Ärztinnen in Führungspositionen

Leopoldina moniert Männerdominanz im Cockpit des Wissenschaftsbetriebs

Die Humanmedizin steht beispielhaft dafür, wie hoch der Frauenanteil am akademischen Nachwuchs ist. Die Leopoldina gibt Handlungsempfehlungen für mehr Ärztinnen im wissenschaftlichen Chefsessel.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Im Chefsessel machen sich meist Männer breit – auch im Wissenschaftsbetrieb. Das ist der Leopoldina ein Dorn im Auge.

Im Chefsessel machen sich meist Männer breit – auch im Wissenschaftsbetrieb. Das ist der Leopoldina ein Dorn im Auge.

© Niklas Hughes/dieKLEINERT.de/picture alliance

Halle (Saale). 64 Prozent der Medizinstudierenden 2020 in Deutschland waren Frauen, aber nur an einem von 34 Standorten der Universitätsmedizin gibt es, seit Oktober 2021, eine leitende Ärztliche Direktorin und Vorstandsvorsitzende – obwohl bei Promovierten und in der fachärztlichen Weiterbildung mit Disziplin-spezifischen Ausnahmen Parität erreicht ist.

Die Wissenschaft in Deutschland ist nach wie vor männlich dominiert – vor allem in leitenden Positionen an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Die Abwanderung der Frauen beginnt nach der Promotion und geht zu Lasten des Wissenschaftssystems, das an Diversität und Kreativität verliert, moniert die Arbeitsgruppe „Gendergerechte Wissenschaft“ Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme mit dem Titel „Frauen in der Wissenschaft: Entwicklungen und Empfehlungen“.

Die Arbeitsgruppe benennt mehrere Faktoren, die Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft behindern, u. a. die Dominanz von Männern in institutionellen Entscheidungsgremien, eine oft implizite Voreingenommenheit gegenüber Wissenschaftlerinnen, aber auch einen Mangel an Rollenvorbildern sowie die traditionelle Arbeitsteilung in Partnerschaften. Frauen leisteten nach wie vor die meiste Familienarbeit in einer Lebensphase, in der gleichzeitig die Weichen für eine wissenschaftliche Karriere gestellt würden.

Von flachen Hierarchien bis hin zu Fördermittelstreichungen

Um diesen Faktoren konsequent entgegenzuwirken, müsse Gleichstellung zu einer fest verankerten und priorisierten Aufgabe von Organisationsleitungen werden. Die Arbeitsgruppe empfiehlt konkrete Maßnahmen wie die Einführung flacher Hierarchien sowie transparente und geschlechtergerechte Gehaltsstrukturen. Die Vergabe institutionsgebundener Mittel und persönlicher Leistungszulagen sollte an die Bedingung geknüpft sein, dass Gleichstellungsziele erreicht werden.

Unbefristete Positionen und Tenure-Track-Modelle können Frauen ermutigen, ihre akademische Karriere nach der Promotion fortzuführen. Ermutigung erfahren sie auch durch persönliche Beratungen und Mentoringprogramme. Flexible Arbeitszeiten, Betreuungsangebote für Kinder – auch bei wissenschaftlichen Tagungen – sowie die Unterstützung junger Familien bei einem gerade in der Postdoc-Phase üblichen Auslandsaufenthalt helfen bei der Vereinbarkeit wissenschaftlicher Karrieren und Familie.

Außerdem sollen Leistungen von Frauen sichtbarer gemacht werden. Konferenzen und daraus hervorgehende Publikationen mit einer nur marginalen Präsenz von Wissenschaftlerinnen sollen weder hochschulintern noch -extern finanziell unterstützt werden. Wichtig ist zudem, die Fortschritte zu dokumentieren und Entwicklungen regelmäßig zu überprüfen.

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