Nationaler Plan nötig

Medizinische Daten digital besser auswerten!

Kann die medizinische Versorgung von kranken Menschen mithilfe der Digitalisierung verbessert werden? Universitätskliniken haben sich zusammengeschlossen, um Anwendungen zu testen.

Von Sven EichstädtSven Eichstädt Veröffentlicht:
Verschiedene Kliniken haben sich zusammengeschlossen, um den Nutzen digitaler Anwendungen zu testen.

Verschiedene Kliniken haben sich zusammengeschlossen, um den Nutzen digitaler Anwendungen zu testen.

© BillionPhotos.com / Fotolia

LEIPZIG. Eine nationale digitale Infrastruktur für medizinische Daten aufzubauen ist das übergeordnete Ziel, das verschiedene Universitätskliniken derzeit verfolgen. Dabei beschäftigen sich die Kliniken mit der Frage: Wie kann die Versorgung von kranken Menschen mit der Digitalisierung von medizinischen Daten verbessert werden?

Kernstück ist eine digitale Patientendatei, die es ermöglicht, Daten zu anderen Ärzten oder Kliniken zu transferieren.

Professor Wolfgang Fleig

Medizinischer Vorstand am Universitätsklinikum Leipzig

Die Universitätskliniken Aachen, Bonn, Essen, Halle, Hamburg, Jena und Leipzig haben sich dazu zu dem Projekt namens "Smith" zusammengeschlossen, das zum Jahresbeginn seine Arbeit aufgenommen hat. Für zunächst vier Jahre unterstützt das Bundesforschungsministerium die Krankenhäuser mit insgesamt 45 Millionen Euro, die bereits konkrete Anwendungsfälle entwickelt haben. Insgesamt stellt das Ministerium 150 Millionen Euro Fördergelder bereit.

"Wir wollen dazu beitragen, den eklatanten Mangel an der Durchdringung von medizinischen Informationen im Gesundheitswesen zu beheben", sagte Professor Wolfgang Fleig, medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig. "Kernstück ist eine digitale Patientendatei, die es ermöglicht, Daten zu anderen Ärzten oder Kliniken zu transferieren."

Der Großteil ist noch als Papierakte

Professor Markus Löffler, Leiter des Smith-Projekts und Direktor des Instituts für Medizinische Informatik an der Universität Leipzig, berichtete davon, dass an den meisten Krankenhäusern in der Bundesrepublik noch keine digitalen Patientenakten existierten, "der Großteil ist noch als Papierakte vorhanden".

Derzeit werden mehrere Anwendungsfälle unter die Lupe genommen: Eine Anwendung befasst sich zum Beispiel mit dem Einsatz von Antibiotika. "Wir hoffen, damit die Sterblichkeit zu verringern", erläuterte Professor André Scherag, Direktor des Instituts für Medizinische Statistik, Informatik und Datenwissenschaften am Universitätsklinikum Jena. "Einerseits wollen wir dafür sorgen, dass bei komplizierten Fällen frühzeitiger und zielgerichteter das passende Antibiotikum gegeben werden kann."

Andererseits sollen Antibiotika, wenn sie nicht nötig sind, vermieden werden. "Wir erwarten, dass wir den Einsatz von Antibiotika reduzieren können", ergänzte Scherag.

Ein weiterer Anwendungsfall soll auf Intensivstationen die Überwachung von kritisch kranken Patienten verbessern und so dafür sorgen, dass Pfleger und Ärzte in kritischen Situationen schneller eingreifen können. "Bei der Sepsis und dem akuten Lungenversagen haben wir zum Beispiel immer noch eine hohe Sterblichkeit auf den Intensivstationen in Deutschland", sagte Professor Gernot Marx, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin am Universitätsklinikum Aachen, der diese Anwendung leitet. "Wir wollen Diagnosen frühzeitiger und präziser stellen können und Organdysfunktionen reduzieren."

Die Ergebnisse der unterschiedlichen Anwendungsfälle sollen untereinander ausgetauscht und jeweils gegenseitig genutzt werden. Ziel ist es, dass später die Ergebnisse von allen Kliniken in ganz Deutschland angewandt werden.

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