Gegen den Fachkräftemangel

Medizinstudium lockt immer mehr Ausländer nach Deutschland

Deutschland wird als Gastland für internationale Studenten immer beliebter. Im internationalen Wettbewerb hat es die Republik auf Platz vier geschafft. Davon profitiert auch das Gesundheitswesen.

Von Rebekka Höhl Veröffentlicht: 15.08.2019, 17:31 Uhr
Medizinstudium lockt immer mehr Ausländer nach Deutschland

Rund 375000 ausländische Studenten zog es 2018 an deutsche Hochschulen.

© Christopher Futcher/ Getty Images / iStock

Geringere Studienkosten, aber vor allem auch ein gutes Ausbildungsniveau: Mit 375.000 ausländischen Studierenden im Wintersemester 2017/18 hat Deutschland im Ranking der Gastländer für internationale Studierende Platz vier erreicht, nach den USA (971.417 ausländische Studierende), Großbritannien und Australien.

Die meisten ausländischen Studenten zieht es zwar nach wie vor in die Ingenieursschmieden der Republik – immerhin ein Drittel hat sich in die entsprechenden Fachbereiche eingeschrieben –, aber auf Platz fünf der beliebtesten Studienrichtungen (rund vier Prozent aller ausländischen Studierenden) folgen die Humanmedizin und die Gesundheitswissenschaften.

Das geht aus dem aktuellen Bericht „Wissenschaft weltoffen 2019“, den der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) am Donnerstag veröffentlicht haben, hervor.

Vier Prozent in Medizin und Gesundheitswissenschaften mag sich im ersten Augenblick wenig anhören. Ganz anders sieht die Relation allerdings aus, wenn man zum einen die immer noch hohen Zugangshürden zum Medizinstudium betrachtet. Für 2019 weisen fast alle Bundesländer etwa einen Numerus clausus von 1,0 aus. Zum anderen machten die 14.887 ausländischen Studierenden von den im vergangenen Jahr bundesweit 182.700 Studenten in den Fachbereichen Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften dann doch über acht Prozent aus.

Keine temporären Aufenthalte

Dabei zählt die große Mehrheit der ausländischen Studenten (nämlich 280.000 bzw. 75 Prozent) zu den sogenannten Bildungsausländern – also Studierende, die sich mit einer Hochschulzugangsberechtigung aus dem Ausland in Deutschland um einen Studienplatz bewerben.

Und es sind auch nicht nur temporäre Studienaufenthalte, die die internationalen Studierenden locken: 91 Prozent aller Bildungsausländer an deutschen Hochschulen planten im Studienjahr 2018, auch ihren Abschluss in Deutschland abzulegen. Von den 14.887 Studierenden in der Humanmedizin und den Gesundheitswissenschaften waren es sogar rund 94 Prozent. Bei der Frage, wie sich künftig der Fachkräftemangel auffangen lässt, nicht uninteressant. Denn wer in Deutschland Medizin oder Pflegewissenschaften studiert, lernt bereits das deutsche Gesundheitswesen mit seinen Feinheiten kennen.

Tatsächlich die entsprechende Abschlussprüfung abgelegt haben nach den Daten im Studienjahr 2017 41.736 ausländische Studenten. Zum Vergleich: Fürs vergangene Jahr vermeldete das Statistische Bundesamt bundesweit 501.734 erfolgreich abgelegte Abschlussprüfungen an deutschen Hochschulen.

„Die Ergebnisse zeigen nicht nur die hohe Qualität des deutschen Wissenschafts- und Hochschulsystems. Fast 42.000 internationale Studienabsolventinnen und -absolventen im letzten Jahr bilden auch ein bedeutendes und wachsendes Potenzial zur Deckung unseres Fachkräftebedarfs“, kommentiert Bundesbildungsministerin Anja Karliczek den Bericht. Gefragt nach den Gründen für die Wahl des Gastlandes Deutschlands geben 71 Prozent der Bildungsausländer an, dass sie der gute Ruf deutscher Hochschulen lockt, 83 Prozent der internationalen Studierenden würden Deutschland zudem Freunden und Bekannten als Studienort empfehlen.

Deutliches Plus bei Gesundheitswissenschaften

Dass Deutschland gerade auch im Bereich Gesundheit bei ausländischen Studierenden beliebter wird, zeigen folgende Entwicklungen: Im Jahr 2013 lag die Zahl der ausländischen Studenten in der Humanmedizin und den Gesundheitswissenschaften an den Universitäten noch bei 10.000 und an den Fachhochschulen bei gut 600, 2018 studierten in den beiden Fachgebieten an den Unis 13.548 Bildungsausländer, an den Fachhochschulen waren es 1339.

Für die Fachhochschulen bedeutet das einen Zuwachs von 115 Prozent bei den internationalen Studenten. Und es zeigt ein deutlich gestiegenes Interesse an den Fächern der Gesundheitswissenschaften.

Den höchsten Anteil an Bildungsausländern weisen übrigens die Hochschulen in Berlin (17 Prozent), Sachsen (14 Prozent), Brandenburg (13 Prozent) und Thüringen (13 Prozent) auf. Dabei kamen die meisten ausländischen Studenten im vergangenen Jahr aus China nach Deutschland (12,8 Prozent), gefolgt von Indien und Russland (jeweils 4,9 Prozent), Österreich (4,2 Prozent) und Frankreich (3,1 Prozent).

Dass die Abwanderung deutscher Studenten gar nicht so dramatisch, wie oft vermutet ist, belegt eine andere Zahl: 144.900 deutsche Studenten waren 2018 an Universitäten im Ausland eingeschrieben. Insgesamt studierten in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 2,9 Millionen junge Menschen – inklusive der über 300.000 ausländischen Studenten.

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Kommentare
Dr. Juraj Galan

Gegen Fachkräftemangel??

Es ist in der Tat ein Erfolg, wenn Studienplätze, für die es nicht genügend Bewerber gibt, an Studierende aus der ganzen Welt vergeben werden.
Bei einem so begehrten Fach wie Medizin, ist die Lage anders: jeder ausländische Medizinstudent, besetzt einen Platz, der dann für deutsche Abiturienten nicht mehr zur Verfügung steht.
So warten hervorragend ausgebildete einheimische junge Menschen Jahre auf einen Studienplatz, oder zahlen viel Geld für ein Medizinstudium im Ausland, während oft deutlich schlechter geeignete ausländische Studenten die begehrten Plätze bekommen.
Die Überschrift "Gegen den Fachkräftemangel", ist bei NC Fächern absolut fehl am Platz. Es wird sicher ein höherer Prozentsatz der ausländischen Studenten nach dem Studium Deutschland verlassen, als Deutsche es tun würden.


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