Vor dem Start der elektronischen Patientenakte

Lauterbach zur ePA: „Die Daten sind sicher vor Hackern“

Bei einem Termin in einer Arztpraxis in Köln betont Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die Sicherheit der elektronischen Patientenakte. Er glaubt, die Vorbehalte der Ärzteschaft würden sich rasch auflösen.

Von Christian Bellmann Veröffentlicht:
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach

„Ich bin ganz sicher, dass die Ärzteschaft, die Kinderärzte und die Ärztekammer die ePA empfehlen werden in dem Moment, wo wir in den Pilotregionen gezeigt haben, dass sie in der Praxis funktioniert und einwandfrei sicher ist“: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Donnerstag in Köln.

© Christian Bellmann

Köln. Kurz vor dem Start der elektronischen Patientenakte (ePA) in ausgewählten Regionen hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bei einem Pressetermin in einer Arztpraxis in Köln die Sicherheit der Anwendung hervorgehoben. „Die Daten der Bürger sind sicher vor Hackern“, betonte der SPD-Politiker. Ab dem 15. Januar wird die ePA in einer vierwöchigen Pilotphase in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hamburg im Praxisbetrieb erprobt, danach ist der bundesweite Roll-out geplant.

Die Bedenken der Ärzteschaft sind groß. Der Präsident der Bundesärztekammer Dr. Klaus Reinhardt hatte am Dienstag die Frage verneint, ob er Patienten derzeit die Nutzung der ePA empfehlen würde – auch wenn er das nicht als Aufforderung zum Opt-out verstanden wissen wollte. Dr. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), erklärte dagegen explizit, er würde Patienten und deren Eltern aktuell empfehlen, sich aktiv gegen die ePA zu entscheiden. Insbesondere geht es dem BVKJ um Datenschutzrechte von Kindern und Jugendlichen.

Lauterbach: Stehe mit dem BSI in engem Austausch

Hintergrund der Äußerungen sind die Sicherheitsmängel, auf die unter anderem im Dezember 2024 der Chaos Computer Club (CCC) aufmerksam gemacht hatte: Demnach sei es für Dritte teilweise sehr einfach, auf die ePA-Daten zuzugreifen. Potenziell seien Angriffe auf alle 70 Millionen Akten möglich.

Lauterbach betonte, er stehe mit dem CCC und auch mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in engem Austausch, was die Beseitigung dieser Schwachstellen betrifft. „Wir werden vom Bundesamt grünes Licht bekommen, wenn wir die Punkte umgesetzt haben, auf die wir uns geeinigt haben“, sagte er.

Er zeigte sich davon überzeugt, dass sich die Vorbehalte der Ärzteschaft schnell auflösen werden. „Ich bin ganz sicher, dass die Ärzteschaft, die Kinderärzte und die Ärztekammer die ePA empfehlen werden in dem Moment, wo wir in den Pilotregionen gezeigt haben, dass sie in der Praxis funktioniert und einwandfrei sicher ist.“

Alle für die Pilotphase relevanten Baustellen seien bereits behoben, ebenso werden bis zum bundesweiten Roll-out alle Probleme gelöst sein, versprach er. „Die elektronische Patientenakte wird nicht ans Netz gehen, wenn es auch nur ein Restrisiko für einen großen Hackerangriff geben sollte“, betonte er. Das sei aber nicht zu befürchten. Bei den offenen Punkten handele es sich ohnehin nur noch um „Kleinigkeiten“.

ePa soll rasch in die Fläche gebracht werden

„Wir kümmern uns in der Pilotphase intensiv um das Thema Sicherheit, damit wir nach Abschluss der Pilotphase den bundesweiten Roll-out gewährleistet werden können und die ePA sicher genutzt werden kann“, betonte auch gematik-Geschäftsführer Dr. Florian Fuhrmann.

Besonderes Augenmerk liege jetzt auch darauf, unerwünschte Interdependenzen zwischen bereits laufenden Anwendungen wie dem E-Rezept und der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu identifizieren und zu beheben. Fuhrmann versprach den an der Pilotphase teilnehmenden Praxen regelmäßigen Austausch über die Fortschritte.

Lauterbach will alles daransetzen, dass die ePA noch unter der aktuellen Regierung in die Fläche gebracht wird. Das könne im Zeitraum von Februar bis April passieren, sei aber davon abhängig, wie gut die Pilotphase läuft und welche Ergebnisse sie liefert. „Wenn alles reibungslos läuft, dann wird es sehr schnell der Fall sein, wenn wir mehr Zeit benötigen, dann nehmen wir uns noch ein paar Wochen“, sagte er.

„Ich fühle mich perfekt vorbereitet“

Die „Praxis am Königsforst“ im Kölner Stadtteil Brück, in der Lauterbach den aktuellen Stand der ePA präsentierte, ist eine der Praxen, die an der Pilotphase teilnehmen. Inhaber Oliver Pottkämper, Facharzt für Allgemeinmedizin, äußerte seine Vorfreude auf den Start. „Ich fühle mich perfekt vorbereitet“, sagte er der Ärzte Zeitung. Er habe allerdings einen Dienstleister zur Schulung bezüglich der Hard- und Software in Anspruch genommen und sei allgemein sehr technikaffin, räumte er ein.

Er habe volles Verständnis für Kolleginnen und Kollegen, die weniger euphorisch seien und vor allem den Mehraufwand in der Anlaufphase fürchteten, betonte Pottkämper. Er geht jedoch davon aus, dass die ePA beim Einsatz in den Praxen schnell in der Lage sein wird, den Aufwand zu reduzieren. „Ich hätte das vor acht Jahren als Assistenzarzt im Krankenhaus schon gerne gehabt“, sagte er.

Es komme jetzt erst einmal darauf an, nur relevante Befunde in die ePA zu integrieren sowie aktuelle Diagnosen und Medikamentenlisten. Je voller die Akte sei, desto mehr Zeit brauche es, um sie durchzulesen, sagte er. „Man muss hier wirtschaftlich denken.“

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Interview mit Johanna Ludwig von der gematik

Digitale Prozesse in der Arztpraxis neu denken

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Harald Koegler 11.01.202511:30 Uhr

Der Kollege Lauterbach träumt den schönen Traum von der Datensicherheit, die nur in der Werbung der Software-Anbieter existiert.

Dr. Steffen Boxdorfer 10.01.202507:00 Uhr

„ die Daten sind sicher!“——->
Und zwar genauso sicher, wie die Corona -Impfungen.

Mit freundlichen Grüßen nach Berlin.
B.

* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion

Niere schützen bei HFrEF – aber wie?

Nutzen überwiegt Risiken

Mammografie jetzt auch für Frauen ab 45

Lesetipps
Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?

© Gina Sanders / stock.adobe.com

Pro & Contra

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?