Hausärzte-Befragung

Kein Plan für Investitionen in der Schublade

Viele Hausärzte haben keinen echten Plan, wie sie ihre Praxis wirtschaftlich weiterentwickeln können, zeigt eine Studie. Ein Fall für die Weiterbildung?

Raimund SchmidVon Raimund Schmid Veröffentlicht:

ERLANGEN. Viele Allgemeinärzte entwickeln vor der Niederlassung und auch in der unmittelbaren Zeit danach keinen Investitionsplan und legen bezüglich der Wirtschaftlichkeit und Finanzierung allenfalls ein reaktives Verhalten an den Tag.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Querschnittsstudie des Instituts für Allgemeinmedizin an der Universität zu Lübeck, die beim 53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) in Erlangen vorgestellt worden ist.

Ziel der Studie war es, das Investitionsverhalten und das wirtschaftliche Verständnis von Hausärzten zu explorieren, um daraus Inhalte für künftige Lehrveranstaltungen für Ärzte in Weiterbildung zu konzipieren. Hierfür wurden „Schlüsselfragen“ erarbeitet, die zunächst in einer Pilotphase mit sechs Hausärzten getestet und dann an 1992 Hausärzte in ganz Deutschland versendet wurden. Die Datenanalyse war deskriptiv.

Die Rücklaufquote lag bei 25 Prozent. Die am Projekt teilnehmenden 491 Hausärzten zeigten umso weniger ein wirtschaftliches Verständnis, je jünger sie waren. Die Mehrheit (52 Prozent) ließ sich auch nicht von professionellen Beratern fachlich unterstützen. Die Ergebnisse im Detail:

  • 60 Prozent aller Teilnehmer entwickelten erst nach der Niederlassung ein wirtschaftliches Verständnis.
  • Sieben Prozent legten später kein wirtschaftliches Denken an den Tag.
  • Fast zwei Drittel der befragten Hausärzte erstellen keinen Investitionsplan. Diejenigen 35 Prozent, die über einen Investitionsplan verfügten, hatten diesen primär für ihre Bank erstellt.
  • In die Investitionspläne bezogen lediglich vier von zehn Hausärzten Risikofaktoren und ein daraus resultierendes Risikomanagement mit ein.

Primär nicht monetäre Gründe ausschlaggebend

Überraschend auch: Wenn in einer Praxis investiert wurde, waren primär nicht monetäre Gründe ausschlaggebend. Zu den Gründen für eine Investition gehören zum Beispiel Reinvestitionen nach dem Ausfall von Medizintechnik, gesetzliche Anforderungen, Prozesse zur Entlastung des Personals oder auch ein besseres Erscheinungsbild der Praxis. Erst an siebter Stelle wurden ökonomische Gründe genannt (Gewinnsteigerung), so Ruben Zwierlein, der als Arzt in Weiterbildung in Erlangen die Ergebnisse seiner Doktorarbeit präsentierte.

Aus den Ergebnissen der Studie leitete Zwierlein am Ende die folgenden Schlussfolgerungen ab:

  • Je jünger Hausärzte sind, desto weniger ausgeprägt ist ihr wirtschaftliches Denken. Bei älteren Hausärzten ist ein besseres wirtschaftliches Verständnis vorhanden (68 Prozent) als bei jüngeren (47 Prozent).
  • Die Neigung für standardisierte Planungsprozesse zum Aufbau einer Praxis und der Erstellung eines Investitionsplans ist nur gering ausgeprägt. Potenzielle Risiken und unvorhergesehene Entwicklungen werden von jungen Hausärzten zu wenig beachtet.

Der Schlussappell Zwierleins war daher eindeutig: Die Aus-und Weiterbildung angehender Hausärzte sollte künftig mehr Inhalte zur Finanzierung und zum Praxismanagement enthalten. Nur dann könnten junge Hausärzte eher befähigt werden, ihre Praxis weniger reaktiv, sondern eher proaktiv zu führen. (ras)

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