Datenschutz

Nach Datenleck in Praxissoftware: BFAV-Chef Petzold fordert Freiwilligkeit für TI-Anschluss

Weil Praxen offenbar auch bei unverschuldeten Sicherheitslücken für Datenschutzverletzungen verantwortlich sind, dürfen sie laut Bayerischem Facharztverband nicht zum Anschluss an die TI gezwungen werden.

Veröffentlicht:
Sind die Patientendaten gefährdet? Praxen sind verpflichtet, zu prüfen, ob eine Software datenschutzkonform ist. Hier können aber vertragliche Regelungen helfen, allein auf ein Zertifikat sollten sich Praxen nicht verlassen.

Sind die Patientendaten gefährdet? Praxen sind verpflichtet, zu prüfen, ob eine Software datenschutzkonform ist. Hier können aber vertragliche Regelungen helfen, allein auf ein Zertifikat sollten sich Praxen nicht verlassen.

© Song_about_summer / stock.adobe.com

Kulmbach / München. „Wenn der Arzt das Sicherheitsrisiko für die Patientendaten in seiner Praxis letztendlich allein trägt, muss er auch allein entscheiden können, ob er sich an die TI anbinden lässt oder nicht.“ – Zu diesem Resümee kommt Dr. Gernot Petzold, Vorstand des Bayerischen Facharztverbandes (BFAV). Hintergrund seiner Stellungnahme: Am 11. August war eine Sicherheitslücke im Praxisverwaltungssystem inSuite von Doc Cirrus bekannt geworden.

Laut NDR und WDR waren Daten von rund 270 Arztpraxen und mehr als 60.000 Patienten – persönliche Daten, Rechnungen und Befunde – für Fremde weitgehend ungesichert einsehbar. Eigentlich sollte das Konzept des „Datensafes“ der Firma Doc Cirrus Sicherheitslecks vorbeugen: Das Unternehmen wirbt damit, dass die Daten zu 100 Prozent lokal gespeichert würden, „auf Ihrem Doc Cirrus Datensafe“.

Datenaktivisten der Gruppe „Zerforschung“ fanden über das zentrale Zugangsportal von Doc Cirrus die internen Zugriffsdaten der Arztpraxen, sodass es möglich war, auf die E-Mail-Konten der in der Software registrierten Arztpraxen zuzugreifen. Darüber sei es möglich gewesen, die E-Mail-Kommunikation zwischen den Ärzten und Patienten einzusehen. Das Unternehmen bestätigte einen Programmierfehler. Dieser sei mittlerweile behoben, die betroffenen Dienste seien größtenteils wieder aktiv. Die betroffenen Kunden seien informiert worden.

„Verantwortlich ist die Arztpraxis“

Für BFAV-Vorstand Petzold, selbst niedergelassener Augenarzt in Kulmbach, stellte sich hier die Frage, wer verantwortlich für die Datenschutzverletzung sei – die Antwort lieferte der Pressesprecher des Bundesdatenschutzbeauftragten, Christof Stein: Tatsächlich habe ein Softwarehersteller keine Verpflichtung, seine Software in irgendeiner Art und Weise datenschutzkonform auszugestalten, so Stein. Das gelte auch für Software, die sensible Daten verarbeite. Verantwortlich sei die Arztpraxis; sie müsse überprüfen, ob eine Software datenschutzkonform sei – und dürfe sich nicht auf Zertifikate oder Gütesiegel verlassen.

Allerdings gibt es durchaus Möglichkeiten, einen sogenannten Auftragsverarbeitungsvertrag aufzusetzen. Bundesärztekammer und KBV verweisen etwa auf den Mustervertrag der Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit e.V., GDD (www.gdd.de.)

Petzold kommt dennoch zu dem Schluss, „dass jede Verbindung des Praxisservers mit dem Internet zu einem Sicherheitsrisiko für eine Arztpraxis werden kann, für das der Praxisinhaber allein verantwortlich ist“. Insofern sei es nur folgerichtig, dass der BFAV Klage beim Sozialgericht München gegen den Honorarabzug bei Nichtanschluss an die Telematikinfrastruktur (TI) eingelegt habe. (mic)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema

Gesundheitspolitik

HPV-Impfung verhindert Krebs

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
Dr. Tino Großmann, Senior Vice President Connectivity bei der CompuGroup Medical

© CGM

„ÄrzteTag extra“-Podcast

„Die eAU wird der entscheidende Meilenstein sein“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: CompuGroup Medical
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

New Orleans

Herzkongress ACC 2026: Das sind die wichtigen neuen Studien

Insbesondere Clindamycin, Fluorchinolone und Flucloxacillin

Antibiotika wirken sich offenbar langfristig auf das Darmmikrobiom aus

Lesetipps
5 Blutproben in Röhrchen

© Pixel-Shot / Stock.adobe.com

Chronische Erkrankungen

Diese fünf Biomarker weisen auf Multimorbidität hin