Corona-Diagnostik

Laborärzte warnen vor Corona-Selbsttests für Patienten

Laborärzte sehen Antigentests auf SARS-CoV-2 bislang eher skeptisch. Dies gilt sowohl für die Sicherheit der Testumgebung als auch für die Qualität der Tests an sich.

Sybille CornellVon Sybille Cornell Veröffentlicht:
Die Sicherheit der Testumgebung spielt eine große Rolle bei der SARS-CoV-2-Diagnostik. Laborärzte sehen dies bei Antigen-Selbsttests nicht gegeben.

Die Sicherheit der Testumgebung spielt eine große Rolle bei der SARS-CoV-2-Diagnostik. Laborärzte sehen dies bei Antigen-Selbsttests nicht gegeben.

© Microgen / stock.adobe.com

Berlin. Die Laborärzte haben sich am Dienstag erneut in die Diskussion um den Einsatz von Antigentests in der SARS-CoV-2-Diagnostik eingeschaltet und sich dabei erneut zurückhaltend geäußert – vor allem in Bezug auf Schnelltests in Patientenhand. Corona-Selbsttests seien „keine sinnvolle Ergänzung der nationalen Teststrategie“, warnte etwa der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL). Wegen der enormen Konsequenzen der einzelnen Befunde sei die Corona-Diagnostik nach dem Infektionsschutzgesetz ausschließlich Ärzten vorbehalten – und „die Bekämpfung der Pandemie muss in der Verantwortung der Ärzte bleiben“, so der Berufsverband.

Der BDL-Vorsitzende Dr. Andreas Bobrowski verwies in einer aktuellen Mitteilung darauf, dass der Nachweis des Virus auch beim Antigentest aus einem Rachenabstrich erfolgen müsse. Um eine Kontamination der Umgebung zu vermeiden, müssten Labore sehr hohe Sicherheitsvorgaben einhalten. Da diese Bedingungen beim Test durch Laien nicht gegeben seien, könne eine solche Teststrategie sogar zu zusätzlichen Infektionen der beteiligten Personen führen.

Vergleichende Untersuchungen der Tests gefordert

Auch der Vorsitzende der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e.V.) Dr. Michael Müller äußerte sich in der wöchentlichen Mitteilung zu den aktuellen Teststatistiken zurückhaltend zu den Antigentests für die breite Versorgung oder sogar für den Privatgebrauch. Hier gelte es, „zunächst die Qualität der Herstellerangaben in der Versorgung zu prüfen“.

Die Laborärzte wüssten um die etwas niedrigere Sensitivität der Tests. „Hier bedarf es vergleichender Untersuchungen und Bewertungen von PCR- und Antigentests“, so Müller. Man hoffe darauf, dass mit guten Antigentests, die PCR-Testkapazitäten entlastet werden könnten. Es sei jedoch zu diskutieren, welches Maß an geringerer Sensitivität und Spezifität der Antigentests im Vergleich zum „Goldstandard“-PCR-Test akzeptierbar sei.

Kombinations-PCR-Tests kommen in der Grippezeit

ALM-Vorstand Professor Jan Kramer kündigte für den späteren Herbst für die Grippezeit Kombinations-PCR-Tests an, die es erlauben, gleichzeitig auf Influenza-Viren und auf SARS-CoV-2 zu untersuchen.

Die zuletzt gestiegenen Infektionszahlen drücken sich den Angaben der Labore zufolge in der steigenden Anzahl vorgenommener PCR-Testungen aus. So seien in der KW 39 (21.-27. September) in den 158 Laboren, die an der Datenauswertung des ALM teilnehmen, 1.052.526 SARS-CoV-2-Tests durchgeführt worden, neun Prozent mehr als in der Vorwoche. Die Anzahl der positiven Befunde stieg auf 13.119 Tests (+12 Prozent). Die Positivrate stieg leicht von 1,22 auf 1,25 Prozent. Die Testkapazitäten in den Laboren seien für die laufende Woche nochmals um drei Prozent gesteigert worden auf rund 1.264.000 PCR-Tests pro Woche.

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