Direkt zum Inhaltsbereich

Psychische Erkrankungen

Mobbing bedingt keine Berufskrankheit

Da nicht nachgewiesen ist, dass bestimmte Berufsgruppen Mobbing häufiger ausgesetzt und psychisch erkranken als die übrige Bevölkerung, ist die Anerkennung als Berufskrankheit nicht möglich, entschied ein Sozialgericht.

Veröffentlicht:
Mobbing am Arbeitsplatz kann Wunden hinterlassen: Eine resultierende psychische Erkrankung ist aber keine anzuerkennende Berufskrankheit, urteilte jetzt das Bayerische Landessozialgericht.

Mobbing am Arbeitsplatz kann Wunden hinterlassen: Eine resultierende psychische Erkrankung ist aber keine anzuerkennende Berufskrankheit, urteilte jetzt das Bayerische Landessozialgericht. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© pix4U / stock.adobe.com

München. Eine psychische Erkrankung wegen Mobbings am Arbeitsplatz ist keine anzuerkennende Berufskrankheit. Da bislang nicht nachgewiesen ist, dass eine bestimmte Berufsgruppe Mobbing häufiger ausgesetzt ist und psychisch erkrankt als die übrige Bevölkerung, ist die Anerkennung als Berufskrankheit nicht möglich, entschied jetzt das Bayerische Landessozialgericht.

Der Kläger war von 2006 bis August 2012 als Pastoralreferent in einer italienisch-katholischen Gemeinde tätig. Wegen der Arbeitsbedingungen schloss er mit dem Bistum 2016 einen Aufhebungsvertrag. Beim Unfallversicherungsträger beantragte er wegen seiner erlittenen Depressionen und seiner Posttraumatischen Belastungsstörung die Anerkennung als Berufskrankheit. Er führte seine psychische Erkrankung auf regelmäßiges Mobbing während der Arbeit zurück.

Doch der Unfallversicherungsträger lehnte den Antrag ab. Die psychische Erkrankung durch Mobbing sei keine in der Berufskrankheiten-Verordnung anerkannte Berufskrankheit.

Höheres Mobbing-Risiko für Pastoralreferenten? Wohl nicht.

Dem schloss sich das LSG München an. Zwar könnten auch in der Berufskrankheiten-Verordnung nicht genannte Erkrankungen „wie“ eine Berufskrankheit anerkannt werden. Voraussetzung sei aber, dass eine bestimmte Personengruppe wegen ihrer versicherten Tätigkeit „in erheblich höherem Maße“ als die übrige Bevölkerung besonderen Einwirkungen ausgesetzt ist, die nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft diese Krankheit hervorrufen.

Dass Pastoralreferenten ein höheres Mobbing-Risiko haben, sei aber nicht belegt. Mobbing sei vielmehr ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, so das Gericht weiter. Zwar könne Mobbing durchaus zur psychischen Erkrankung des Klägers geführt haben. Für die Anerkennung als Berufskrankheit komme es aber nicht auf den Einzelfall an. (fl/mwo)

Bayerisches Landessozialgericht, Az.: L 3 U 11/20

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Organspende

245 Abgeordnete nehmen neuen Anlauf für die Widerspruchsregelung

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

© William / Generated with AI / Stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Cannabis-Blüten auf Kassenrezept sind raus – was sind die Alternativen?

Lesetipps
Luftverschmutzung aufgrund von Feuer, gepaart mit Hitzewellen - da leidet nicht nur die Lunge, sondern auch das Herz.

© Kang / stock.adobe.com

Effekte der Klimaerwärmung

Hitze plus Waldbrandrauch erhöhen kardiovaskuläre Mortalität