Wichtiger Treiber

Life Sciences treiben Wirtschaft an

Pharma- und Medizintechnik sind für die Wirtschaftskraft im Norden die wichtigsten Treiber, zeigt eine Analyse.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 14.11.2016, 15:22 Uhr

WEDEL. Die Wirtschaftskraft des Life Science Clusters Nord wächst seit über einem Jahrzehnt stärker als die Gesamtwirtschaft. Eine Studie zeigt, dass Pharma- und Medizintechnik die wichtigsten Treiber sind. Deutlich wird dies in der Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts WifOR, das im Auftrag von Life Science Nord den ökonomischen Fußabdruck der Branche ermittelt hat.

Danach entstand im Jahr 2014 durch die Arbeit der beteiligten Unternehmen in der Region Hamburg und Schleswig-Holstein eine Wertschöpfung von vier Milliarden Euro. Von 2004 bis 2014 wuchs dieses Volumen um 1,1 Milliarden Euro.

Überdurchschnittliches Wachstum

Beim durchschnittlichen jährlichen Wachstum liegen die Life Sciences deutlich über der Gesamtwirtschaft. Im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland spielt der Norden ganz oben mit: Nur die Bundesländer Hessen und Baden-Württemberg kommen in der Bruttowertschöpfung je Einwohner auf höhere Werte (Norden: 1118 Euro je Einwohner).

Insgesamt beschäftigt die Branche im Norden rund 42.300 Mitarbeiter. In erster Linie sind es kleine und mittelständische Unternehmen, die den Markt prägen. Firmen mit weniger als 250 Beschäftigten erwirtschaften Zweidrittel des Umsatzes im Cluster. Wichtigster Sektor ist die Pharmaindustrie mit 43 Prozent, gefolgt von der Medizintechnik (35 Prozent).

Bedeutsam ist auch die Strahlkraft auf andere Branchen. Je Euro Wertschöpfung im Life Science Cluster entsteht in der Region ein weiterer Euro an Wertschöpfung in anderen Branchen. Für Deutschland insgesamt entsteht durch die Arbeit der Unternehmen im Norden sogar eine Wertschöpfung von 2,37 Euro je Euro im Cluster.

Die in der Zentrale von Astra Zeneca in Wedel bei Hamburg vorgestellten Zahlen überzeugten auch die Wirtschaftsressortchefs beider Landesregierungen. Frank Horch, unparteiischer Wirtschaftssenator in Hamburg, sprach von einer "Erfolgsgeschichte". Dies zeigt sich außer an den Zahlen auch an der Mischung der Unternehmen.

Anteil der Biotech- und Pharmaunternehmen steigen

Laut Horch waren bei Gründung des Clusters noch wenige Biotech- und Pharmaunternehmen dabei, deren Anteil sei inzwischen gewachsen. Sie profitieren von der Mitgliedschaft im Cluster, etwa von der Vernetzung, die nach Angaben von Dirk Greshake von Astra Zeneca von vielen qualifizierten Bewerbern als positiv empfunden wird.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) sieht einen weiteren Vorteil des Clusters darin, sich eine Position im internationalen Markt sichern zu können, die für einzelne Unternehmen schwer zu erreichen sei.

Stichwort Export: Insgesamt 5,8 Milliarden Euro betrug das Exportvolumen der Unternehmen aus dem Life Science Cluster im Jahr 2014, dies führte zu einem Exportüberschuss in Höhe von 2,5 Milliarden Euro.

Damit dieses Volumen noch steigt, hat das Cluster inzwischen enge Beziehungen zur Region Kobe in Japan aufgebaut. Außerdem ist man regelmäßig im Nahen Osten präsent. Clustermanager Dr. Hinrich Habeck reicht dies aber noch nicht aus. "Es geht darum, neue Absatzmärkte zu finden", formulierte Habeck als Ziel.

Life Science Nord wird über Mitgliedsbeiträge und von den beiden Bundesländern finanziert: Hamburg und Schleswig-Holstein steuern jeweils 400.000 Euro pro Jahr bei. An dieser Konstellation soll laut den beiden Politiker nichts geändert werden.

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