Neue Karte: Experten warnen vor Hackerangriffen

HAMBURG (cben). Harte Kritik übten die Referenten der Hamburger Veranstaltung von "Stoppt die E-Card" an der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte in der geplanten Form. Sie wollen das weltweit größte IT-Projekt prüfen oder ganz stoppen.

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Kartenleser sind fertig, aber die Kartengegner bleiben skeptisch.

Kartenleser sind fertig, aber die Kartengegner bleiben skeptisch.

© Foto: Sagem Monetel.

"Die elektronische Gesundheitskarte ist ein teures, überflüssiges bürokratisches Monster", warnte der Arzneimittelexperte Professor Dr. Harald Schweim, ehemals Leiter des Instituts für Arzneimittelsicherheit im Bundesgesundheitsministerium (wir berichteten kurz). Das Versprechen, die neue Karte verbessere die Versorgung im Notfall sei "nur Makulatur", sagte Schweim. Derzeit gehe es bei den Kassen vor allem um den Onlinestammdatendienst, also die automatische Aktualisierung der Patienten-Stammdaten und um den Notfalldatensatz auf der Karte.

Zu der Hamburger Veranstaltung hatte die Aktion "Stoppt die E-Card" eingeladen. Silke Lüder, Hausärztin aus Hamburg und Sprecherin der Aktion, kritisierte die Kassen. "Sie wollen, dass wir in den Praxen bei Statusänderungen die Stammdaten unserer Patienten online ändern sollen. Damit werden uns Zeit raubende Aufgaben zugemutet, die eigentlich die Kassen zu erledigen hätten."

Auch Professor Hartmut Pohl, Sprecher des Präsidiumsarbeitskreises Datensicherheit der Gesellschaft für Informatik, erhob schwere Bedenken gegen die elektronische Gesundheitskarte. Zwar sei die Digitalisierung im Gesundheitswesen mit elf Milliarden Transaktionen im Jahr und einem Datenaufkommen von 23,6 Terabyte (ohne Bilddaten) unverzichtbar, so Pohl, aber die Einführung der E-Card berge "Risiken, die in einer Risikoanalyse umfassend bewertet werden müssen."

Nach Pohls Ansicht ist eine sichere Speicherung von Daten im Internet trotz Verschlüsselung und Pseudonomisierung unmöglich. Pohl: "Alle Computer, Server, Bridges et cetera können erfolgreich angegriffen werden." Außerdem könnten die gespeicherten Gesundheitsdaten beliebig verknüpft werden mit Daten aus Genom- , Maut- , oder den Verbindungsdaten von Bankkonten und Telefongesellschaften.

"Damit können Fragen gestellt werde wie: Wer wohnt in Köln, hat im letzten Jahr mehr als 25 000 Euro verdient, war zwei Mal in den USA, fuhr mehr als fünf Mal mit dem Auto nach Aachen, telefonierte wöchentlich mit München und leidet an Schwerhörigkeit?", sagte Pohl. "Und auf eine solche Frage wird es eine Antwort geben." Pohl erwartet vor der Einführung der Karte: "Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit und Verbindlichkeit mit Authentizität und Beherrschbarkeit" der E-Card. Hausärztin Lüder forderte: "Wir wollen, dass die Bundesregierung ein Moratorium initiiert, das den Nutzen der Karte prüft."

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