Arzneimittelpolitik

KBV warnt vor zunehmendem Regress-Risiko

Bei vertraulichem Erstattungspreis findet künftig Verordnungssteuerung im Blindflug statt. Was einseitig zulasten der Verordner gehe, wie die KBV kritisiert.

Veröffentlicht:

Berlin. Anlässlich der Verabschiedung des Medizinforschungsgesetzes im Bundestag am heutigen Donnerstagnachmittag warnt die KBV vor einem „enorm steigenden Regressrisiko für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte“ infolge vertraulicher Erstattungsbeträge.

Danach soll künftig die Wirtschaftlichkeit neuer Produkte, wenn deren Preise geheim bleiben, in der Verordnungssoftware mittels Relationsabbildung zu anderen Arzneimitteln oder Therapien „mit vergleichbarem medizinischem Nutzen in dem Anwendungsgebiet“ dargestellt werden.

Lesen sie auch

In der Konsequenz müssen Verordner in solchen Rezept-Fällen deren Wirtschaftlichkeit dann selbst einschätzen. Das aber sei „realitätsfern, belastet einseitig die Praxen mit einem höheren Regressrisiko und zusätzlichem bürokratischen Aufwand“, moniert die KBV. Die Verantwortung, wirtschaftliche Erstattungspreise zu vereinbaren, liege „ausschließlich bei den pharmazeutischen Unternehmen und den Krankenkassen“.

Zudem sei das geplante Verfahren mit Zeitverzug behaftet. Die Softwareanbieter benötigten erfahrungsgemäß zwischen drei und sechs Monaten, um Wirtschaftlichkeitshinweise in ihre Programme einzupflegen. „Es entsteht also eine erhebliche zeitliche Lücke, bis die entsprechenden Informationen beim einzelnen Arzt angekommen sind.“ Dadurch nehme das Regressrisiko noch weiter zu.

Lesen sie auch

Es sei „inakzeptabel“, so das Fazit des KBV-Vorstands zur bevorstehenden Verordnungssteuerung im Blindflug, „dass der Zielkonflikt zwischen Stärkung des Pharmastandorts Deutschland einerseits und Stabilisierung der Arzneimittelausgaben andererseits auf dem Rücken der Vertragsärzte ausgetragen wird“. (cw)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Modell gegen den Ärztemangel?

Darum haben es mobile Arztpraxen so schwer

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Kommentare
Dr. Dr. Steffen Boxdorfer 04.07.202414:22 Uhr

Zudem sei das geplante Verfahren mit Zeitverzug behaftet. Die Softwareanbieter benötigten erfahrungsgemäß zwischen drei und sechs Monaten, um Wirtschaftlichkeitshinweise in ihre Programme einzupflegen.

——-> genau mein Humor.
B.

* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen im Iran via Telemedizin

Seltene, aber schwere Nebenwirkung

NSAR und Metformin: eine gefährliche Kombination

Lesetipps
Endoskopische Auffälligkeiten bei der Colitis ulcerosa

© Gastrolab / Science Photo Library

Interview

Das ist neu in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?

© Gina Sanders / stock.adobe.com

Pro & Contra

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?