht zertifiziert, sagen die Kassen.

© Henri Schmit / fotolia.com

KÖLN. Das sichere Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen ist keine geschlossene Veranstaltung, sondern steht auch anderen Interessierten offen.

"Wir laden alle ärztlichen Organisationen ein, sich für KV-Safenet zertifizieren lassen", sagt Dr. Thomas Kriedel, Vorstand der KV Westfalen-Lippe. "Unser Safenet ist diskriminierungsfrei, es kann jeder nutzen, der die Voraussetzungen erfüllt."

Nach Kriedels Angaben interessieren sich auch Krankenkassen für das sichere Netz der KVen und wollen sich dafür zertifizieren lassen.

"Sie wissen, dass dies die beste Möglichkeit ist, um Ärzte mit telematischen Anwendungen zu erreichen." Das gilt zumindest, bis die Telematik-Infrastruktur etabliert ist.

Safenet als größtes Gesundheitsnetz

Zurzeit nutzen rund 56.000 niedergelassene Ärzte und 400 Krankenhäuser KV-Safenet. Das macht es zum größten Gesundheitsnetz in Deutschland. Darüber werden inzwischen 130 Anwendungen in unterschiedlichen Regionen genutzt.

In Westfalen-Lippe gehören dazu das Mammografie-Screening, das onkologische Dokumentationsprogramm Ondis und die Datenlieferungen zum Polypharmazie-Vertrag.

Auch die Arzneimittel-Initiative Sachsen-Thüringen (ARMIN), das Modellprojekt zur Wirkstoffverordnung, läuft über das KV-Netz. "Viele KVen nutzen das Netz zur Koordination der Notfalldienste", sagt Kriedel.

Gerade die Organisation des Notfalldienstes ist für ihn ein gutes Argument für die Forderung der KVen, dass ihr sicheres Netz auch nach Implementierung der Telematik-Infrastruktur aufrechterhalten bleibt.

"Der ärztliche Notfalldienst hat die Krankenkassen und die Industrie nicht zu interessieren", stellt er klar.

Anwendungen, die ausschließlich von den KVen und ihren Mitgliedern genutzt werden, gehören nicht unter das Dach der Telematik-Infrastruktur, sagt Kriedel.

Solche Anwendungen sollten zwar an die Telematik-Infrastruktur angebunden, aber weiter unter der Hoheit der KVen bleiben.

Nicht zertifiziert - nicht sicher?

Kriedel, der auch Vorsitzender der gematik-Gesellschafterversammlung ist, hat kein Verständnis dafür, dass diese Forderung von vielen Krankenkassen heftig bekämpft wird. Schließlich würden sie mit den Versichertenstammdatendiensten genauso umgehen.

Auch für andere Zwecke gebe es eigene Lösungen zur sicheren Datenübertragung, etwa das Netz der Hausärztlichen Vertragsgemeinschaft oder das digitale Programm PädExpert der Kinder- und Jugendärzte.

"Das sichere Netz der KVen ist nicht der einzige abgeschlossene Bereich", sagt er.

Da der Zugriff auf die arztspezifischen Anwendungen wie bei allen anderen auch künftig über die Telematik-Infrastruktur erfolgen soll, sei der Vorwurf der Krankenkassen falsch, es handele sich um ein Parallelnetz.

Die Behauptung, KV Safenet sei nicht sicher, weil es nicht vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert ist, weist Kriedel ebenfalls zurück.

Das Netz erfülle alle Sicherheitsstandards, betont er. Die Datenschutzkonferenz habe KV Safenet nicht umsonst positiv bewertet. "Das BSI hat nicht den Auftrag, unser Netz zu prüfen", sagt er. Auch die Telematik-Infrastruktur sei ja noch nicht abgenommen.

Wenn die Telematik-Infrastruktur endlich steht, wird KV Safenet seine Funktion als Infrastruktur verlieren, erläutert Kriedel. Dabei werden die meisten Praxen ihren bisherigen Provider behalten können - vorausgesetzt, die Provider beantragen die Zulassung bei der gematik.

"Der Arzt bekommt einen neuen Router, aber sonst ändert sich für ihn nicht viel." Die Umstellung werde nicht mit einem hohen Aufwand verbunden sein.

Wann es dazu kommt, steht allerdings immer noch in den Sternen. Kriedel bestätigt, dass es Gerüchte aus den Testregionen gibt, nach denen die Erprobung der Telematik-Infrastruktur - die bereits mehrmals verschoben wurde - in diesem Jahr nicht mehr anlaufen wird.

 "Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, dass wir unser eigenes funktionsfähiges Netz haben."

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