Corona-Diagnostik

Laborärzte warnen vor Corona-Selbsttests für Patienten

Laborärzte sehen Antigentests auf SARS-CoV-2 bislang eher skeptisch. Dies gilt sowohl für die Sicherheit der Testumgebung als auch für die Qualität der Tests an sich.

Von Sybille CornellSybille Cornell Veröffentlicht: 29.09.2020, 18:43 Uhr
Die Sicherheit der Testumgebung spielt eine große Rolle bei der SARS-CoV-2-Diagnostik. Laborärzte sehen dies bei Antigen-Selbsttests nicht gegeben.

Die Sicherheit der Testumgebung spielt eine große Rolle bei der SARS-CoV-2-Diagnostik. Laborärzte sehen dies bei Antigen-Selbsttests nicht gegeben.

© Microgen / stock.adobe.com

Berlin. Die Laborärzte haben sich am Dienstag erneut in die Diskussion um den Einsatz von Antigentests in der SARS-CoV-2-Diagnostik eingeschaltet und sich dabei erneut zurückhaltend geäußert – vor allem in Bezug auf Schnelltests in Patientenhand. Corona-Selbsttests seien „keine sinnvolle Ergänzung der nationalen Teststrategie“, warnte etwa der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL). Wegen der enormen Konsequenzen der einzelnen Befunde sei die Corona-Diagnostik nach dem Infektionsschutzgesetz ausschließlich Ärzten vorbehalten – und „die Bekämpfung der Pandemie muss in der Verantwortung der Ärzte bleiben“, so der Berufsverband.

Der BDL-Vorsitzende Dr. Andreas Bobrowski verwies in einer aktuellen Mitteilung darauf, dass der Nachweis des Virus auch beim Antigentest aus einem Rachenabstrich erfolgen müsse. Um eine Kontamination der Umgebung zu vermeiden, müssten Labore sehr hohe Sicherheitsvorgaben einhalten. Da diese Bedingungen beim Test durch Laien nicht gegeben seien, könne eine solche Teststrategie sogar zu zusätzlichen Infektionen der beteiligten Personen führen.

Vergleichende Untersuchungen der Tests gefordert

Auch der Vorsitzende der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e.V.) Dr. Michael Müller äußerte sich in der wöchentlichen Mitteilung zu den aktuellen Teststatistiken zurückhaltend zu den Antigentests für die breite Versorgung oder sogar für den Privatgebrauch. Hier gelte es, „zunächst die Qualität der Herstellerangaben in der Versorgung zu prüfen“.

Die Laborärzte wüssten um die etwas niedrigere Sensitivität der Tests. „Hier bedarf es vergleichender Untersuchungen und Bewertungen von PCR- und Antigentests“, so Müller. Man hoffe darauf, dass mit guten Antigentests, die PCR-Testkapazitäten entlastet werden könnten. Es sei jedoch zu diskutieren, welches Maß an geringerer Sensitivität und Spezifität der Antigentests im Vergleich zum „Goldstandard“-PCR-Test akzeptierbar sei.

Kombinations-PCR-Tests kommen in der Grippezeit

ALM-Vorstand Professor Jan Kramer kündigte für den späteren Herbst für die Grippezeit Kombinations-PCR-Tests an, die es erlauben, gleichzeitig auf Influenza-Viren und auf SARS-CoV-2 zu untersuchen.

Die zuletzt gestiegenen Infektionszahlen drücken sich den Angaben der Labore zufolge in der steigenden Anzahl vorgenommener PCR-Testungen aus. So seien in der KW 39 (21.-27. September) in den 158 Laboren, die an der Datenauswertung des ALM teilnehmen, 1.052.526 SARS-CoV-2-Tests durchgeführt worden, neun Prozent mehr als in der Vorwoche. Die Anzahl der positiven Befunde stieg auf 13.119 Tests (+12 Prozent). Die Positivrate stieg leicht von 1,22 auf 1,25 Prozent. Die Testkapazitäten in den Laboren seien für die laufende Woche nochmals um drei Prozent gesteigert worden auf rund 1.264.000 PCR-Tests pro Woche.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Thomas Georg Schätzler

Laborärzte sehen Antigentests auf SARS-CoV-2-Infektionen, insbesondere als Selbsttest für zu Hause, sehr skeptisch. Dies gilt für Sicherheit und Qualität der Tests an sich.

Doch wie kann man auch nur als wissenschaftlich aufgeklärter und zugleich kritischer Zeitgenosse behaupten, ein spezifischer PCR-Test auf das Vorhandensein von infektiologisch aktivem Virusmaterial bei SARS-CoV-2-Infektionen sei entweder falsch-positiv bzw. das (falsch) negative Testergebnis sei auf das Versagen eines fehlerhaft angewandten PCR-Tests zurück zu führen.

Spezifität und Sensitivität der SARS-CoV-2-PCR-Tests sind extrem hoch, so dass falsch negative und falsch positive Tests absolute Ausnahmen sind, die aber so manche Verschwörungstheoretiker zur Regel verklären wollen.

Der Instand Ringversuch des RKI vom April 2020 nennt eine Sensitivität von 98,8-99,7 % und eine Spezifität von 98,6 %.

Infektiologische Basiskenntnisse sollten schon vorhanden sei:
Infektionsverlauf
Eine Virusinfektion kann apparent (mit klinischen Symptomen) oder inapparent verlaufen. In dieser Hinsicht weisen einzelne Virusarten einen unterschiedlichen Manifestationsindex auf:
Die Masern sind fast immer apparent.
Mumps- und Influenza-Infektionen verlaufen zu etwa 50 % apparent.
Die primäre Infektion mit Herpes-simplex-Virus ist nur bei etwa 5–10 % der Fälle apparent.
Die Poliomyelitis ist bei weniger als 1 % der Infizierten apparent...
Akute Infektion mit Viruselimination
Bei der akuten Infektion entsteht eine erkennbare, zeitlich begrenzte, klinisch apparente oder inapparente Infektion. Es kommt zur Virusvermehrung und zur Ausscheidung infektiöser Viruspartikel. Die Infektion kann im Sinne einer Lokalinfektion auf die Eintrittspforte und deren Umgebung beschränkt bleiben, wie beim banalen Schnupfen, oder sich über den gesamten Organismus ausbreiten und eine generalisierte, in mehreren Phasen verlaufende Infektionskrankheit wie die Masern hervorrufen...

Dr. Thomas Georg Schätzler

Persistierende Infektion
In diesem Fall wird das Virus nach der apparent oder inapparent verlaufenden Primärinfektion nicht vollständig aus dem Organismus eliminiert und repliziert kontinuierlich weiter, allerdings in geringerem Umfang als während der akuten Primärinfektion. Zunächst entstehen dabei keine Symptome. Diese treten erst dann auf, wenn durch die – oft jahrelange – kontinuierliche Virusreplikation ein ausgeprägter Schaden in einem Organ entstanden ist. Beispiele hierfür sind HIV, Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Viren...

Latente Infektion
Der Organismus ist und bleibt lebenslang infiziert, jedoch ohne klinische Symptome zu zeigen und ohne dass Virus im Regelfall nachweisbar ist: Das Virus »ist in den Untergrund gegangen« (z. B. HSV in die Ganglien der Hirnnerven). Im Unterschied zur persistierenden Infektion findet über lange Zeiträume keine aktive Virusreplikation mit Bildung neuer Viruspartikel statt...Epstein-Barr-Virus und Kaposi-Sarkom-Herpes-Virus/Humanen Herpesvirus HHV-8 etablieren ihre Latenz in sich teilenden (B-)Zellen...

Herpes-simplex-Virus, in teilungsunfähigen ausdifferenzierten Neuronen latent vorliegend, exprimiert nur eine nichttranslatierte RNA (LAT) als Vorläufer von miRNAs (mikroRNAs)...

Varicella-Zoster-Virus etabliert seine Latenz ebenfalls in Neuronen, während das Zytomegalievirus Zellen der myelomonozytären Reihe bevorzugt.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7176215/

SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen verlaufen als akute Infektion mit Viruselimination vergleichbar mit Influenza-Infektionen: Es kommt zu apparenten und inapparenten Infektionen. Gleichwohl sind alle Betroffenen eine begrenzte Zeit infektiös gegenüber Dritten. Und die Ansteckungsgefahr mit z. T. deletären Verlaufen können im Gegensatz zu Influenza n i c h t durch Impfungen ausgebremst werden. Das ist der springende Punkt!
Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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